Hussein Al Ammawi vor Würfel
Begeistert sich für U-Bahn- und Tunnelbau: TUM-Student Hussein Al Ammawi aus Syrien. (Foto: Uli Benz)
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Hussein Al Ammawi aus Syrien„München ist meine neue Heimat geworden“

Hussein Al Ammawi kam 2015 als syrischer Flüchtling nach Deutschland. Heute studiert er im 4. Semester Bauingenieurwesen an der TUM. Sein Weg bis dahin war voller Zufälle und glücklicher Wendungen.

Hussein, Du bist vor dem Krieg in Syrien geflohen? Wie ist es Dir in Deutschland ergangen?

Hussein Al Ammawi: Ich bin 2015 aus Syrien gekommen und zunächst in Weiden in der Oberpfalz gelandet. Dort habe ich für das Projekt „1 Euro pro Stunde“ gearbeitet, das heißt, ich habe ehrenamtlich in einem Bauhof mitgeholfen und dafür quasi symbolisch einen Euro pro Stunde erhalten.

Wie bist Du dann nach München gekommen?

Ich wurde darin bestärkt, weil alle meinten, in München wird es für mich einfacher sein, einen Job zu finden. Nach einigen Monaten habe ich einen Job am Flughafen München gefunden und bin hierhergezogen.

Wie ging es in München weiter?

Die Wohnungssituation in München ist schlimm. Gott sei Dank habe ich mit Hilfe meiner engagierten Chefin in Weiden eine sehr nette Familie gefunden, die mich für einige Wochen bei sich wohnen lassen wollte, bis ich eine eigene Wohnung gefunden habe. Letztlich war ich dann ein ganzes Jahr bei ihnen. Diese Menschen sind heute wie meine eigene Familie für mich.

Und seit zwei Jahren studierst Du nun an der TUM Bauingenieurwesen.

Ich habe in Syrien schon Bauingenieurwesen studiert und Deutsch gelernt. Die Sprachschule, in der ich meinen B2-Kurs absolviert habe, hat mich auf das Gasthörerprogramm der TUM aufmerksam gemacht. Das Gasthörerprogramm habe ich dann gemacht und es hat mir sehr gut gefallen. Nachdem ich meine C1 Deutschprüfung am TUM Sprachzentrum bestanden habe, habe ich mich für das Bachelor-Studium an der TUM eingeschrieben. Schon im Gasthörerprogramm habe ich vom Deutschlandstipendium erfahren und mich gleich dafür beworben.

Wie hilft Dir das Deutschlandstipendium bei Deinem Studium?

Natürlich hilft mir das Stipendium finanziell. Aber von Anfang an besonders geholfen hat mir die persönliche Unterstützung durch die Mitarbeiter des Deutschlandstipendiums.

Du bist ja bereits Familienvater.

Das stimmt. Meine Frau und ich sind am ersten Tag meines Studiums Eltern geworden und uns wurde deshalb aus Platzgründen die Wohnung gekündigt. Auch aus der nächsten Wohnung mussten wir bald wieder ausziehen. Frau Rieder und Frau Birkeneder vom Deutschlandstipendium haben mir sehr dabei geholfen, schnell eine neue Wohnung zu finden. Jetzt wohnen wir in einer Genossenschaftswohnung und ich kann mich endlich wieder auf mein Studium konzentrieren.

Hast Du schon Pläne, wie es nach dem Studium weitergeht?

In Syrien hatte ich den Bau von Gebäuden im Kopf. Seit ich hier studiere, interessiere ich mich sehr für U Bahn- und Tunnelbau. Ich möchte auf jeden Fall hier in München bleiben und arbeiten. Ein Teil meiner entfernten Verwandten wohnt in Düsseldorf und Köln und es wäre sicher schön, näher bei ihnen zu sein. Aber München ist meine neue Heimat geworden und ich möchte hier nicht mehr weg.  

(Interview: Sabrina Czechofsky)

Hussein al Ammawi (26) kommt aus al-Hasaka im Norden von Syrien. 2015 floh er vor dem Krieg allein nach Deutschland und konnte später seine Frau nachholen. Seine restliche Familie, zu der er regelmäßig Kontakt hat, lebt weiter in Syrien. Seit 2018 erhält er das Deutschlandstipendium der TUM. Studierenden-Bewerbungen für das Deutschlandstipendium sind noch bis 5. Juli 2020 möglich. Abiturient*innen können sich von 13. Juli bis 9. August 2020 bewerben. Mehr Infos: www.tum.de/deutschlandstipendium

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