TUM – TUM – Menü

Weltweit leistungsfähigstes NMR-Spektrometer für Biomedizin-Forschung an der TUM

Richtfest für Neubau des Bayerischen Kernresonanz-Zentrums

Garchings Bürgermeister Dr. Gruchmann, TUM-Präsident Prof. Herrmann, BMBF Staatssekretär Müller, Bayerns Innenminister Herrmann und Bauamtsleiter Hoffmann (vlnr) beim Richtfest des Neubaus für das Bayerische NMR-Zentrum - Bild: Uli Benz / TUM
Garchings Bürgermeister Dr. Gruchmann, TUM-Präsident Prof. Herrmann, BMBF Staatssekretär Müller, Bayerns Innenminister Herrmann und Bauamtsleiter Hoffmann (vlnr) beim Richtfest des Neubaus für das Bayerische NMR-Zentrum - Bild: Uli Benz / TUM

Campus

Mit dem Neubau des Bayerischen Kernresonanz-Zentrums, der eines der weltweit leistungsfähigsten NMR-Spektrometer aufnehmen wird, erweitert die Technische Universität München (TUM) ihre Forschungsstärke in der Biomedizin. Das Herzstück wird ein 1,2-Gigahertz-Spektrometer sein, das neue Einblicke in die räumliche Struktur und Dynamik von Proteinen ermöglicht. Aufgrund der überregionalen Bedeutung des Zentrums teilen sich Bund und Freistaat die Investitionskosten von 34 Millionen Euro. Hinzu kommen 3,5 Millionen Euro, mit denen sich das Helmholtz Zentrum München an der Anschaffung des neuen Spektrometers beteiligt. Heute wurde in Garching das Richtfest gefeiert.

Die Magnetische Kernspinresonanz-Spektroskopie (Nuclear Magnetic Resonance, NMR) erschließt mit den Höchstleistungsgeräten der neuesten Generation bisher ungeahnte Dimensionen der biomedizinischen Forschung. Sie ermöglicht die Untersuchung der räumlichen Struktur und Dynamik von Proteinen und anderer Biomakromoleküle. Da Fehlfaltungen und Fehlfunktionen von Proteinen die Ursache schwerer Erkrankungen sind, wie beispielsweise Alzheimer, erschließen diese Kenntnisse neue medizinische Behandlungsmöglichkeiten.

„Mit seiner weltweit anerkannten Spitzenforschung ist das Bayerische NMR-Zentrum ein Eckpfeiler der biomedizinischen Forschung an der TUM und ihrer Fakultäten für Chemie, Physik und Medizin sowie des Life Science-Zentrums in Weihenstephan,“ sagt TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann. „Im Rahmen unseres biomedizinischen Gesamtkonzepts bestehen mit dem derzeit auf unserem Medizin-Campus entstehenden Tumorforschungszentrum TranslaTUM und dem künftigen Multiple-Sklerose-Zentrum der Tschira-Stiftung sowie mit dem Helmholtz Zentrums München und den Biochemischen Instituten der Max-Planck-Gesellschaft weitere Verknüpfungen.“

Das neue Analytik-Zentrum, so der TUM-Präsident, ergebe zusammen mit den komplementären Strukturbestimmungsmethoden, basierend auf Neutronen, Elektronen, Röntgen oder Lasern, für den Forschungsstandort Garching eine internationale Alleinstellung.

„Die zu erwartenden Erkenntnisse über die Dynamik krankheitsrelevanter Proteinsysteme lassen neue Anwendungsfelder in der Gesundheitsforschung, in der Biotechnologie und der pharmazeutischen Industrie erwarten“, sagte Prof. Günter Wess, CEO des Helmholtz Zentrums München. „Dies beinhaltet auch die Möglichkeit der Entwicklung optimierter Wirkstoffe in neuen Medikamenten, die für die Patienten individuell verträglicher, wirksamer und sicherer sind. Daher beteiligen wir uns mit 3,5 Millionen Euro an den Anschaffungskosten für das Spektrometer.

Optimale Forschungsbedingungen

Der Neubau mit 1.800 Quadratmetern Nutzfläche verbessert die Forschungsbedingungen entscheidend. Den größten Teil des Gebäudes nimmt mit 690 Quadratmetern die acht Meter hohe NMR-Halle ein, in der acht NMR-Spektrometer der Premiumklasse Platz finden. In unmittelbarer Nähe hierzu sind im Erdgeschoss vollausgestattete biochemische Laboratorien und Auswerteräume angeordnet. Im Obergeschoss des Neubaus befinden sich Büroflächen, die um zwei Innenhöfe gruppiert sind.

Die energetische Qualität des Neubaus übertrifft die Vorgaben der aktuell gültigen Energie-Einsparungsverordnung. Wärmerückgewinnungsanlagen und die hochgedämmte Gebäudehülle reduzieren den Energiebedarf. Im Bürobereich sorgt die Betonkernaktivierung für ein angenehmes Raumklima.

Bereits ein halbes Jahr nach dem Spatenstich im September 2015 war der Rohbau im Wesentlichen fertiggestellt. Auch die Ausbauphase verläuft bislang reibungslos, so dass der neue Forschungsbau voraussichtlich Anfang 2017 übergeben werden kann.

Forschungszentrum von überregionaler Bedeutung

„Die Leistung des neuen Spektrometers am NMR-Zentrum wird in der deutschen Universitätslandschaft herausragend sein und dem neuen Zentrum ermöglichen, die Grundlagen des Lebens besser zu erforschen“, sagte Stefan Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. „Damit baut die TU München ihre Rolle als Forschungszentrum mit Weltrang auf dem Gebiet der NMR-Spektroskopie aus. Wir erhoffen uns von dieser molekularen Ursachenforschung, Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer bald besser verstehen und therapieren zu können.“

Bayerns Innen- und Bauminister Joachim Herrmann sagte: Der Forschungsneubau wird den Wissenschaftlern der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrums München ideale Bedingungen für ihre Spitzenforschungen auf dem Gebiet der Kernresonanz-Spektroskopie bieten. In unmittelbarer Nachbarschaft steht bereits das nächste große Forschungsbauvorhaben an. Etwa 100 Meter entfernt wird das Zentrum für Protein-Forschung entstehen. Auch die Kosten dieses Bauprojekts in Höhe von rund 40 Millionen Euro werden von Bund und Freistaat gemeinsam getragen“.

Garchings Bürgermeister Dr. Gruchmann, TUM-Präsident Prof. Herrmann, BMBF Staatssekretär Müller, Bayerns Innenminister Herrmann und Bauamtsleiter Hoffmann (vlnr) beim Richtfest des Neubaus für das Bayerische NMR-Zentrum - Bild: Uli Benz / TUM
Garchings Bürgermeister Dr. Gruchmann, TUM-Präsident Prof. Herrmann, BMBF Staatssekretär Müller, Bayerns Innenminister Herrmann und Bauamtsleiter Hoffmann (vlnr) beim Richtfest des Neubaus für das Bayerische NMR-Zentrum - Bild: Uli Benz / TUM
Neubau für das Bayerische NMR-Zentrum - Grafik: Arndt Weiss / StBA Muenchen 2
Neubau für das Bayerische NMR-Zentrum - Grafik: Arndt Weiss / StBA Muenchen 2
Bild des zukünftigen 1,2 GHz-NMR-Spektrometers - Grafik: Bruker
Bild des zukünftigen 1,2 GHz-NMR-Spektrometers - Grafik: Bruker
2D-NMR-Spektrum des Hitzeschock-Proteins HSP90. Aus den Kopplungen zwischen den Wasserstoff-Kernen (1-H, x-Achse) und den Stickstoff-Kernen (15-N, y-Achse) lassen sich wertvolle Strukturinformationen ableiten – Bild: Prof. Dr. Michael Sattler / TUM
2D-NMR-Spektrum des Hitzeschock-Proteins HSP90. Aus den Kopplungen zwischen den Wasserstoff-Kernen (1-H, x-Achse) und den Stickstoff-Kernen (15-N, y-Achse) lassen sich wertvolle Strukturinformationen ableiten – Bild: Prof. Dr. Michael Sattler / TUM