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Internationales Projekt untersucht Biodiversität in der Landwirtschaft

Ökolandbau fördert Artenvielfalt auf Ackerflächen

Eine Wissenschaftlerin sammelt Regenwürmer im Grasstreifen zwischen zwei Feldern.
Eine Wissenschaftlerin sammelt Regenwürmer im Grasstreifen zwischen zwei Feldern. (Foto: S. Wolfrum / TUM).

Bedeutet ökologischer Landbau auch eine größere Artenvielfalt? Im Prinzip ja, doch ist neben der Art und Intensität der Bewirtschaftung auch die Anzahl an unterschiedlichen Lebensräumen entscheidend. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie, die zehn europäische und zwei afrikanische Regionen untersucht hat und in Nature Communications erschienen ist. Auch Öko-Betriebe müssen Artenvielfalt gezielt fördern, indem sie zum Beispiel zusätzliche artenreiche Lebensräume erhalten. 

Ein internationales Team unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) untersuchte im Zeitraum von 2010 bis 2013 die Frage, ob der ökologische Landbau und extensive Formen der Landnutzung die Biodiversität fördern. Dabei interessierte die Forschenden die Frage, ob auf ökologischen Betrieben mehr Arten vorkommen als auf konventionellen Nachbarbetrieben. Durch die Verwendung europaweit einheitlicher Methoden wurden Daten erhoben, die es ermöglichen sowohl den Einfluss von Art und Intensität der Bewirtschaftung als auch der Landschaftsstruktur auf Biodiversität zu analysieren.

„Vom Ökolandbau profitiert die Artenvielfalt von Pflanzen und Wildbienen besonders. Die beobachteten Vorteile konzentrieren sich jedoch vor allem auf Ackerflächen“, fasst Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen von der TUM die Ergebnisse zusammen. Sein Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme führte die Analysen in 16 bayerischen Milchviehbetrieben durch.

Die Studie untersuchte Betriebe insgesamt zwölf Regionen mit sehr unterschiedlichen natürlichen Produktionsbedingungen. In jeder Region wurden standorttypische Betriebe zufällig ausgewählt, die Hälfte davon seit mindestens fünf Jahren zertifiziert ökologisch bewirtschaftet. So wurden zum Beispiel in der Schweiz Futterbaubetriebe, in Österreich und Südfrankreich Ackerbaubetriebe, in Italien und Spanien Betriebe mit Dauerkulturen wie Wein oder Oliven und in Uganda kleinbäuerliche Selbstversorgerbetriebe untersucht.

Mehr Arten dank Hecken und Feldrändern

Während die Forscher auf Bio-Äckern deutlich mehr Arten fanden als auf Nicht-Bio-Äckern, war dies auf Wiesen oder in Rebkulturen nicht der Fall. Die vier Artengruppen Pflanzen, Regenwürmer, Spinnen und Wildbienen, die stellvertretend für die große Vielfalt an Lebewesen untersucht wurden, profitierten in unterschiedlichem Maß vom Ökolandbau. Auf Öko-Flächen wurden mehr Pflanzen- und Wildbienenarten gefunden als auf konventionellen Flächen, jedoch nicht mehr Arten an Spinnen und Regenwürmern.

Wurden Arten aus Randflächen wie Hecken oder Feldrändern in den Vergleich einbezogen, so verringerten sich die Unterschiede zwischen ökologischem und konventionellem Landbau. „Offenbar kommen die auf ökologischen Äckern gefundenen Arten in den übrigen Betrieben eher in den Randbereichen vor, und die gesamte Artenzahl verändert sich deshalb kaum“, erklärt Max Kainz, Leiter des Teilprojekts an der TUM. Auch das Vorkommen seltener oder gefährdeter Arten war laut Kainz nicht von der ökologischen Bewirtschaftung abhängig.

Auch der Ökolandbau braucht zusätzliche Lebensräume

Zum Schutz der stark gefährdeten Artenvielfalt in der Agrarlandschaft braucht es neben dem Ökolandbau auch die Erhaltung von Lebensräumen. Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen die Anzahl an Lebensräumen auf den Betrieben durch Strukturelemente wie zum Beispiel Gehölze, Grasstreifen oder Brachflächen zu erhöhen. „Erstaunlicherweise fanden wir auf den Öko-Betrieben über alle Regionen hinweg nicht mehr naturnahe Lebensräume als auf den übrigen Betrieben“, berichtet Kainz.

„Es zeigte sich sehr deutlich, dass die Vielfalt an Lebensräumen entscheidend für die Artenvielfalt ist“, bilanziert auch Prof. Hülsbergen und ergänzt: „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, wie wichtig die Erhaltung und Neuschaffung von Landschaftsstrukturen ist, wie sie mit dem Greening-Programm der EU-Agrarpolitik umgesetzt werden sollen. Wenn sich die zusätzlichen Lebensräume vom Rest der Betriebsfläche unterscheiden, zum Beispiel Hecken in Graslandbetrieben oder Krautstreifen in Ackerbaubetrieben, erhöhen sie die gesamte Artenzahl des Betriebes stark.

Publikation: 

Schneider M.K. et al. (2014): Gains to species diversity in organically farmed fields are not propagated at the farm level, Nature Communications 5:4151; DOI: 10.1038/ncomms5151

Das Projekt BioBio:

Ziel des Forschungsprojekts BioBio im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Union bestand darin, eine Methode zu entwickeln, mit der die Biodiversität auf Landwirtschaftsbetrieben bestimmt werden kann. Das international zusammengesetzte Forschungsteam unter der Leitung von Agroscope erarbeitete dazu Biodiversitätsindikatoren, die wissenschaftlich fundiert, auf europäischer Ebene anwendbar sowie für die Interessensgruppen relevant und nützlich sind.

Mehr Informationen zum BioBio-Projekt

Kontakt: 

Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme
Technische Universität München
www.wzw.tum.de/oekolandbau/index.php