• 4.8.2026
  • Lesezeit: 2 Min.

NewIn: Daria Gritsenko

Wie Algorithmen staatliche Entscheidungen verändern

In dieser Folge von „NewIn“ lernen wir Daria Gritsenko kennen. Die neue Professorin für Algorithmic Governance and Public Policy untersucht, wie digitale Technologien staatliches Handeln verändern und wie sich algorithmische Entscheidungen auf demokratische Legitimität, öffentliches Vertrauen und die Wahrnehmung von Fairness auswirken.

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Von Visaanträgen bis hin zu Sozialleistungen: Algorithmische Systeme sind bereits heute an Entscheidungen beteiligt, die relevante Bereiche unseres Alltags betreffen. „Das ist kein Science-Fiction-Szenario“, sagt Daria Gritsenko. „Das geschieht hier und jetzt.“ Algorithmische Systeme können Verwaltungsprozesse beschleunigen und Entscheidungen unterstützen. Gleichzeitig verändern sie jedoch auch die Art und Weise, wie staatliches Handeln funktioniert. Wenn Regeln und Ermessensspielräume in Software eingebettet werden, verschieben sich auch die Fragen nach Verantwortung, Transparenz und Kontrolle. 

Für Gritsenko geht es bei diesen Entwicklungen nicht nur um technologische Effizienz. Sie werfen politische Fragen auf: Wie wird staatliche Autorität ausgeübt? Wie werden Entscheidungen begründet? Und unter welchen Voraussetzungen akzeptieren Bürgerinnen und Bürger automatisierte Verfahren oder stellen sie infrage? In ihrer Forschung richtet sie den Blick daher über die Gestaltung einzelner Systeme hinaus darauf, was geschieht, wenn algorithmische Instrumente Teil staatlicher Institutionen werden.

Wann werden Entscheidungen akzeptiert?

„Ich möchte verstehen, wie Menschen diese Systeme wahrnehmen und welche Normen sich im Umgang mit ihnen entwickeln“, sagt Gritsenko. Konkret untersucht sie beispielsweise, wer die Verantwortung trägt, wenn ein automatisiertes System einen Fehler begeht, was Menschen als fair empfinden und warum manche algorithmischen Entscheidungen akzeptiert werden, während andere Misstrauen hervorrufen. 

Um diese Fragen zu beantworten, verbindet sie politikwissenschaftliche Ansätze mit experimentellen Designs, qualitativen Erhebungsmethoden und computergestützten Verfahren. Anstatt Algorithmen als isolierte technische Werkzeuge zu betrachten, untersucht sie, wie Menschen, Institutionen und Technologien einander beeinflussen. „Mich interessiert nicht in erster Linie, wozu ein Algorithmus technisch in der Lage ist, sondern wie Technologie, Institutionen und gesellschaftliche Werte sich gegenseitig verändern“, sagt sie. Denn ob solche Systeme in der Öffentlichkeit Akzeptanz finden, hängt nicht nur davon ab, wie gut sie funktionieren, sondern auch davon, ob ihr Einsatz als verantwortungsvoll und legitim wahrgenommen wird. 

Zur Person:

Daria Gritsenko wurde 2025 als Professorin für Algorithmic Governance and Public Policy an die TUM berufen. Zuvor war sie zunächst Assistant Professor für Digital Humanities und später Associate Professor für Digital Social Science am Aleksanteri-Institut der Universität Helsinki. Für ihre herausragenden Forschungsbeiträge an der Schnittstelle von Politikwissenschaft, Umweltforschung und Digital Humanities erhielt sie 2021 den Nils-Klim-Preis.  

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