21.11.2012, Forschung
In den letzten drei Jahrzehnten entwickelte sich die DNA-Nanotechnologie von einer theoretischen Idee zu einer angewandten Wissenschaft, die mit einem großen Methodenschatz und einem Portfolio unterschiedlicher Objekte im Nanometer-Bereich ihr Potenzial unter Beweis stellt. Das Neue an dieser Arbeit hier ist, dass DNA-Technologie eingesetzt wurde, um mit Nanoporen einen der in der Natur am weitesten verbreiteten Regulationsmechanismen nachzubauen.
Um das Zellinnere von der äußeren Umgebung abzuschotten, verwenden alle Lebewesen dieselbe Barriere: eine undurchlässige Membran aus zwei Schichten von Lipiden. Diese Doppelmembran findet man auch im Zellinneren, etwa als Hülle des Zellkerns. Auch viele Viren sind von solch einer Doppelmembran umgeben. Zum Austausch zwischen den unterschiedlichen Milieus auf beiden Seiten dieser Barriere wird in der Natur ein weit verbreiteter Durchlassmechanismus eingesetzt: Membrankanäle sind röhrenförmige Strukturen aus Eiweißbausteinen (Proteinen), die durch die Lipidschichten hindurchragen und den Austausch von Substanzen und Informationen in beide Richtungen regulieren. Forschern ist es nun erstmals gelungen, einen solchen Membrankanal aus DNA-Strukturelementen zu konstruieren, der vielfältig eingesetzt werden könnte: „Wenn Sie eine Substanz in eine Zelle injizieren wollen, müssen Sie irgendwie ein Loch in die Zellmembran stanzen. Mit diesen kanülenartigen Strukturen schaffen wir das, zumindest in Modellzellmembranen“, erläutert Prof. Hendrik Dietz von der TU München, Fellow am TUM Institute for Advanced Study.