Start-up Celonis erreicht Unternehmenswert von einer Milliarde Dollar

Das erste „Einhorn“ aus der TUM

Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke
An der TUM ausgebildet, gehören Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke (v.l.) zu den erfolgreichsten Unternehmern Deutschlands. (Bild: Julian Baumann / Celonis)

Entrepreneurship

Celonis ist in den Kreis der weltweit erfolgreichsten Start-ups vorgedrungen, den sogenannten Einhörnern: Investoren haben die Ausgründung der Technischen Universität München (TUM) mit einer Milliarde US-Dollar bewertet. Celonis bietet eine Process-Mining-Software an, mit der Unternehmen sämtliche digitale Geschäftsprozesse analysieren können. Die TUM gilt als eine der Universitäten in Europa, die Firmengründungen am besten fördern.

Dass Celonis erfolgreicher sein würde als andere Start-ups, ließ sich früh erahnen: profitabel vom ersten Tag der Gründung im Jahr 2011 an, 2015 das am schnellsten wachsende Technologieunternehmen Deutschlands, ein Jahr später die Niederlassung in New York.

Nun haben zwei internationale Investoren die Ausgründung der TUM mit einer Milliarde US-Dollar bewertet. Start-ups, die diesen Unternehmenswert erreichen, werden als „Einhörner“ bezeichnet. Noch etwas seltener als in den USA oder China werden sie in Deutschland gesichtet: Lediglich fünf Start-ups haben laut „Handelsblatt“ in den vergangenen zehn Jahren die Milliardenschwelle überschritten.

Ein Drittel der DAX-Unternehmen nutzt die Software

Die Software von Celonis untersucht die alltäglichen Abläufe in Unternehmen, zeigt die Analysen in verständlichen Grafiken und schlägt Verbesserungen vor. Diese automatisierte Unternehmensberatung lässt sich für alle möglichen Prozesse anwenden, die digitale Spuren hinterlassen, egal ob es um die Produktion eines Pharmaherstellers oder die Logistik eines Handelskonzerns geht. Global Player und Mittelständler in 20 verschiedenen Branchen nutzen die Software, darunter ein Drittel der DAX-Unternehmen. Damit gilt Celonis als Weltmarktführer bei dieser Technologie, die Process Mining genannt wird.

Bastian Nominacher, einer der drei Gründer, ist überzeugt, dass es einen entscheidenden Schlüssel für den Erfolg des Start-ups gibt: „Wir haben die Technologie von Anfang an gemeinsam mit unseren Kunden entwickelt, wobei wir sehr schnell auch große Kunden hatten."

„Wissen aus dem Studium ist unglaublich wichtig“

Wie aber haben es drei Studenten geschafft, mit Konzernen ins Geschäft zu kommen? Während ihrer Zeit an der TUM arbeiteten Bastian Nominacher, Martin Klenk und Alexander Rinke bei Academy Consult München e.V., einer Unternehmensberatung von Studierenden. Für einen großen Rundfunksender sollten sie den Kundenservice verbessern. „Als wir merkten, dass wir mit den klassischen Methoden nicht weiterkamen, haben wir uns im akademischen Bereich umgeschaut und sind auf Studien zu Process Mining gestoßen“, erzählt Nominacher. „Es gab aber noch keine gute Software. Deshalb haben wir selbst eine entwickelt.“

Das beste Argument beim anschließenden Klinken-Putzen: „Die Software kann Firmen auf Knopfdruck helfen und sehr schnell einen großen Wert schaffen.“ Bei der Weiterentwicklung kam den Unternehmern ihr Studium zugute, das sie in der Gründungsphase abschlossen. Nominacher hat Finance and Information Management studiert, Klenk Informatik, Rinke Mathematik. „Egal ob es um die Softwarearchitektur oder ein komplexes Finanzmodell geht – wir können immer wieder auf das Wissen aus der Uni zurückgreifen. Für uns ist das unglaublich wichtig, schließlich hatten wir ja bei der Gründung noch keine Berufserfahrung.“

Hälfte des Umsatzes in den USA

Eine wichtige Rolle spielte die TUM auch schon vor der Gründung. Neben der TUM Gründungsberatung halfen die Lehrstühle für Wirtschaftsinformatik, Industrial Design und Entrepreneurship, das Geschäftsmodell und eine Corporate Identity zu entwickeln. Auch heute noch ist die Verbindung eng. Mehr als ein Viertel der 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommen von der TUM.

Einige von ihnen arbeiten in den USA, wo Celonis vier Standorte hat und die Hälfte seines Umsatzes macht. Der Sprung über den Atlantik, den manche für gewagt hielten, schreckte die Gründer nicht. „Wir waren überzeugt, dass US-Unternehmen die gleichen geschäftlichen Herausforderungen bei der Prozessoptimierung haben“, sagt Nominacher. Außerdem hatte Celonis den Schritt gut vorbereitet, indem es sich fünf Jahre nach der Gründung erstmals erfahrene Investoren als Partner nahm.

Börsengang nicht ausgeschlossen, Verkauf dagegen schon

Dieselben Partner haben nun in der zweiten Finanzierungsrunde 50 Millionen US-Dollar investiert. Mit dem Kapital will Celonis die Technologie noch stärker in Richtung Maschinelles Lernen entwickeln und weitere Standorte weltweit eröffnen, um mehr unmittelbare Kundenbetreuung zu bieten.

Einen Börsengang schließen die Gründer nicht aus, einen Verkauf dagegen schon. „Wir glauben, dass wir mit der Software immer noch an der Oberfläche kratzen“, sagt Nominacher. „Das technologische Potenzial ist groß und der Markt nahezu unbegrenzt.“

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Ausgründungen der TUM

An der TUM werden jedes Jahr rund 70 Technologie-Start-ups gegründet, die eine europaweit herausragende Förderung bekommen. UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und Gründung an der TUM, bietet Unterstützung in allen Phasen eines Start-ups, vom Coaching fürs Geschäftsmodell bis zum Accelerator-Programm, vom Prototypenbau in der Hightechwerkstatt bis zum Venture Capital. Im Inkubator der Universität profitieren die Gründungsteams nicht nur von der Infrastruktur, sondern auch von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen des Entrepreneurship Research Institute.