Katja Schmid (25) studiert im 9. Semester Luft- und Raumfahrttechnik an der TUM und gehört zur Akaflieg. Seit zwei Jahren fliegt sie selbst. (Foto: Uli Benz)
Katja Schmid (25) studiert im 9. Semester Luft- und Raumfahrttechnik an der TUM und gehört zur Akaflieg. Seit zwei Jahren fliegt sie selbst. (Foto: Uli Benz)
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90 Jahre Akaflieg:Von den Höhen und Tiefen des Segelfliegens

Seit fast einem Jahrhundert konstruieren und bauen Studierende der Hochschulgruppe Akaflieg Segelflugzeuge – schon 30 Prototypen sind seit der Gründung 1924 entstanden.  Bald wird auch der aktuelle Segelflieger „Mü 31“ fertiggestellt. TUM-Studentin Katja Schmid war an der Entstehung des Seglers beteiligt. Im Interview erzählt sie von den Höhen und Tiefen des Segelfliegens.

Katja, was macht Ihr bei der Akaflieg genau?

Schmid: Wir sind eine studentische Gruppe und beschäftigen uns mit dem Konstruieren, Bauen und Fliegen von Segelflugzeugen. Momentan arbeiten wir an der Fertigstellung unserer Mü31, das ist der 31ste Prototyp der Akaflieg München. Neben der Arbeit in der Werkstatt gibt es viele, die sich schon mit der Entwicklung der Mü32 beschäftigen, das wird ein neues Segelkunstflugzeug. Außerdem verbringen wir in den warmen Monaten viel Zeit am Flugplatz, wo wir selbst fliegen. Alle neuen Mitglieder können bei uns sehr kostengünstig das Segelfliegen lernen.

Wie bist Du zu Akaflieg gekommen?


Bei der Einführungsveranstaltung im ersten Semster haben sich alle Hochschulgruppen vorgestellt. Da hab ich zum ersten Mal von Akaflieg gehört. Ich wollte vorher schon lange einen Motorflugschein machen und fand die Arbeit der Gruppe total spannend. Und dann bin ich ganz schnell dazugekommen. Jetzt bin ich über vier Jahre dabei und es macht immer noch sehr viel Spaß.

Du bist im Team der Organisatoren. Was sind Deine Aufgaben?

Seit einem Jahr bin ich für unseren letzten Prototypen, die Mü30 „Schlacro“, verantwortlich. Das ist ein Motorkunstflugzeug, welches wir vor einigen Jahren gebaut haben, obwohl wir als Akaflieg normalerweise nur Segelflugzeuge bauen. Der Schlacro wird bei uns als Schleppflugzeug eingesetzt, um Segelflieger in die Luft zu ziehen. Ich kümmere mich jetzt um den Betrieb dieses Flugzeuges, dazu gehört natürlich die ganze Wartung, aber auch das Planen von Messebesuchen und Sponsoring.

Die „Mü 31“ wird bald fertig. Was ist an ihm so besonders und wieviel Arbeit steckt hinter dem flugfähigen Prototypen?

Als Akaflieg wollen wir bei unseren Prototypen etwas Neues erforschen oder entwickeln. Das Neuartige an der Mü31 ist der Rumpf-Flügel Übergang. Ausgehend von einem Serienflugzeug haben wir die Tragflächen nach oben gesetzt und somit eine Schulterdeckeranordnung entwickelt. Diese soll den Widerstand verringern, der an der Verbindung zwischen den Flügeln und dem Rumpf entsteht. Dadurch erzielen wir eine effizientere Gleitleistung, was bei Segelflugzeugen sehr wichtig ist, um möglichst lange in der Luft bleiben zu können. Bereits 1999 wurde die erste Semesterarbeit zu diesem Prototypen geschrieben, seitdem entwickeln und bauen wir das Flugzeug.

Wann wird Mü 31 fertig?


Wir rechnen damit, dass wir im kommenden Jahr, also 2015 unseren Erstflug machen können. Ganz sicher weiß man das natürlich erst, wenn der Flieger fertiggestellt ist und alle offiziellen Dokumente vorliegen. Aber momentan sieht es für uns sehr gut aus.

Im Jahr steckst Du über 300 Stunden in Akaflieg. Was treibt Dich an und was gefällt Dir an der Arbeit so gut?


Dass wir selbst Projekte organisieren und unglaublich viel Praktisches lernen. Segelfliegen ist ein Teamsport. Auch das schätze ich sehr. Und natürlich ist das Fliegen der Wahnsinn. Wenn der Flieger beim Start beschleunigt wird und man ruckartig in den Sitz gedrückt wird, dann habe ich ein Kribbeln im Bauch wie früher auf der Kinderschaukel. Das ist einfach unbeschreiblich schön. Und da unser Flugplatz im Münchner Süden ist, fliegen wir im Alpenvorland und die Aussicht dort ist natürlich genial.

(Interview: Sabrina Czechofsky)
    
Katja Schmid (25) studiert im 9. Semster Luft- und Raumfahrttechnik an der TUM. Seit zwei Jahren fliegt sie selbst. Dass sie später beruflich mit Fliegen zu tun hat, ist für sie fast schon ein Muss. Es wäre schwer vorstellbar, meint die Studentin, selbst am Schreibtisch zu sitzen und nur anderen beim Fliegen zuzuschauen.

Die Hochschulgruppe Akaflieg wurde vor 90 Jahren im Juli 1924 von vier TUM-Professoren ins Leben gerufen. Ziel war es, eine „Akademische Fliegergruppe“, kurz Akaflieg, zu gründen, um das Fliegen und die Entwicklung von Segelflugzeugen zu fördern. Jeder eingeschriebene Studierende einer Münchner Hochschule kann bei der Akaflieg mitmachen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos - um die Flugberechtigung zu erlangen, müssen Mitglieder 300 Arbeitsstunden im Jahr für Akaflieg leisten. Der Flugzeugpark der Gruppe umfasst derzeit unter anderem sechs flugfähige Prototypen.

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