TUM-Präsident Herrmann zu aktuellen Presseberichten

Medienvorwürfe gegen Wissenschaftsministerin unangemessen

Prof. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TUM.
Prof. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TUM. (Bild: A. Eckert / TUM)

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Die in mehreren Medien am 26. Juli 2018 konzertierten Vorwürfe gegen die Bayerische Wissenschaftsministerin Professorin Marion Kiechle lassen nach Auffassung von Professor Wolfgang A. Herrmann, Präsident der Technischen Universität München (TUM), jedes Augenmaß vermissen: „Die Zeitungs- und Fernsehberichte müssen sich den Vorwurf des Belastungseifers gefallen lassen, der an der exzellenten wissenschaftlichen und klinischen Arbeit der Gynäkologin grob vorbeigeht“, so der Präsident, selbst Inhaber zahlreicher wissenschaftlicher Auszeichnungen.

In den Medienberichten wird der ehemaligen TUM-Professorin und Klinikchefin unterstellt, sie habe ihre 10-Prozent-Gesellschaftereigenschaft bei dem Start-up-Unternehmen Therawis Diagnostics GmbH verschwiegen, um einen neu entwickelten Tumormarker für eine spezielle Brustkrebsvariante in ein besseres Licht zu stellen.

Richtig ist, dass Frau Professorin Kiechle gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern das Start-up-Unternehmen mitgegründet, aber zu keinem Zeitpunkt operative Funktionen ausgeübt hat. Die Unternehmensbeteiligung hatte sie ordnungsgemäß gemeldet. Die Technische Universität München begrüßt den Transfer wissenschaftlicher Ergebnisse in die unternehmerische Praxis. „So sind aus unseren derzeit existierenden Start-up-Unternehmen der letzten 20 Jahre aktuell über 15.000 Arbeitsplätze entstanden“, so der Präsident, „denn wir forschen nicht für den Elfenbeinturm, sondern für den nach Möglichkeit anwendbaren wissenschaftlichen Fortschritt.“

Sofort nach ihrer Ernennung zur Ministerin beendete Frau Professorin Kiechle pflichtgemäß alle Tätigkeiten in ihrem akademischen und klinischen Umfeld, das sie seit ihrer Berufung an die TUM im Jahre 2000 vorbildhaft aufgebaut hatte. „Es ist unanständig, wenn man ihr jetzt von interessierter Seite Lücken in ihrer Vorbildfunktion unterstellt“, so Herrmann. Dass sie in der kritisierten Pressemitteilung von Therawis Diagnostics GmbH noch deutlicher auf die Verbindung mit dem Unternehmen hätte hinweisen können, hatte Frau Professorin Kiechle selbst eingeräumt.