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Bahnbrechender Systemwechsel: TU München führt internationales Tenure-Track-System ein

Echte Karrierechancen für junge Forscher

Vom Post Doc zum Full Professor - die TUM bietet jungen Forschern diese Chance. (Bild: Eckert / TUM)
Vom Post Doc zum Full Professor - die TUM bietet jungen Forschern diese Chance. (Bild: Eckert / TUM)

Campus

Die Technische Universität München (TUM) startet ein Karrieresystem für Nachwuchswissenschaftler, das deutschlandweit eine Vorreiterfunktion hat. „TUM Faculty Tenure Track“ bietet herausragenden Talenten frühe Selbstständigkeit als Assistant Professor und eine klare, leistungsabhängige Perspektive: Bestehen sie anspruchsvolle Evaluationen, steigen sie nach sechs Jahren zum Associate Professor auf, verbunden mit einer dauerhaften Anstellung in der Besoldungsstufe W3.

Die Universitäten stehen im weltweiten Wettbewerb um die besten Wissenschaftstalente. Doch im deutschen Berufungssystem bleiben junge Forscher lange im Unklaren, ob, wann und wie selbstständig sie an einer Universität arbeiten können – egal wie gut sie sind. Die TU München bricht nun das starre deutsche Berufungssystem auf und baut es bei sich in ein echtes Karrieresystem nach internationalen Standards um: „TUM Faculty Tenure Track“ bietet Nachwuchsforschern konkrete Karrierechancen, die bei verlässlichen Kriterien allein von ihrer Leistung abhängen.

Auf den Karriereweg starten können besonders qualifizierte Post Docs, die in der Regel mindestens zwei Jahre Forschungserfahrung im Ausland vorweisen müssen. Bereits erreichte Auszeichnungen (z. B. Emmy-Noether- und Heisenberg-Stipendien, ERC Starting Grants) erhöhen die Chancen der Erstberufung. Mit der Besoldungsstufe W2 ausgestattet, kommen die jungen Assistant Professors in die volle Selbstständigkeit und Verantwortung: Sie sind nicht an einen Lehrstuhl angegliedert und haben die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen Professoren. Mit dieser Freiheit ist die Erwartung verbunden, dass sie früh ein eigenes Forschungsprofil entwickeln. Dabei unterstützt die TUM sie mit einer intensiven Betreuung durch Mentoren und Weiterbildung in fachübergreifenden Kompetenzen, wie zum Beispiel Mitarbeiterführung. Die Lehrverpflichtung ist von neun auf fünf Semester-Wochenstunden reduziert.

Transparente Kriterien bei der Beurteilung

Nach zwei und nach vier Jahren wird die Entwicklung der Assistant Professors durch unabhängige Experten beurteilt. Im sechsten Jahr erfolgt eine Evaluation, die über den Karriereaufstieg entscheidet. Dafür gibt es verbindliche, transparente Kriterien nach internationalen Maßstäben. Bestehen die Kandidaten, erhalten sie nicht nur eine unbefristete Anstellung als Associate Professor, sondern steigen damit auch auf die Besoldungsstufe W3. Andernfalls ist die Karriere an der TUM beendet. Den Erfolgreichen ist bei herausragenden Leistungen im weiteren Karriereverlauf der Aufstieg zum Full Professor mit höherem Gehalt und erweiterter Ausstattung möglich.

„Wir wollen den Kulturwandel im deutschen Berufungssystem antreiben“, sagt TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann. „Wir können es uns nicht leisten, die besten Forschertalente an ausländische Universitäten zu verlieren, weil sie dort planbare Zukunftsaussichten haben. Umgekehrt sind wir für die besten Nachwuchskräfte aus aller Welt nur attraktiv, wenn sie schon bei der Erstberufung an die TUM eine durchgängige Aufstiegschance im Professorenkollegium sehen – so wie dies an den Stanfords und MITs dieser Welt schon längst der Fall ist.“

„TUM Faculty Tenure Track“ ist ein zentrales strategisches Element des Zukunftskonzepts, mit dem die TU München jüngst erneut als Exzellenzuniversität ausgezeichnet wurde. Mit der Exzellenzförderung, überwiegend aber aus eigenen Mitteln, wird die TUM 100 neue Professuren bis zum Jahr 2020 einrichten, die im Tenure-Track-Verfahren besetzt werden. Damit wächst das Professorenkollegium um 20 Prozent – ein enormer Schub für Forschung und Lehre. Künftig werden zusätzlich ca. 30 Prozent der vakanten Lehrstühle (W3) und alle vakanten Extraordinariate (W2) im Tenure-Track-Verfahren besetzt.

Teilzeit-Professuren und Elternzeit-Freisemester

Geeignete Nachwuchsforscher sucht die TUM weltweit mit professionellem Headhunting. Angestrebt wird das Ziel, 40 Prozent der neuen Stellen mit Spitzenkräften aus dem Ausland zu besetzen. „TUM Faculty Tenure Track“ soll auch dazu beitragen, hervorragende deutsche Wissenschaftler nach Post-Doc-Aufenthalten im Ausland nach Deutschland zurückzuholen. Einen Teil der Assistant Professors wird die TUM gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft berufen („MaxPlanck@TUM“). So erweitert sie ihren Talentpool, indem sie Leiter von MPG-Nachwuchsforschergruppen als Assistant Professors in die Universität integriert, wobei sie auf diese die gleichen Qualitätsstandards anwendet. Für Berufung und Evaluation hat die TUM ein strenges Qualitätsmanagement sowie einen eigenen Code of Conduct eingeführt. Hierauf basiert die staatliche Zustimmung zum neuen Berufungs- und Karrieresystem.

Großen Wert legt die TUM auf die familienfreundliche Ausgestaltung ihres neuen Systems. Assistant Professors haben u.a. die Möglichkeit zu Teilzeit-Professuren und Elternzeit-Freisemestern. Die Bewährungsphase wird in diesen Fällen verlängert bzw. unterbrochen. Flankiert wird dies vom Service des neuen „Munich Welcome!“-Netzwerks, bei dem Wissenschaftsinstitutionen und Unternehmen den Familien von Spitzenkräften bei der Integration in der Region München praktische Hilfe leisten.

"TUM Faculty Tenure Track" in den Medien:

"Hoch die Leiter", Die Zeit, 9.8.2012

"Geregelter Aufstieg für Nachwuchsforscher", Der Tagesspiegel, 17.8.2012