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Buddies for Refugees:

Reinschnuppern an der TUM

Buddies for Refugees an der TUM: Maria Weinberger (links) und Neda Iskandari sind seit Oktober 2016 ein Tandem. (Foto: Maren Willkomm)
Buddies for Refugees an der TUM: Maria Weinberger (links) und Neda Iskandari sind seit Oktober 2016 ein Tandem. (Foto: Maren Willkomm)

Viele TUM-Studierende möchten sich mit der Situation der Geflüchteten in Deutschland aktiv auseinandersetzen und engagieren sich bei „Buddies for Refugees“, einem Programm der Jungen Akademie. So wie Maria Weinberger, die seit Oktober Buddy von Neda Iskandari ist.

Maria, was genau ist das Programm „Buddies for Refugees“?

Weinberger: An der TUM können studieninteressierte Geflüchtete seit letztem Jahr kostenlos als Gasthörer Vorlesungen in verschiedenen Fächern besuchen und so erste Einblicke ins deutsche Hochschulsystem gewinnen. Das Buddy-Programm möchte den Geflüchteten dafür Mentoren zur Seite stellen, die ihnen individuell und auf persönlicher Ebene Hilfestellung geben können.

Wie bist Du Buddy geworden?

Weinberger: Die Junge Akademie sucht dafür interessierte TUM-Studis und auch Alumni, die sich zunächst für ein Semester als Buddy für eine Geflüchtete oder einen Geflüchteten engagieren möchten. Ich habe damals von der Jungen Akademie eine E-Mail bekommen, in der sie auf der Suche nach Buddies war und fand dieses Programm so interessant, dass ich mich beworben habe. Bei der Auftaktveranstaltung wurden die Teilnehmer zugeteilt und so habe ich dann Neda, meine Tandempartnerin, kennengelernt.

Neda, Du bist Gasthörerin in den Biologie Vorlesungen in Freising. Wie bist Du an die TUM gekommen?

Iskandari: Ich bin im Iran geboren, wo auch meine ganze Familie lebt. Weil mein Vater aber aus Afghanistan kommt, habe ich nur einen afghanischen Pass. Im Iran habe ich Psychologie studiert, doch nach meinem Studium ist meine Aufenthaltsgenehmigung ausgelaufen und ich hätte nach Afghanistan gemusst, wo Krieg herrscht. Dann bin ich nach Deutschland geflohen und wohne jetzt in einer Flüchtlingsunterkunft in München. Weil ich in Deutschland studieren möchte, habe ich mich für das Gasthörerprogramm beworben.

Was macht Ihr als Tandem zusammen?

Iskandari: Wir treffen uns ungefähr einmal im Monat. Zuerst bei einer Einführungsveranstaltung. Danach haben wir uns privat getroffen. Maria hat mir Freising gezeigt und vor Weihnachten haben wir zusammen Plätzchen gebacken.

Das Tandemsemester ist bald zu Ende. Was ist Euer Resümee zum Buddy-Programm?

Weinberger: Ich finde das Programm sehr gut. Die Geflüchteten bekommen die
Möglichkeit, an der TUM reinzuschnuppern und zu erleben, wie Studieren in Deutschland funktioniert. Für mich war das Buddy-Programm auch sehr bereichernd, weil ich meinen Kulturhorizont erweitern konnte. Wir haben uns Fotos aus Nedas Heimat angeschaut, uns über Feiertage und Riten ausgetauscht oder darüber gesprochen, was in unseren Ländern Bräuche sind, die Glück bringen.

Iskandari: Mir hat Maria sehr geholfen und ich bin froh, dass ich sie als Buddy habe. Zum Beispiel hat sie mir gezeigt, wie ich richtig mit meinen E-Mails umgehe und sie hat sich dafür eingesetzt, dass ich an der TUM einen Sprachkurs besuchen kann. Dort habe ich viele neue Freunde außerhalb der Flüchtlingsunterkunft gefunden, die als Austauschstudenten an der TUM sind.

Neda, was ist Dein Plan für die Zukunft?

Iskandari: Ich habe im Januar einen Aufenthaltstitel bekommen und kann in Deutschland bleiben. Mein Traum ist es, an der TUM als immatrikulierte Studentin Biologie zu studieren. Und auch, wenn unser Buddy-Programm nur für ein Semester angelegt war, möchte ich Maria gerne weiter treffen.

(Interview: Sabrina Czechofsky)

Maria Weinberger, 24, hat in Freising Pharmazeutische Bioprozesstechnik studiert und promoviert seit letztem Sommer am Lehrstuhl für Lebensmittel- und Bioprozesstechnik. Sie lebt in Freising und spielt Klarinette in der Blasmusik Weihenstephan.

Neda Iskandari, 26, kommt aus dem Iran und hat dort vier Jahre Psychologie studiert. Vor 14 Monaten ist sie alleine nach Deutschland geflohen. Ihre Eltern und Geschwister leben im Iran. Neda telefoniert oft mit ihren Eltern und schreibt fast täglich mit ihrer Schwester auf Whatsapp.