Wolfgang A. Herrmann für bayerisch-französische Zusammenarbeit ausgezeichnet

Montgelas-Preis für TUM-Präsidenten

Preisträger Prof. Wolfgang A. Herrmann mit dem französischen Generalkonsul Pierre Lanapats (l.) und dem Vorsitzenden der Montgelas-Gesellschaft Pierre Wolff. (Bild: Heddergott / TUM)
Preisträger Prof. Wolfgang A. Herrmann mit dem französischen Generalkonsul Pierre Lanapats (l.) und dem Vorsitzenden der Montgelas-Gesellschaft Pierre Wolff. (Bild: Heddergott / TUM)

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Prof. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der Technischen Universität München (TUM), ist am 55. Jahrestag des Elysee-Vertrags, mit dem Charles de Gaulle und Konrad Adenauer das Fundament der deutsch-französischen Freundschaft gelegt hatten, mit dem Montgelas-Preis ausgezeichnet worden. Die Montgelas-Gesellschaft würdigt damit seine Verdienste um die bayerisch-französische Zusammenarbeit in Forschung und Lehre. Der Preis erinnert an den bayerischen Staatsreformer Maximilian Joseph Graf von Montgelas (1759-1838). Montgelas gilt unter Historikern als „der fähigste Staatsmann, der jemals die Geschicke Bayern geleitet hat“ (M. Doeberl).

Die Montgelas-Gesellschaft würdigt jährlich eine Persönlichkeit aus Bayern und zugleich eine Persönlichkeit aus Frankreich, die sich um das geistige Erbe des „Architekten des modernen bayerischen Staates“ und um den bayerisch-französischen Austausch verdient gemacht haben. In diesem Jahr geht der Preis an Prof. Wolfgang A. Herrmann und an Valérie Pécresse, Präsidentin der Region Ile-de-France und ehemalige französische Ministerin für Hochschulwesen und Forschung. An der Preisverleihung nahmen zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft teil.

Bei der Verleihung im Maximilianeum am gestrigen bundesweiten Deutsch-Französischen Tag hob Generalkonsul Pierre Lanapats in seiner Laudatio Herrmanns Einsatz bei der Einrichtung des Bayerisch-Französischen Hochschulzentrums vor 20 Jahren hervor. Herrmann sei nicht nur der geistige Vater des Zentrums, sondern er habe die Einrichtung überhaupt erst möglich gemacht, indem er sie unter das Mentorat der TUM genommen und dort angesiedelt habe. Das Zentrum fördert seither den Studierendenaustausch, grenzübergreifende Forschungsprojekte und Hochschulpartnerschaften.

Der Montgelas-Preis soll den Gedankenaustausch zwischen Bayern und Frankreich intensivieren und ein lebendiges Geschichtsbewusstsein bewahren. Dabei erinnert er an Maximilian Joseph Graf von Montgelas (1759 – 1838), dessen Familie aus Savoyen stammte. Als Außen-, Finanz- und Innenminister legte er zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Geiste der Aufklärung mit tiefgreifenden Reformen von Verwaltung, Rechtsprechung und Finanzen die Grundlagen für den modernen Staat Bayern.

„Von Aussöhnungspolitik tief beeindruckt“

In seiner Dankansprache brachte der Preisträger Prof. Herrmann seinen persönlichen emotionalen Bezug zur deutsch-französischen Freundschaft zum Ausdruck: „Die Aussöhnungspolitik von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer hat mich als Heranwachsenden tief beeindruckt, meine Liebe zum entstehenden neuen Europa entzündet und meine politische Sozialisierung geprägt. Deshalb war mir als Wissenschaftler und Präsident die Zusammenarbeit mit Frankreich als persönlicher Beitrag zum europäischen Friedenswerk stets ein großes Anliegen. Das Bayerisch-Französische Hochschulzentrum mit Sitz an der TU München ist hierfür ein Beispiel. Dass der geniale Staatsmann Montgelas der Namensgeber für die Auszeichnung ist, ehrt mich ganz besonders, denn es war das Werk von Montgelas, das unter schwierigsten zeitgeschichtlichen Umständen den modernen bayerischen Staat auf den Weg gebracht hat, in einer der ,geglücktesten Revolutionen von oben’, wie Benno Hubensteiner zutreffend befunden hat“.

Herrmann führte aus, dass man Montgelas auch heute noch als ermutigendes, selbstkritisches Vorbild für die Reformfähigkeit institutioneller Verwaltungen begreifen solle: „Ohne Zweifel haben sich Irrtümer in die Arbeit der Regierung eingeschlichen, aber welche Verwaltung wäre je frei davon gewesen?“ (Montgelas: Denkwürdigkeiten II, 426). Verwaltungen seien aber nicht groß, so Herrmann, wenn sie aus der schieren Scheu vor Erneuerungen auch möglichen Irrtümern aus dem Weg gingen. Dies treffe heute genauso auf Universitäten und das Bildungswesen im Ganzen zu.

Mehr Informationen:

Bayerisch-Französisches Hochschulzentrum