Bauingenieur und Bildungswissenschaftlerin für digitale Lehre ausgezeichnet

Preis für gute Lehre an Christoph Gehlen und Jutta Möhringer

Christoph Gehlen und Jutta Möhringer arbeiten mit E-Learning-Formaten. (Bilder: A. Eckert / TUM; privat)
Christoph Gehlen und Jutta Möhringer arbeiten mit E-Learning-Formaten. (Bilder: A. Eckert / TUM; privat)

Campus

Prof. Christoph Gehlen und PD Dr. Jutta Möhringer sind von der Bayerischen Wissenschaftsministerin Prof. Marion Kiechle mit dem Preis für gute Lehre ausgezeichnet worden. Der Bauingenieur und die Bildungswissenschaftlerin haben den Praxisbezug in ihren Fächern mit digitalen Lehrformaten erhöht.

„Wir wollen gerade zu Beginn des Studiums nicht nur theoretische Grundlagen lehren, sondern auch einen praktischen Bezug zum Beruf des Bauingenieurs herstellen“, erklärt Prof. Christoph Gehlen, Leiter des Lehrstuhls für Werkstoffe und Werkstoffprüfung im Bauwesen und Dekan der Ingenieurfakultät Bau Geo Umwelt. Daher entwickelte er für die Lehrveranstaltung „Werkstoffe im Bauwesen“, die im ersten Semester stattfindet, ein neues Konzept. Die eher theoretischen Lehrformate wurden durch E-Learning-Angebote ergänzt. So zeigen etwa Lehrfilme zu Laborversuchen die praktische Anwendung des Lehrstoffs.

Die Filme, Übungen, die zu Hause durchgeführt werden können, und ein Praktikumsbuch vermitteln den Studentinnen und Studenten früh Kompetenzen und bereiten sie optimal auf die praktischen Laborübungen im zweiten Semester vor. „Wir konnten daher die Zahl der Pflichtübungen reduzieren und haben damit auch die Möglichkeit, in kleineren Gruppen zu arbeiten“, sagt Gehlen. So erhält jede Studentin und jeder Student die Möglichkeit, die Laborübungen selbst durchzuführen.

Auch bei den Prüfungen setzt Gehlen auf Praxis und entwickelte eine Laborprüfung. Diese ergänzt die vorherige rein theoretische Prüfung. „Ein Arzt, der einen Bruch schient, muss dies auch praktisch durchführen. Theoretische Kompetenz reicht dabei nicht“, sagt Gehlen. Die angehenden Ingenieure sollen in der Prüfung entsprechend ein Material selbst herstellen oder prüfen.

Flipped Classroom

Den Bezug zur Berufspraxis hat auch PD Dr. Jutta Möhringer vom Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung stets vor Augen, wenn sie neue Lehrformate für die Lehramtsstudiengänge Naturwissenschaftliche Bildung konzipiert. „Unsere Studierenden sind ja zugleich Lernende und Lehrende, weil sie schon nach dem ersten Semester die ersten Praktika machen“, sagt Möhringer, die seit Oktober Studiendekanin für das Gymnasiale Lehramt der TUM School of Education ist. „Deshalb verwende ich gerne digitale Formate, die sie dann auch selbst im Unterricht einsetzen können – kleine Tools, die Inhalte spielerisch vermitteln, zum Beispiel mit einem Quiz.“

Diese digitalen Medien ermöglichen es Möhringer auch, Lehrveranstaltungen auf das sogenannte Flipped-Classroom-Prinzip umzustellen: Die Studierenden beschäftigen sich mit neuen Inhalten zunächst selbstständig zu Hause und bekommen anschließend Feedback im Seminar. Sowohl bei diesen Aufgaben als auch bei der Betreuung der Praktika legt Möhringer großen Wert auf die Selbstreflexion der künftigen Lehrerinnen und Lehrer. „In allen Phasen des Studiums geht es um die Frage: Wie habe ich diese Situation in der Schulklasse erlebt?“

Ausgezeichnet wird Möhringer zudem für ihr jahrelanges Engagement beim Aufbau des TUMKollegs, in dem besonders begabte Schülerinnen und Schüler gefördert werden, und als Frauenbeauftragte der Fakultät. In dieser Zeit hat sie das EDU Kinderzimmer als zeitweisen Arbeitsplatz oder kurzfristige Betreuungsmöglichkeit eingerichtet.

Vorschläge von Studierenden

Der „Preis für gute Lehre an den staatlichen Universitäten in Bayern“ ist mit 5.000 Euro dotiert. Das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verleiht ihn jährlich an 15 Hochschullehrerinnen und -lehrer. Die Vorschläge kommen von den Universitäten, wobei auch die Studierenden eingebunden sind.

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