TUM-Studentin Ana Cirac in Lindau:

„Nobelpreisträger sind ganz normale Menschen“

Beeindruckendes Treffen in Lindau: TUM-Studentin Ana Cirac mit dem deutschen Nobelpreisträger Harald zur Hausen. (Foto: privat)
Beeindruckendes Treffen in Lindau: TUM-Studentin Ana Cirac mit dem deutschen Nobelpreisträger Harald zur Hausen. (Foto: privat)

Einmal einen echten Nobelpreisträger zu treffen, davon träumen viele. Einmal im Jahr gibt es die Chance dazu in Lindau: Ausgewählte Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt kommen bei einer Tagung mit den Spitzenforschern zusammen. TUM-Studentin Ana Cirac war heuer dabei. Einem der Preisträger konnte sie besonders behilflich sein.   

Ana, Du warst eine von wenigen erlesenen Studierenden, die an der Tagung in Lindau teilnehmen durften. Wie kam es dazu?

Ana Cirac: Eigentlich ganz unspektakulär: Die Treffen sind abwechselnd den drei verschiedenen naturwissenschaftlichen Nobelpreis-Disziplinen gewidmet. In diesem Jahr war Physiologie/ Medizin an der Reihe. Ich studiere Medizin und habe von der TUM eine E-Mail bekommen, ob ich nicht Lust hätte, in Lindau dabei zu sein. Ich musste zwei Empfehlungsschreiben einreichen und bekam bald eine Zusage.

Die Teilnehmer sind eine Woche lang in Lindau vereint. Wie lief die Tagung genau ab?

Es gab ganz verschiedene Programmpunkte, an denen man teilnehmen konnte. Schon im Voraus konnte ich angeben, an welchen Vorträgen, Diskussionen, Master Classes und/oder Podiumsdiskussionen ich teilnehmen will. Dazu gab es natürlich gemeinsame Mahlzeiten mit den Nobelpreisträgern und auch in der freien Zeit konnte man mit ihnen ins Gespräch kommen. Ein Highlight war am letzten Tag der gemeinsame Ausflug auf die Insel Mainau und die anschließende Party auf einem Schiff.
 
Welche Nobelpreisträger hast Du getroffen?

Ich habe mich hauptsächlich an die Mediziner gehalten, die auf ähnlichen Gebieten wie ich forschen. In meiner Doktorarbeit forsche ich zum Epstein-Barr-Virus, von dem man weiß, dass es Krebs verursacht. Für mich war es deshalb besonders schön, Prof. Harald zur Hausen kennenzulernen. Sein spezielles Fachgebiet ist die Entstehung von Krebsarten aus Virusinfektionen und er hat 2008 den Nobelpreis für Medizin erhalten, weil er die HP-Viren entdeckte, die Gebärmutterhalskrebs verursachen.

Welche Eindrücke hast Du von der Tagung mitgenommen?

Das klingt naiv, aber: Dass Nobelpreisträger auch ganz normale Menschen sind. Ich habe mich bei einem Abendessen sehr lange mit dem australischen Immunologen Prof. Peter Doherty unterhalten: Wir haben die gleiche Fitness-Uhr und ich habe ihm bei den Einstellungen geholfen, weil seine Uhr immer gepiepst hat. Das Gespräch war einfach total nett und menschlich.     

Welcher Nobelpreisträger hat Dich am meisten beeindruckt?

Ich finde Harald zur Hausen wahnsinnig beeindruckend. Der Mann ist 82 Jahre alt und arbeitet noch jeden Tag am Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Viele Nobelpreisträger beenden ihre Karriere, nachdem ihnen der Preis verliehen wurde. Anders zur Hausen, der weiter aktiv forscht und dabei immer wieder auf Neues stößt, für das er meiner Meinung nach eigentlich nochmal einen Nobelpreis verliehen bekommen müsste.

Was nimmst Du von dem Treffen mit?

Wir haben nicht nur über Fachliches gesprochen, sondern auch viel darüber, wie man forscht und über Allgemeines. Ich nehme aus den vielen Gesprächen vor allem mit, dass man seine Forschung nicht an Preisen ausrichten sollte, sondern das machen muss, was einem selbst Spaß macht und einen bereichert.

Keine Selbstverständlichkeit.

Genau! Man darf sich nicht zu sehr beirren lassen. Heute muss man als Wissenschaftler sehr viele Publikationen veröffentlichen, weil man nur so Forschungsgelder generiert. Das führt dazu, dass viele dem Trend hinterherrennen. Wenn gerade viel über ein bestimmtes Thema gesprochen wird, versuchen viele Wissenschaftler auch dazu zu veröffentlichen. Egal, ob ihre Erkenntnisse dazu fundiert genug sind oder nicht.

Möchtest Du auch Nobelpreisträgerin werden?

Naja das wäre schon schön, aber ich lege es nicht darauf an. Ich finde der Preis selbst ist gar nicht das beste am Nobelpreis. Das Tolle daran ist, dass Nobelpreisträger sehr viel Gehör finden in der Gesellschaft. So können sie auf Probleme hinweisen und auch Kritik üben, und damit vielleicht etwas bewirken. Viele Nobelpreisträger haben zum Beispiel schon vor dem Problem der kommerzialisierten Forschung gewarnt. Fachzeitschriften wie Nature oder Science haben so viel Macht in der Branche, dass sie die Themen lenken und Einfluss auf die Forschung nehmen. So werden populäre Themen gehypt und solche mit wenig Anklang vernachlässigt.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Im Moment befinde ich mich im Praktischen Jahr meines Studiums. Ich arbeite gerade am Rechts der Isar und werde für meine letzte Station für zwei Monate nach New York ans New York- Presbyterian- Hospital gehen. Auf lange Sicht möchte ich aber gerne in München bleiben. Mein Traumjob wäre am Rechts der Isar in der Neurologie zu arbeiten. Mal schauen, was kommt.

(Interview: Sabrina Czechofsky)

Ana Cirac wurde in Spanien geboren und kam als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur hat sie in München angefangen, Medizin zu studieren. Zu ihren Hobbys gehören Stand-Up Paddling und Yoga.

Mehr Informationen:
Nobelpreisträgertagung Lindau 2018