150 Jahre Technische Universität München

Neue Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie

Radioteleskope am Geodätischen Observatorium Wettzell
Radioteleskope am Geodätischen Observatorium Wettzell: Die TUM verfügt über herausragende Kompetenzen in der gesamten Breite der Geodäsie. (Bild: Neidhardt/TUM)

Campus

Motiviert durch epochale Technologieumbrüche in der Luft- und Raumfahrt, hat Ministerpräsident Dr. Markus Söder in seiner Regierungserklärung am 18. April 2018 die Gründung einer neuen ingenieurwissenschaftlichen Fakultät an der Technischen Universität München (TUM) angekündigt. In der Ausgestaltung dieser Initiative wird die traditionsreiche Luft- und Raumfahrtforschung der TUM nunmehr mit der Satellitennavigation, Erdbeobachtung und den geodätischen Basisdisziplinen zur Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie zusammengeführt. Das Ingenieurwesen wird um naturwissenschaftliche Kompetenzen ergänzt. Dem Gründungsbeschluss vom 9. Mai 2018 hat der Hochschulrat am 18. Juli 2018 zugestimmt. Hauptsitz der Fakultät wird Taufkirchen / Ottobrunn.

Unter Erweiterung um 30 Professuren entsteht die größte Fakultät ihrer Art in Europa. Sie wird im Endausbau mit mehr als 55 Professuren in einem differenzierten Fächerportfolio rund 50 Prozent der gesamten universitären Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland umfassen. Damit leistet die Bayerische Staatsregierung auch den entscheidenden Beitrag, um dem von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina unlängst dargestellten „schleichenden Expertiseverlust“ in der deutschen Luftfahrtforschung entgegenzuwirken.

Das UN-Klimaabkommen von Paris (2015) und die Anforderungen durch die neue Gesetzgebung zu automatisierten, autonom fliegenden Flugkörpern erfordern Technologiesprünge, die eine hochgradig interdisziplinäre Systemfähigkeit voraussetzen. Herausragende Kompetenzen hat die TUM nicht nur in den Bereichen Leichtbau (Faserverbundwerkstoffe, Carbon Composites), Antriebssysteme, Aerodynamik, Regelungstechniken, Sensorik, Flugsysteme (Lufttaxis) und alternative Energieträger (Algentechnikum Ottobrunn), sondern auch in der Satellitennavigation, Fernerkundung und Erdbeobachtung (ESA-Satellit GOCE) sowie der Geodäsie in ihrer gesamten Breite. Genutzt werden die Schnittstellen zu den Schlüsselkompetenzen der Elektro-/Informationstechnik und Informatik.

Dreieck Garching – Ottobrunn/Taufkirchen – Oberpfaffenhofen

In einer interaktiven Aufstellung in der Europäischen Metropolregion München (Garching – Ottobrunn/Taufkirchen – Oberpfaffenhofen) werden die bestehenden, regional verteilten Standortvorteile genutzt, um in Partnerschaft mit zahlreichen Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtungen einen konkurrenzlosen Kompetenzverbund zu schaffen. Insbesondere die strategischen Allianzen mit dem international herausragenden Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR, Oberpfaffenhofen), der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG, Ottobrunn/Taufkirchen), Airbus und Ludwig Bölkow Campus GmbH (Ottobrunn/Taufkirchen), MTU Aero Engines AG (München) und Bauhaus Luftfahrt (Taufkirchen) wie auch den führenden Hightech-Zulieferindustrien im Raum München/Augsburg schaffen die Voraussetzungen für eine weltweit auf Spitzenniveau wettbewerbsfähige Fakultät. Gleichzeitig wird die transnationale Strahlkraft durch kooperative Forschungs- und Ausbildungsprogramme, zum Beispiel den deutsch-französischen Studiengang „Aerospace Systems Engineering“ (Achse Toulouse - München), und den Ausbau des europäischen Forschungswerks gestärkt.

Lufttaxis und Satellit „Bavaria Sat“

Integraler Bestandteil der neuen Fakultät sind das „TUM Center for Automated Urban Aerial Mobility“, das die technische und praktische Realisierung der Lufttaxis erforschen wird, und der Bayernsatellit „Bavarian Sat“ (Bayerisches Raumfahrtprogramm „Bavaria One“) in Kooperation mit dem DLR Oberpfaffenhofen.

"Exakt richtiger Zeitpunkt im nationalen und europäischen Interesse"

„Die 15. Fakultät in unserer 150-jährigen Geschichte stellt sich am Beispiel der Luft- und Raumfahrt den interdisziplinären Herausforderungen, an denen sich das ,German Engineering’ in einer Ära tiefgreifender Umbrüche in Technik und Gesellschaft neu bewähren muss“, sagt TUM-Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann. „Der technologische Wandel, neue Mobilitätskonzepte und Transportsysteme, wie auch die digitalen Technologien eröffnen den Ingenieurwissenschaften ungeahnte Horizonte und verteilen die Karten auch in der Luft- und Raumfahrtforschung völlig neu. Hier kommt die Initiative der Bayerischen Staatsregierung zum exakt richtigen Zeitpunkt, auch im nationalen und europäischen Interesse.“

Mehr Informationen:

Geodäsie, Luft- und Raumfahrt beim Tag der offenen Tür

Am Tag der offenen Tür der TUM, am Samstag, 13. Oktober 2018, von 11 bis 18 Uhr, finden Sie Vorträge zur geodätischen Forschung im Programm der Fakultät Bau Geo Umwelt in München sowie Vorträge und Exponate zur Luft- und Raumfahrtforschung im Programm der Fakultät für Maschinenwesen auf dem Campus Garching. Darüber hinaus können Sie am Tag der offenen Tür auch
das Geodätische Observatorium im Wettzell (bei Bad Kötzting) besuchen.