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Zusammenarbeit zwischen Wasserwacht Riem und Münchner Hochschulen

Drohneneinsatz zur Rettung Ertrinkender

Thomas Fuchs mit der Drohne am Riemer See.
Thomas Fuchs testet die Sicht mit der Drohne am Riemer See. (Foto: Andreas Heddergott / TUM)
 

Forschung

Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) entwickeln in Zusammenarbeit mit der Wasserwacht Riem, der Hochschule München und mit Unterstützung der Firma Autel eine neue Technik, um Ertrinkende schneller zu finden. Helfen sollen dabei Bilder, die eine Drohne aufnimmt. Noch stehen die Forscher vor vielen Herausforderungen.

So mancher Badegast am Riemer See hat sich wohl in den vergangenen Tagen über den kleinen orangen Quadrocopter gewundert, der über dem Wasser seine Runden drehte. Das Fluggerät soll in Zukunft die Arbeit der Wasserwacht erleichtern und das Baden im See sicherer machen.

Uwe Wagner, Technischer Leiter der Wasserwacht Riem, hatte das Projekt initiiert. "Das Problem hier am See ist, dass unsere Wasserwacht-Station an einer ungünstigen Position steht", erklärt er. Da der See einen Knick macht, ist es für die Wasserwachtler nicht möglich, das ganze Areal zu überblicken. "Aus diesem Grund können wir Ertrinkende und Hilfesuchende am Ufer in einigen Fällen nicht sehen und sind darauf angewiesen, dass wir über die Notrufsäulen alarmiert werden." Dann beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Die Retter müssen den Ertrinkenden erst lokalisieren. Hier soll die Drohne helfen.

Link zum Video auf Youtube

Wagner nahm Kontakt zum Lehrstuhl für Flugsystemdynamik der TUM auf, um herauszufinden, ob es möglich wäre, die Suche mithilfe von Drohnen zu beschleunigen. Ein erster Test im vergangenen Jahr verlief vielversprechend. Seit Anfang August arbeitet Thomas Fuchs, Student der Luft- und Raumfahrttechnik an der TUM, daran, dies technisch umzusetzen. Das Projekt ist seine Masterarbeit. Zunächst testet er vor Ort, ob das Auffinden von Hilfesuchenden mithilfe des Quadrocopters überhaupt machbar ist.

"Wir versenken dazu einige Gegenstände in verschiedenen Farben im See", erklärt Fuchs. In zwei und drei Metern Tiefe befindet sich jeweils eine mit Plastik verkleidete Holzplatte mit verschiedenen Farbfeldern und in sechs Metern Tiefe eine orange Schwimmweste. Je nach Witterung können die Gegenstände mit Hilfe der Kamera besser oder schlechter aufgefunden werden. Eine große Rolle spielen die Sedimente – die durch Regen und Wind aufgewirbelt werden können und das Wasser trüben.

Möglichst einfache Steuerung

Michael Krenmayr betreut die Masterarbeit am Lehrstuhl für Flugsystemdynamik. "Unser Ziel ist es, dass der Quadrocopter automatisch fliegt", erklärt er. Die Drohne soll ein vorher definiertes Areal abfliegen und dort nach eventuell Ertrinkenden suchen. Die Bilder der Kamera werden dabei direkt auf ein Endgerät übertragen, etwa ein Tablet. Und zwar am besten mit genauer Positionsbestimmung. "Die Bedienung der Drohne soll möglichst einfach und schnell sein", so Krenmayr.

Geplant ist auch eine Basisstation, auf der die Drohne aufgeladen wird – denn der Akku hält nur für etwa 20 Minuten. Sicherheitssysteme sollen eventuelle Pannen wie den Ausfall eines Rotors abfangen. Es soll außerdem Notlandeplätze am See geben.

Badegäste müssen sich aber keine Sorgen machen, dass in Zukunft ständig eine Drohne über dem See unterwegs ist – sie wird nur im Notfall eingesetzt. Im Gegensatz zu einem Rettungshubschrauber, wirbelt er das Wasser kaum auf – auch ein Vorteil für die Sicht.

Bei der Sichttiefe kommt die Hochschule München ins Spiel. Der Student Zoubeir Afifi arbeitet mit Unterstützung von Prof. Alfred Schöttl von der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an einer besseren Sensorik. "Das wird nicht einfach sein", erklärt Schöttl. "Das Wasser ist teilweise sehr trüb, so dass es für eine normale Kamera ab einer gewissen Tiefe schwer wird." Spezielle Kameras könnten hier weiterhelfen, ansonsten könnten andere Technologien wie etwa Lasersensorik zum Einsatz kommen. Langfristiges Ziel der Hochschule München ist es außerdem, Menschen in Not automatisch erkennen zu können.

Prof. Florian Holzapfel, Leiter des Lehrstuhls für Flugsystemdynamik an der TUM: „Es geht nicht um Verträge, Arbeitspakete, IP und Berichte. Sondern darum, getragen vom Idealismus derer, die die eigentliche Arbeit machen, etwas vorwärts zu bringen."

Bildmaterial zum Download: https://mediatum.ub.tum.de/1327333

Kontakt:
Technische Universität München
Michael Krenmayr
+49 89 289 16034
michael.krenmayr@tum.de