TUM – TUM – Menü

Verbund ForGenderCare: Teilprojekte erforschen Technik für Ältere und Auswirkungen von Elternzeit

Wie uns Fürsorge verändert

Prof. Susanne Ihsen (links) und Prof. Claudia Peus.
Prof. Susanne Ihsen (links) und Prof. Claudia Peus erforschen im Verbund ForGenderCare Zusammenhänge zwische Fürsorge und Geschlecht. (Bilder: Eckert, Heddergott / TUM)

Forschung

Fürsorge für andere, ob staatlich oder individuell, ist ein wichtiger Bestandteil von Gesellschaften. Im Forschungsverbund ForGenderCare untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von elf bayerischen Forschungseinrichtungen Zusammenhänge zwischen Geschlecht (Gender) und Fürsorge (Care). Zwei Teilprojekte werden von Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) geleitet. Im Interview sprechen Prof. Susanne Ihsen und Prof. Claudia Peus über erste Forschungsergebnisse.

Frau Prof. Ihsen, Sie untersuchen in Ihrem Teilprojekt die Rolle der Technik für die gesellschaftliche Teilhabe von Seniorinnen und Senioren – also Care im Sinne von Gestaltung eines guten Lebens im Alter. Stimmt denn das Klischee, dass ältere Menschen mit Technik eher auf Kriegsfuß stehen?

Ganz so einfach ist das nicht. Bei den über 70-Jährigen ist die Technikaffinität höher, als ihnen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zugestanden wird. Viele kaufen beispielsweise über das Internet ein und auch der Umgang mit Hörgeräten oder Treppenliften ist ja eine Form der Techniknutzung. Wir haben aber festgestellt, dass Menschen, und hier vor allem Frauen, dieser Altersgruppe in die Gestaltung technischer Produkte selten einbezogen werden.

Gilt das für alle technischen Hilfsmittel gleichermaßen?

Unsere Befragungen von Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben da einen klaren Trend gezeigt: In Wirtschaftszweigen wie der Medizintechnik werden Faktoren wie Alter und Geschlecht schon jetzt in die Entwicklung einbezogen. Je mechanischer und elektronischer die Produkte aber werden, desto stärker stellen Ingenieurinnen und Ingenieure das eigene Schönheitsideal über die Anwendungsanforderungen. Das wirkt sich natürlich auch darauf aus, wie und ob zum Beispiel Roboter im Haushalt von Älteren angenommen werden.

Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

Wir wollen im weiteren Verlauf des Projekts die Expertinnen und Experten mit den Seniorinnen und Senioren zusammenbringen. Dabei geht es darum, beteiligungsorientierte Entwicklungsverfahren in Bereichen zu erproben, die künftig eine große Rolle bei der Alltagsgestaltung spielen werden – also beispielsweise informationstechnologische Assistenzsysteme im Haushalt. Sinnvoll wäre es natürlich, dass solche Konzepte fester Bestandteil des Studiums werden. Die künftigen Ingenieure und Ingenieurinnen sollten schon in ihrer Ausbildung lernen, wie sie beim Entwerfen berücksichtigen können, worauf es ihren Großeltern ankommt.

Frau Prof. Peus, Ihr Teilprojekt beschäftigt sich mit einem ganz anderen Aspekt von „Care“: Dem Zusammenspiel zwischen Führung und Fürsorge...


Das ist richtig. Wir haben untersucht, wie sich eine Elternzeit auf den Führungsstil von Führungspersonen sowie die Bewertung ihrer Kompetenz auswirkt. Viele Menschen haben ja Angst, mit einer beruflichen Auszeit ihrer Karriere zu schaden. Die Ergebnisse unserer Studien liefern meiner Ansicht nach überzeugende Argumente für Frauen und gerade Männer in Führungspositionen, sich die Zeit für die Kinder zu nehmen.

Wie das?

Wir haben beispielsweise in verschiedenen Studien gezeigt, dass Führungspersonen, die Elternzeit genommen hatten, nicht nur als fürsorglicher und verständnisvoller wahrgenommen werden, sondern dass ihnen auch in höherem Maße ein „transformationaler“ Führungsstil zugeschrieben wurde. Dieser Führungsstil hat sich in zahlreichen Studien als sehr effektiv erwiesen, gerade in Zeiten der Veränderung.

Zur Person:

Susanne Ihsen ist Professorin für Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften an der TUM. Im Forschungsverbund ForGenderCare leitet sie das Teilprojekt „Die Rolle einer gender- und diversityorientierten Technikentwicklung bei der Teilhabe von Seniorinnen und Senioren im demografischen Wandel“.

Claudia Peus
ist Professorin für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement an der TUM. Sie leitet das ForGenderCare-Teilprojekt „Fördert Fürsorge für Angehörige fürsorgliche Führung?“.

Mehr Informationen: