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VisionAwards: künstliche Intelligenz, Flugtaxi und Hyperloop

Preise für visionäre Firmengründer

Sven von Alemann, Markus Demirci und Adriaan Schakel von rfrnz
Sven von Alemann, Markus Demirci und Adriaan Schakel (v.l.) von rfrnz wollen Anwältinnen und Anwälten das Leben leichter machen. (Bild: rfrnz)

Campus

Erstmals haben Ausgründungen der Technischen Universität München (TUM) alle drei „VisionAwards“ gewonnen. Mit dem Preis werden Unternehmen ausgezeichnet, die „mit einer neuen Geschäftsidee Akzente setzen“. Die Jury entschied sich für Start-ups, die ein Flugtaxi entwickelt haben sowie mit künstlicher Intelligenz Webseiten verbessern und Verträge prüfen. Der erstmals vergebene „VisionAward Talents“ ging an ein Studierendenteam, das den Wettbewerb um den Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop gewonnen hatte.

Die Gewinner wurden gestern von Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, ausgezeichnet. Veranstaltet werden die VisionAwards seit 2006 von den Kommunikationsagenturen c/c/c und Publicis Pixelpark.

free machines: Künstliche Intelligenz verbessert Webseiten

Wie finden sich Internetnutzer schnell auf einer Webseite zurecht? Nach welchen Informationen suchen sie wann und wo, wenn sie beispielsweise eine Versicherung oder einen Handyvertrag abschließen? Wie können Unternehmen gesicherte Erkenntnisse gewinnen, ob sie ihre Seiten gut gestaltet haben? „Das Testen von Webseiten war bisher Handarbeit: mühsam und nicht immer erfolgreich“, sagt der Betriebswirt Uwe Stoll, der mit Olav Stetter und Hannes Lüling, die an der TUM in Physik promoviert haben, das Unternehmen free machines gegründet hat.

„Unser Ziel war es, das Testen und Optimieren von Benutzeroberflächen mit Hilfe künstlicher Intelligenz zu automatisieren“, erklärt Stoll. Die Entscheidungslogarithmen, die das Team entwickelt hat, werden jetzt bei Partnerunternehmen getestet. Im Laufe des Jahres will free machines sein Produkt auf den Markt bringen.

Lilium: Senkrecht startendes Flugtaxi

Ohne Stau mit 300 Kilometern pro Stunde zum Ziel kommen – dieser Wunsch könnte schon bald in einem Flugtaxi Wirklichkeit werden. Das vom TUM-Spin-off Lilium entwickelte ultraleichte, elektrisch angetriebene Flugzeug kann senkrecht starten wie ein Hubschrauber und nahtlos vom Schwebe- in den Vorwärtsflug wechseln. Im April absolvierte der Prototyp des Jets seinen Jungfernflug. In wenigen Jahren soll es möglich sein, den Flieger als Taxi zu ordern. Das Start-up konnte dafür kürzlich 10 Millionen Euro Beteiligungskapital akquirieren.

Die Lilium-Gründer Daniel Wiegand, Sebastian Born, Matthias Meiner und Patrick Nathen haben im Maschinenwesen der TUM studiert oder promoviert. Meiner wurde in diesem Jahr in die „Forbes 30 Under 30 Europe“ aufgenommen. Mit der Auswahl zeichnet das US-Magazin besonders innovative Persönlichkeiten unter 30 Jahren aus. Wiegand wird vom „Handelsblatt“ zu den „100 Innovatoren Deutschlands“ gezählt.

rfrnz: Digitaler Anwaltsgehilfe

Die Arbeit von Juristen kann mühsam sein. Das weiß Sven von Alemann aus eigener Erfahrung, neun Jahre war er als Anwalt tätig. „Wenn beispielsweise ein Unternehmen von möglichen Käufern geprüft wird, müssen Juristen unter Umständen Hunderte von Verträgen analysieren, um mögliche rechtliche Risiken zu erkennen.“

Als von Alemann vor drei Jahren am Executive MBA Programm der TUM teilnahm, stellte er sich die Frage, ob sich die Prüfung von Verträgen nicht automatisieren lässt. Zusammen mit Adriaan Schakel, einem Experten für künstliche Intelligenz, und Markus Demirci, der das kaufmännische Wissen einbrachte, gründete von Alemann das Unternehmen rfrnz. Mit Methoden des maschinellen Lernens hat das Team ein Analysetool entwickelt. Ein Prototyp wird derzeit bei Partnerunternehmen getestet, noch in diesem Jahr soll ein Produkt auf den Markt kommen.

WARR Hyperloop: Mit High-Speed durch die Röhre

Werden wir uns künftig durch Röhren schießen lassen, wenn wir auf Reisen gehen? Elon Musk, Chef des Raumfahrtunternehmens SpaceX glaubt daran: Im Hyperloop, einer Röhre mit Teilvakuum, will er Passagiere mit annähernd Schallgeschwindigkeit transportieren. Dafür notwendig sind Kabinenkapseln, sogenannte Pods. Bei der „Hyperloop Pod Competition“, die SpaceX weltweit ausgeschrieben hatte, traten Studierende mit eigenen Pod-Konstruktionen gegeneinander an. Im Januar gewann das WARR Hyperloop Team der TUM in Los Angeles den Preis für den schnellsten Pod – und nun den „VisionAward Talents“.

Mit neuem Programm in drei Monaten zur Marktreife

Die drei Spin-offs wurden oder werden von der TUM Gründungsberatung gefördert. Professorinnen und Professoren stehen free machines und rfrnz im Rahmen eines EXIST-Stipendiums als Mentoren zur Seite. Die beiden Teams nehmen außerdem bei UnternehmerTUM, dem Zentrum für Gründung und Innovation, am neuen Programm „XPRENEURS“ teil: Über drei Monate bekommen Start-ups Startkapital, Büroräume, Zugang zur Hightechwerkstatt MakerSpace und intensives Coaching, um ihre Geschäftsideen zur Marktreife zu bringen. Lilium profitierte vom Programm „KICKSTART“, das ein Jahr lang bei der Gründung unterstützt.

Laut dem „Gründungsradar“ des Stifterverbandes fördert keine andere große deutsche Hochschulen Firmengründungen besser als die TUM. Jedes Jahr gehen rund 70 Unternehmen aus der Universität hervor.

Mehr Informationen:

Olav Stetter, Hannes Lüling und Uwe Stoll haben free machines gegründet.
Olav Stetter, Hannes Lüling und Uwe Stoll (v.l.) haben free machines gegründet. (Bild: free machines)
Der Prototyp des Lilium-Flugtaxis
Der Prototyp des Lilium-Flugtaxis hat seinen Jungfernflug erfolgreich absolviert. (Bild: Lilium)
Mit dieser Kapsel gewannen die TUM-Studierenden den Geschwindigkeitswettbewerb für den Hyperloop.
Mit dieser Kapsel gewannen die TUM-Studierenden den Geschwindigkeitswettbewerb für den Hyperloop. (Bild: Uli Benz)