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König Fußball an der Börse

Den Aktienkurs spielend beeinflussen

Borussia Dortmund lag nicht nur in den letzten Bundesliga-Spielzeiten vorne: Vor zehn Jahren ging der BVB als erster und einziger deutscher Fußballverein an die Börse. Zusammen mit 20 anderen europäischen Fußballvereinen, darunter Ajax Amsterdam und Juventus Turin, ist der BVB im Stoxx Europe Football Index notiert. Doch was treibt den Wert von Fußballaktien? Ein Forschungsprojekt an der TU München hat jetzt am Beispiel der BVB-Fußballaktie untersucht, wie stark das Ergebnis eines Spiels die Kursentwicklung des Papiers beeinflusst.

Bei ihren Untersuchungen stellten die Wirtschaftswissenschaftler fest, dass nicht nur der unmittelbare Ausgang einer Partie, sondern auch die Erwartungshaltung und der Austragungsort eine wichtige Rolle auf dem Börsenparkett spielen. Für die Studie werteten sie die vergangenen sechs Spielzeiten der Borussia aus. Um den tatsächlichen Einfluss der sportlichen Resultate auf den Aktienkurs zu ermitteln, verglichen sie die Kursänderungen der Aktie nach den Spielen mit den jeweiligen Tageswerten des Gesamtmarktes. Aus dieser Differenz – auch abnormale Rendite genannt – lässt sich ablesen, welchen Effekt Sieg oder Niederlage auf die Entwicklung der Aktie haben.

Erwartungsgemäß wirken sich Siege positiv auf die Aktie aus. So stieg der Börsenkurs der BVB-Aktie am ersten Handelstag nach einem gewonnenen Spiel durchschnittlich um 1,31 Prozentpunkte. Niederlagen riefen eine deutlich stärkere Reaktion hervor – die abnormale Rendite lag bei minus 2,83 Prozent. Auch ein Unentschieden bewerten die Investoren eher ungünstig – der Negativeffekt hier lag bei durchschnittlich 1,78 Prozent. Diese erste allgemeine Analyse zeigt deutlich den Einfluss sportlicher Ereignisse auf den Unternehmenswert. Beim aktuellen Marktwert des BVB von etwa 150 Millionen Euro entspricht ein Sieg einer Wertsteigerung von knapp 2 Millionen Euro, ein Unentschieden oder eine Niederlage jedoch Kapitaleinbußen von über 2,5 bzw. mehr als 4 Millionen Euro.

Die Wissenschaftler untersuchten auch, welche Rolle die Erwartungshaltung für die Bewertung der Aktie nach einem Match spielt. Dafür analysierten sie die Quoten von Wettbüros. Diese spiegeln wider, welchen Ausgang die Öffentlichkeit für ein Spiel erwartet. Kombiniert man die Erwartungshaltung mit den tatsächlichen Ergebnissen, lässt sich der Effekt von erwarteten bzw. unerwarteten Spielausgängen auswerten. So erzielte die BVB-Aktie eine positive abnormale Rendite von lediglich 1,18 Prozentpunkten, wenn Dortmund als Favorit gewann, während ein Überraschungserfolg in 2,21 Prozentpunkten resultierte. Eine „planmäßige“ Niederlage quittierten die Aktionäre mit einer negativen abnormalen Rendite von 2,08 Prozentpunkten, einen überraschenden Punkteverlust dagegen mit 3,51 Prozentpunkten.

Ähnliche Effekte zeigten sich auch bei Heim- und Auswärtsspielen. Hier wurde deutlich, dass die Anteilseigner bei Spielen vor heimischem Publikum von einem sportlichen Erfolg ausgehen. Ohne Überraschungseffekt erzielte ein Heimsieg des BVB nur eine abnormale Rendite von 0,88 Prozentpunkten, ein Punktgewinn auf fremdem Platz ein Plus von 1,82 Prozentpunkten. Bei Niederlagen und Unentschieden ist ein derart differenziertes Bild bei Borussia Dortmund nicht zu beobachten. Dies könnte auch an der gestiegenen Favoritenrolle des BVB liegen.

Zur Überprüfung ihrer Ergebnisse analysierten die Wissenschaftler auch die Aktienkurse aller börsennotierten europäischen Vereine im Stoxx Europe Football Index. Der Europavergleich bestätigt die bei der BVB-Fußballaktie beobachteten Resultate. Allerdings fielen die Rendite-Ausschläge zum Teil weniger stark aus, da in dem Index auch wenig liquide Vereine gelistet sind, deren Spiele nur geringe oder verzögerte Börsenaktivitäten auslösen.

„Diese Arbeit zeigt, dass der sportliche Erfolg unmittelbar auf die Aktienkurse der Fußballvereine durchschlägt. Allerdings werden Punktgewinn oder -verlust auch abhängig von den objektiven Erwartungen und vom Spielort bewertet“, erklärt Prof. Christoph Kaserer vom Lehrstuhl für Finanzmanagement und Kapitalmärkte und rät: „Auch beim Fußball gilt: Ein kluger Anleger sollte auf ein  möglichst diversifiziertes Portfolio achten.“

Kontakt:
Matthias Hanauer (derzeit an der Columbia University, New York, USA)
Lehrstuhl für Finanzmanagement und Kapitalmärkte
Technische Universität München
E-Mail: matthias.hanauer(at)tum.de

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