• 6.8.2026
  • Lesezeit: 3 Min.

Karriere in der Forschung: María José Zúñiga

Mobilität gerechter denken

Mobilität ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Doch nicht alle Menschen können sich mit derselben Freiheit und Selbstverständlichkeit durch Städte bewegen. Die Doktorandin María José Zúñiga erforscht, wie Mobilitätssysteme und öffentliche Räume gerechter, inklusiver und nachhaltiger gestaltet werden können – und wie unterschiedliche Identitäten und Lebenserfahrungen den Zugang zu Mobilität prägen.

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María José Zúñiga kommt aus Ecuador. An der Universidad de Azuay in Cuenca, der drittgrößten Stadt Ecuadors, studierte sie Architektur. Nach Stationen beim UN-Habitat in Afrika, dem Wohn- und Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen, und einem Masterstudium in den Niederlanden zog Maria 2022 nach München. Seitdem arbeitet sie am Lehrstuhl für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung von Prof. Gerhard Wulfhorst an der TUM School of Engineering and Design. 2026 begann sie ihre Promotion als Teil der TUM Mobility Justice Research Group

Gerechtere Städte als Forschungsziel

Ihr fachlicher Hintergrund sowie ihre Arbeit in der Stadtverwaltung in ihrer Heimatstadt Cuenca weckten María Josés Interesse an sozialer Gerechtigkeit. „Ich möchte verstehen, wie Menschen sich in Städten bewegen und welche Räume ihnen offenstehen – abhängig von ihren diversen Identitäten und Erfahrungen“, sagt sie. „Mobilität ist für mich kein rein technisches Thema. Sie verbindet soziale, wirtschaftliche, kulturelle, politische und ökologische Fragen.“

María beschäftigt sich mit dem Konzept der Intersektionalität. Verschiedene soziale Kategorien – etwa Geschlecht, Herkunft, Alter, sozialer Status, Migrationserfahrung oder Behinderungen – überschneiden sich mit Machtstrukturen und beeinflussen, in welchem Maß Menschen Benachteiligung oder Privilegien erfahren. Bei ihrer Literaturrecherche stellte María José fest, dass Intersektionalität in Forschung und Praxis der Mobilitätsplanung bislang nur wenig Beachtung findet. In ihrer Promotion überträgt sie dieses Konzept auf Mobilitätssysteme, um verborgene Ungleichheiten sichtbar zu machen. Dabei geht es um Fragen wie: Wer fühlt sich im öffentlichen Raum ausgeschlossen – und wer ist tatsächlich ausgeschlossen? Und welche sozialen Gruppen werden bei Prozessen der Stadt- und Mobilitätsplanung zu wenig berücksichtigt?

Die Forscherin María José Zúñiga bei einer Konferenz. María José Zúñiga
María José Zúñiga spricht bei der Konferenz „World Society for Transport and Land Use Research (WSTLUR)“ im Juni 2026 in Peking.

Den Blick auf die Benachteiligten richten

María José konzentriert sich auf soziale Gruppen, die besonders von Ausgrenzung betroffen sind, darunter Frauen, Migrantinnen und Migranten, Menschen mit Behinderung oder auch Kinder. Ihr Ziel ist es, strukturelle Benachteiligungen mit ihren Studien sichtbar zu machen und daraus Konzepte für gerechtere Mobilitätssysteme abzuleiten.  

„Wenn wir die Mobilitätsbedürfnisse der Gruppen verstehen, die im Alltag am stärksten benachteiligt sind, entstehen Lösungen, die vielen Menschen zugutekommen“, sagt María José. „Für mich bedeutet Mobilitätsgerechtigkeit, Machtstrukturen sichtbar zu machen und Planung stärker an den Lebensrealitäten aller Menschen auszurichten.“ 

Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern

Für ihre Forschung führt die Doktorandin Interviews mit Betroffenen. Sie arbeitet dabei unter anderem mit dem Inclusive Spaces Project zusammen, bei dem die inklusive Gestaltung für Menschen mit Behinderungen, das Monitoring und die Beurteilung städtischer Räume im Mittelpunkt stehen. Dabei analysiert sie, wie Behinderungen mit anderen sozialen Faktoren zusammenwirken und warum dies zu einer verstärkten Ungleichheit führt.

Darüber hinaus wertet sie Befragungen aus und führt Sensibilisierungsworkshops mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitgliedern marginalisierter Gemeinschaften durch. Die Projekte finden in Living Labs in deutschen Städten sowie im europäischen Ausland statt. Dabei zeigt sich: Viele Kommunen verfolgen ähnliche Ziele, stehen aber vor unterschiedlichen Voraussetzungen. Mobilitätskulturen, Ressourcen, Verkehrssysteme, politische Prozesse und Prioritäten der Bevölkerung unterscheiden sich zum Teil deutlich. 

„An der TUM kann ich meine Leidenschaft für Gerechtigkeit mit Forschung verbinden“, sagt María José. „Das war ursprünglich nicht so geplant. Heute sehe ich darin eine große Chance, zu inklusiveren und nachhaltigeren Städten beizutragen. Urbane und mobilitätsbezogene Räume sollten für alle Menschen zugänglich, sicher, frei nutzbar und lebenswert sein.“ Nachhaltige Mobilität bedeutet für María José mehr als klimafreundliche Verkehrsmittel: Sie ist Teil der Frage, wie Menschen Städte planen, wessen Wissen berücksichtigt wird, wer mitentscheidet und welche Formen von Teilhabe im Alltag möglich sind.

Mobilität

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Mobilität an der TUM
 

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