Gerade in der Architektur fällt viel Abfall an: die TUM-SMichelle Hagenauer und Jakob Ohlenmacher von der AG Nachhaltigkeit
Gerade in der Architektur fällt viel Abfall an: die TUM-Studierenden Michelle Hagenauer und Jakob Ohlenmacher von der AG Nachhaltigkeit.
Bild: Astrid Eckert / TUM
  • Nachhaltigkeit, Campus, Studium

AG Nachhaltigkeit: Klimawandel, Ressourcenverbrauch und Abfallaufkommen„Wir wissen, worum es geht“

Ganz schön viel: Der Bausektor ist für circa 40 Prozent der globalen CO2-Emmissionen und 60 Prozent des deutschen Abfallaufkommens verantwortlich. Genau da wollen Michelle Hagenauer und Jakob Ohlenmacher, Architektur-Studierende an der Technischen Universität München, mit ihrer AG Nachhaltigkeit ansetzen.

Warum braucht gerade die Architektur-Fakultät der TUM eine AG Nachhaltigkeit?

Michelle Hagenauer: Bei uns könnte vieles nachhaltiger ablaufen. Das ist in der Lehre etwa die Studioarbeit, die sehr viel Müll produziert. Und dann haben wir eben ein enormes Fachwissen – etwa, was die Gebäude und den Energieverbrauch angeht. Wir wissen, worum es geht.

Ist der Müll von Modellbauten wirklich so ein großes Problem?

Michelle Hagenauer: Auf jeden Fall. Denn bei uns funktioniert viel über Entwurfsarbeiten in den Studios und Werkstätten. Pläne und Modelle werden dort gezeichnet und gedruckt. Das ist ein wichtiger Bestandteil des Architektur-Studiums, den niemand missen möchte. Aber es fällt eben auch viel Müll an – neben Pappe auch Styrodur, Metall, Kleber und Lösungsmittel.

Jakob Ohlenmacher: Als ich nach dem zweiten Semester – was für mich noch normal ablief – unseren Arbeitssaal mitaufgeräumt habe, stand im Innenhof der Universität ein 40 Kubikmeter Container. Der wurde gefüllt mit dem Müll von unseren Modellbauten. Alles Sondermüll, den man nicht mehr recyclen konnte.

Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich in der Architektur?

Jakob Ohlenmacher: Im Studium lernen wir, dass es um Wiederverwertbarkeit und Kreislaufwirtschaft geht. Und natürlich müssen wir für unsere Arbeiten irgendein Material verwenden. Aber es gibt eine Lücke zwischen dem, was uns beigebracht wird und wie wir tatsächlich arbeiten. Nachhaltigkeit heißt, dass man nicht nur das Bewusstsein hat – sondern auch entsprechend handelt: Und dass man darüber nachdenkt, welches Material man benutzt, wo es herkommt und wo es danach hingeht.

Nachhaltigkeit ist ein riesiger Themenkomplex. Um was kümmert sich eigentlich die AG?

Michelle Hagenauer: Neben der Müllthematik ist uns auch Mobilität wichtig. Wir wollen zum Beispiel für Materialtransporte auf dem Campus ein Lastenfahrrad anschaffen. Außerdem möchten wir anregen, dass wir für Exkursionen und Forschungsreisen nicht mehr das Flugzeug nehmen – sondern, sofern möglich, mit Zug oder Bus reisen.

Jakob Ohlenmacher: Auch beim Universitätsgebäude gibt es Verbesserungsbedarf. Im Winter kommt es regelmäßig vor, dass die Heizungen laufen und gleichzeitig die Fenster im Gang geöffnet sind. Außerdem sind uns eine bessere Mülltrennung und ökologische Putzmittel wichtig. Ich habe zum Beispiel an einem Nachhaltigkeitsguide für die Studierenden unserer Fakultät mitgearbeitet. Ziel war, die Lücke zwischen dem schon vorhandenen Bewusstsein bezüglich Nachhaltigkeit und der tatsächlichen Umsetzung im Uni-Alltag zu schließen.

Wie sehr ist nachhaltiges und klimagerechtes Bauen schon in der Lehre verankert?

Jakob Ohlenmacher: Also ich bin echt positiv überrascht, wie sehr das bei den Dozierenden schon angekommen ist. Wir Architekten haben schließlich eine besondere Verantwortung in unserem späteren Beruf. Aber in den Entwurfsarbeiten im Bachelor ist Nachhaltigkeit keiner der Hauptpunkte, die bewertet werden. Ich finde das problematisch, dass man Nachhaltigkeit noch oft als Wahlthema begreift. Nach dem Motto: Okay, jetzt bauen wir mal nachhaltig. Genau so wie: Jetzt bauen wir mit Stahl und jetzt mit Holz.

Michelle Hagenauer: Oft ist Nachhaltigkeit nicht mehr als eine Option, die man sich fakultativ aussuchen kann. Das ist der falsche Ansatz. Es müsste von vorneherein einer der entscheidenden Punkte sein. Oder es wird ein Gegensatz aufgemacht: Als ob man ein Gebäude entweder umweltfreundlich oder gestalterisch anspruchsvoll bauen kann.

Ihnen beiden ist Nachhaltigkeit in der Architektur offensichtlich sehr wichtig. Soll es beruflich später auch in eine solche Richtung gehen?

Michelle Hagenauer: Im Master habe ich mich viel mit nachhaltiger Stadtentwicklung beschäftigt. Da finde ich spannend, dass man ökologische mit sozialer Nachhaltigkeit und noch vielen anderen Themen verknüpfen kann.

Jakob Ohlenmacher: Ich habe gerade das vierte Semester im Bachelor abgeschlossen. Deshalb dauert der Berufseinstieg bei mir zwar noch, aber das Städtebau-Semester hat mir sehr gut gefallen und in dem Bereich sehe ich viel Potenzial für eine nachhaltigere Architektur. Der Themenkomplex Bauen mit Bestand ist aber auch sehr interessant. Denn die nachhaltigste Architektur ist die, die den Bestand nutzt.

Mehr Informationen:

  • Michelle Hagenauer (26) hat die AG Nachhaltigkeit Anfang 2020 mit zwei Professoren und zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen mitgegründet. Heute sind etwa 15 Leute in der Gruppe aktiv.

  • Die AG Nachhaltigkeit ist ein Zusammenschluss aus Studierenden, Lehrenden und Forschenden der Architektur-Fakultät. Denn auch an der TUM gebe es, so die AG, mit Blick auf Klimawandel, Ressourcenverbrauch und Abfallaufkommen viel zu tun.

  • Die Gruppe freut sich zum Wintersemester 2021/ 2022 über alle, die sich für das Thema interessieren – und neue Ideen in das Team bringen. Einzige Voraussetzung: Man sollte an der Fakultät für Architektur der TUM studieren oder arbeiten.

     

Technische Universität München

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