TUM einziger deutscher Partner im internationalen Großprojekt "MultipleMS"

Forschung an individuellen Therapien von Multipler Sklerose

Zwei Ärtze betrachten Gehirnscans.
Das Projekt "MultipleMS" hat das Ziel, individuelle Therapien für Patienten zu entwickeln. (Bild: biker3 / fotolia)

Forschung

Effektive und individuelle Therapien gegen Multiple Sklerose (MS) entwickeln: So lautet das Ziel des internationalen Projekts "MultipleMS", das mit 15 Millionen Euro von der Europäischen Kommission über das Horizon2020-Programm gefördert wird. 21 Universitäten und Unternehmen aus Europa und den USA arbeiten gemeinsam an einer besseren medizinischen Versorgung. Die Koordination übernimmt das Karolinska Insitut in Schweden. Die Technische Universität (TUM) ist mit zwei Millionen Euro Fördervolumen der einzige deutsche Partner.

MS ist eine Autoimmunerkrankung, von der mehr als zwei Millionen Menschen weltweit betroffen sind. Sie gilt als der häufigste Grund für eine nicht durch einen Unfall verursachte Behinderung bei jungen Erwachsenen. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen und ist nicht heilbar. Die Wirksamkeit der aktuellen Behandlungen variiert von Patient zu Patient sehr stark und kann bisher nicht vorhergesagt werden. Ziel des Projektes ist es, durch die Integration von klinischen und Forschungsdaten präzise Voraussagen über den zu erwartenden Krankheitsverlauf und das Ansprechen auf Medikamente machen zu können.

"Was dieses Projekt so einzigartig macht, ist der Umfang der Kooperation sowie die große Mengen an unterschiedlichen Patientendaten, die uns zur Verfügung stehen. Unsere neuartiger Ansatz besteht darin, die Vielschichtigkeit von MS als Ausgangspunkt für die Identifizierung personalisierter Behandlungsmethoden bei MS heranzuziehen", so Projektkoordinatorin Prof. Ingrid Kockum vom Karolinska-Institut.

Daten von mehr als 50.000 Patienten werden ausgewertet

Das Projekt baut auf den Grundlagen und Forschungsnetzwerken auf, die von Vereinigungen wie zum Beispiel dem Nordic MS Genetics Network, der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Genetik bei MS (International MS Genetics Consortium, IMSGC) und dem International Human Epigenome Consortium (IHEC) geschaffen wurden.

"Im Projekt werden wir bereits vorhandene klinische, genetische, epigenetische, molekulare, MRT- und Lifestyle-Daten von mehr als 50.000 MS-Patienten und 30.000 gesunden Personen untersuchen, um die differentialen Krankheitsmerkmale bei den Patienten aufzuklären", sagt Kockum.

Studie soll Vorhersagen überprüfen

Parallel zur Analyse der gesammelten Daten wird eine Gruppe von 500 Patienten, bei denen vor kurzem MS diagnostiziert wurde, in einer sogenannten prospektiven Studie über drei Jahre begleitet. In dieser Patientengruppe soll überprüft werden, ob die Vorhersagen aus der Analyse bestehender Daten eintreffen, also Krankheitsverläufe und Therapieansprechen vorausgesagt werden können.

Organisiert wird die Validierungsstudie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TUM. Prof. Bernhard Hemmer, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum rechts der Isar der TUM, leitet das Teilprojekt und hat die TUM in der Planungsphase vertreten. "Wir sind stolz, bei einem so wichtigen internationalen Projekt eine tragende Rolle spielen zu können", sagt Hemmer.

Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose sind ein Forschungsschwerpunkt an der Fakultät für Medizin. So konnte ein Team um Hemmer im Sommer 2016 vier neue Risikogene identifizieren, die bei deutschen Patienten mit Multipler Sklerose verändert sind. Andere Forschungsgruppen untersuchen beispielsweise die Rolle pathogener T-Zellen bei der Entstehung von MS oder die Prozesse während der Schädigung der Nervenzellen. Im Klinikum rechts der Isar werden jährlich mehr als 1000 MS-Patienten betreut.  

Derzeit entsteht in unmittelbarer Nähe des Klinikums ein Forschungszentrum, in das die verschiedenen Arbeitsgruppen zum Thema MS ziehen werden. Dadurch, dass Grundlagenforschung und klinische Forschung unter einem Dach stattfinden, sollen neue Erkenntnisse besonders rasch in die Praxis umgesetzt werden. Ermöglicht wird das Großprojekt durch das Engagement der Klaus Tschira Stiftung, die von dem Physiker Klaus Tschira ins Leben gerufen wurde. Die Stiftung fördert den Neubau mit 20 Millionen Euro und stellt weitere fünf Millionen für die Forschung zur Verfügung.

Weitere Informationen:

Die Bezeichnung der Vereinigung "MultipleMS" nimmt Bezug auf die Krankheit Multiple Sklerose, ihre vielfältigen Ausprägungen sowie auf den Umfang und die Vielfalt der Kooperation.

Website des Projekts: www.multiplems.eu

Kontakt:

Prof. Dr. Bernhard Hemmer
Technische Universität München, Klinikum rechts der Isar
hemmer@tum.de
+49 89 4140-4601