European Union Week
„Eine der besten Entscheidungen in meinem Studium“
Der Europatag am 9. Mai ist für Joachim Henkel ein ganz besonderer Tag. „Er erinnert uns daran, was die EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam erreicht haben: eine Zeit des Friedens und der Demokratie, des freien Handels und des grenzüberschreitenden Austausches“, sagt der Professor für Technologie- und Innovationsmanagement. Die selbstverständliche europaweite Zusammenarbeit in Forschung und Lehre sieht Henkel in Gefahr, weil das Bewusstsein für die Bedeutung der europäischen Werte und Institutionen schwindet.
„Als Universität profitieren wir enorm von den Vorteilen der europäischen Einigung“, sagt Henkel. Das reiche vom Erasmus-Programm bis hin zur Förderung von Forschungsprojekten. „Diesen europäischen Gedanken müssen wir auch unseren Studierenden stärker vermitteln.“ Seit 2017 organisiert die TUM School of Management deshalb die European Union Week: Rund um den 9. Mai finden in München und an mittlerweile neun europäischen Partneruniversitäten Vorträge und Diskussionsrunden statt, die sich um die EU drehen.
Die nächste European Union Week findet vom 4. bis 8. Mai 2026 statt und steht allen Interessierten offen: Programm der European Union Week 2026.
Die European Union Week geht zurück auf die Entscheidung Großbritanniens, aus der EU auszutreten. „Die Brexit-Entscheidung wäre anders ausgefallen, wenn sich mehr junge Menschen an der Wahl beteiligt hätten“, sagt Prof. Henkel rückblickend.
„Wir haben damals überlegt, was wir dem im Rahmen unserer Möglichkeiten entgegensetzen können.“ Die Idee: Während der European Union Week lädt jede Hochschule hochkarätige Persönlichkeiten ein – aus den europäischen Institutionen selbst sowie aus Forschung und Wirtschaft. Die Veranstaltungen werden in Präsenz und online angeboten und stehen Studierenden aller Partnerländer offen. Gemeinsam mit der Studierendeninitiative TUM Speakers Series konnte das Team von Joachim Henkel beispielsweise 2025 Magnus Brunner an die TUM holen, den EU-Kommissar für Inneres und Migration. Für die nächste European Union Week im Mai 2026 hat die EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall zugesagt.
Zehn Universitäten aus ganz Europa
„Wir wollen Menschen, die auf europäischer Ebene Verantwortung tragen, mit unseren Studierenden zusammenbringen. Schließlich bereiten wir sie auch auf Entscheidungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft vor“, sagt Ute Helfers-Zentgraf. Die Teamleiterin im International Office der TUM School of Management koordiniert die European Union Week. Von anfangs drei ist das Netzwerk auf mittlerweile zehn Business Schools und Universitäten angewachsen. „Wir haben inzwischen ein echtes europäisches Netzwerk mit Partnerunis in fast jeder europäischen Region“, sagt Helfers-Zentgraf.
Zusätzlich hat das Team der TUM School of Management ein Blended Intensive Programme (BIP) initiiert. Die einwöchige Lehrveranstaltung vor Ort wird durch Online-Besprechungen vor- und nachbereitet und über das Programm Erasmus+ gefördert. Gastgeberin ist die Kozminski University in Warschau. Bei der ersten Runde im Mai 2025 arbeiteten etwa 30 Studierende aus Deutschland, Estland und Polen gemeinsam zum Thema europäische Wettbewerbsfähigkeit und Innovationen. 2026 sollen Studierende aus Italien, Rumänien und den Niederlanden hinzukommen.
In ein neues Land eintauchen
An der TUM gibt es vielfältige Möglichkeiten, Auslandserfahrung zu sammeln: Sie ist über die strategische Partnerschaft EuroTech Universities Alliance mit führenden europäischen Technischen Universitäten verbunden. Daraus hervorgegangen ist die EuroTeQ Engineering University (EuroTeQ): Hier entsteht ein interuniversitärer Campus mit einem breit gefächerten Angebot an gemeinsamen Lehrveranstaltungen, individuell gestaltbaren Studienplänen und digitalen Formaten, das den Studierenden der Partneruniversitäten sowie Professionals offensteht. Zudem können mithilfe des Erasmus-Programms Studierende und Mitarbeitende im europäischen Ausland lernen und arbeiten. In jedem akademischen Jahr nutzen rund 2.000 Menschen an der TUM diese Möglichkeit.
„Es war eine der besten Entscheidungen in meinem Studium, mich für das BIP in Warschau zu bewerben“, sagt Marco Zimmermann. Er studiert im Master Management and Technology an der TUM. „Die Studierenden haben ganz verschiedene Erfahrungen und Perspektiven in die Gruppe eingebracht. Dieser Austausch vor Ort, das war für mich eine Erfahrung, die im Kopf bleibt“, sagt Zimmermann. „So wird greifbar, warum wir uns nicht in nationalen Strukturen abschotten sollten. Wenn wir in der EU zusammenarbeiten, können wir viel mehr erreichen.“
Das sieht Prof. Henkel ähnlich: „Die EU ist nicht perfekt. Aber wir müssen als Europäerinnen und Europäer zusammenhalten, dazu gibt es keine Alternative. Und dazu brauchen wir auch eine emotionale Verbundenheit mit der EU.“ Studierenden rät er zu einem Auslandsaufenthalt, sei es über ein BIP oder ein Erasmus-Semester. „So lassen sich Sprache, Land und Leute besser kennenlernen und die europäische Idee mit Leben erfüllen.“
Den Studenten Marco Zimmermann muss er davon nicht überzeugen. Das BIP in Warschau habe ihn bestärkt, sich noch einmal für ein Erasmus-Semester zu bewerben, sagt er. In Dänemark war er bereits während seines Bachelors. Das nächste Mal soll es nach Italien gehen.
- An der European Union Week beteiligen sich HEC Paris in Frankreich, Kozminski University in Polen, POLIMI School of Management in Italien, Bucharest University of Economic Studies in Rumänien, Estonian Business School in Estland, Esade – Ramon Llull University, Barcelona in Spanien, Corvinus University of Budapest in Ungarn, University of Amsterdam – Faculty of Economics and Business in den Niederlande und Lund University – School of Economics and Management (LUSEM) in Schweden.
-
In der EuroTeQ Engineering University gestalten TUM und weitere, zumeist europäische Universitäten eine gemeinsame Ausbildung für Ingenieurinnen und Ingenieure. Hervorgegangen ist sie aus der EuroTech Universities Alliance.
-
Mehr Informationen zum Erasmus-Programm an der TUM: https://www.international.tum.de/global/erasmus
-
Die TUM Speakers Series ist eine unabhängige, ehrenamtlich von Studierenden organisierte Veranstaltungsreihe. Ihr Ziel ist es, Studierenden Einblicke aus der Arbeitswelt und den Werdegang von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu vermitteln. Dies soll ihnen Impulse für die eigene berufliche und persönliche Entwicklung geben.
Ein Beitrag aus der dritten Ausgabe des TUM Magazins.
Technische Universität München
Corporate Communications Center
- Undine Ziller
- undine.ziller@tum.de
- presse@tum.de
- Teamwebsite