Studie zu Metallionenfreisetzung aus Schrotmunition in Gewässern

Munition mit Risiken und Nebenwirkungen

Schrotkugeln aus verschiedenen Materialtypen wurden für die Studie getestet. (Bild: A. Göttlein/ TUM)
Schrotkugeln aus verschiedenen Materialtypen wurden für die Studie getestet. (Bild: A. Göttlein/ TUM)

Forschung

Wegen der Vergiftungsgefahr für Vögel und Umwelt ist die Jagd mit Bleischrot inzwischen in vielen Ländern stark eingeschränkt oder ganz verboten. Doch muss alternative Munition nicht unbedenklich sein, belegt ein Team der Technischen Universität München (TUM) in einer aktuellen Studie.

Aufgrund ihrer ballistischen Eigenschaften galten Bleischrote bislang als optimale Munition für die Jagd auf Wasservögel. In die Kritik geriet dieses Material, als Bleivergiftungen bei Enten und Seeadlern beobachtet wurden, die die Schrotkugeln beim Gründeln oder mit der Beute aufgenommen hatten.

Inzwischen bieten die Munitionshersteller eine Reihe alternativer Jagdschrote an, die Eisen, Kupfer, Zink, Wolfram oder Wismut als deklarierte Hauptbestandteile enthalten. Ein Team der TU München um Prof. Dr. Axel Göttlein und Prof. Dr. Jürgen Geist kommt jedoch zum Ergebnis, dass einige der Alternativen für Gewässerorganismen sogar toxischer sind als die konventionelle Bleimunition.

Überraschende Resultate bei der Messung der Metallwerte

Im Rahmen der Studie wurden Schrotkugeln der verschiedenen Materialtypen unter jeweils gleichen Bedingungen in Wasser exponiert. Dabei zeigte sich zum einen, dass die Metallionenabgabe in die Lösung sehr unterschiedlich ist: Während Schrote aus Wolfram, Wismut und ein beschichteter Bleischrot fast keine Metallionen in die Wasserlösung abgaben, wurden für Schrote aus Kupfer und Zink bedenklich hohe Konzentrationen gemessen.

Zum anderen stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass nicht unbedingt die Hauptkomponente des Schrotmaterials die Ionenfreisetzung dominiert. Besonders auffällig war hier ein Eisenschrot, der große Mengen an Zink freisetzte, welches offensichtlich aus einer Beschichtung stammte.

Verbote neu überdenken

In einem nach DIN standardisierten Immobilisierungstest mit dem Großen Wasserfloh gilt die Mobilität der Tiere als Indikator für ihre Vitalität. Wie die Studie zeigte, führten schon geringe Mengen von Kupfer und Zink stets zu einer sehr hohen bis totalen Immobilisierung der Wasserflöhe, während Schrote aus reinem Eisen, Wismut und Wolfram die Mobilität der Wasserflöhe nicht beeinflussten. Auch Bleischrote führten zu keiner signifikanten Beeinträchtigung der Mobilität der Wasserflöhe im Vergleich mit einer Kontrollgruppe.  

Wenn aus Umweltschutzgründen ein Verbot von Bleischrot gefordert wird, müssten nach aktuellem Wissensstand unbedingt auch die Metalle Kupfer und Zink für die Schrotherstellung verboten werden, so das Fazit der Studie. Da aber in der Natur sehr verschiedene Bedingungen der Wasserqualität mit den entsprechend angepassten Organismen vorkommen, seien unbedingt weitere Studien nötig, um Entscheidungen über Alternativen zu Bleischrot auf eine gesicherte Grundlage zu stellen.

Publikation:

Fäth J, Feiner M, Beggel S, Geist J, Göttlein A: Leaching behavior and ecotoxicological effects of different game shot materials in freshwater. Knowledge & Management of Aquatic Ecosystems. (419); 24, 2018. DOI: 10.1051/kmae/2018009

Kontakte:

Technische Universität München
Professur für Waldernährung und Wasserhaushalt
Prof. Dr. Axel Göttlein
Tel.:+49 8161 71 - 4749
E-Mail: goettlein@forst.tu-muenchen.de
(Primärer Ansprechpartner für jagdliche und analytische Fragen)

Technische Universität München
Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie
Prof. Dr. Jürgen Geist
Tel.: +49 8161 713767
E-Mail: geist@wzw.tum.de
(Primärer Ansprechpartner für gewässerökologische Fragen)

Für die Studie wurden Schrotkugeln verschiedener Materialtypen in Wasser gegeben. Dabei zeigte sich zum einen, dass die Metallionenabgabe ins Wasser sehr unterschiedlich ist: Während Schrote aus Wolfram, Wismut und ein beschichteter Bleischrot fast keine Metallionen in die Wasserlösung abgaben, wurden für Schrote aus Kupfer und Zink bedenklich hohe Konzentrationen gemessen. (Bild: A. Göttlein/ TUM)
Für die Studie wurden Schrotkugeln verschiedener Materialtypen in Wasser gegeben. Dabei zeigte sich zum einen, dass die Metallionenabgabe ins Wasser sehr unterschiedlich ist: Während Schrote aus Wolfram, Wismut und ein beschichteter Bleischrot fast keine Metallionen in die Wasserlösung abgaben, wurden für Schrote aus Kupfer und Zink bedenklich hohe Konzentrationen gemessen. (Bild: A. Göttlein/ TUM)