Verantwortung für einen unterschätzten Kontinent

TUM startet langfristige Afrika-Initiative

Im Programm TUM DesignBuild der Fakultät für Architektur planen Studierende Projekte im sozialen Kontext und setzen sie mit der Bevölkerung vor Ort um. Diese Modell-Schule in Sambia entstand in Zusammenarbeit des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion, des Lehrstuhls für Entwerfen und Holzbau und der University of Zambia. (Bild: Matthias Kestel)
Im Programm TUM DesignBuild der Fakultät für Architektur planen Studierende Projekte im sozialen Kontext und setzen sie mit der Bevölkerung vor Ort um. Diese Modell-Schule in Sambia entstand in Zusammenarbeit des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion, des Lehrstuhls für Entwerfen und Holzbau und der University of Zambia. (Bild: Matthias Kestel)

Campus

Die Technische Universität München (TUM) hat eine Afrika-Initiative auf den Weg gebracht. Neben der Zusammenarbeit in einzelnen Projekten werden künftig langfristige Partnerschaften in den Schlüsselbereichen Lehre, Forschung und Entrepreneurship forciert, die an der TUM von einem fakultätsübergreifenden Afrika-Netzwerk getragen werden. Ziel ist es, mit Partnern vor Ort, neuen Methoden und angepassten Technologien exemplarisch eine nachhaltige Entwicklung des Kontinents zu fördern. Ein erster Schwerpunkt ist Ghana, wo sich die TUM an der Universität KNUST engagiert. Kurz vor dem EU-Afrika-Gipfel hat die TUM ihre Initiative beim Auftaktsymposium „Sustainable Development in Africa“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Länder wie Ghana, Kenia, Senegal, Äthiopien oder Tansania gehören zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Laut Einschätzung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird Afrika bis zum Jahr 2035 das weltweit größte Arbeitskräftepotenzial haben. Starke afrikanische Bildungs-, Forschungs- und Innovationssysteme werden deshalb eine entscheidende Rolle für die globale Entwicklung spielen. 

„Als führende Technische Universität haben wir eine Verantwortung für den Entwicklungsbedarf des afrikanischen Kontinents. Dort liegt ein riesiges, häufig noch unterschätztes Potenzial, auf das wir die junge akademische Generation einstimmen wollen“, sagt TUM-Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann. „Die Marke TUM steht global für exzellente Forschung und Lehre und für ein fruchtbares Gründungsklima, das den Transfer technologischer Innovation in die Gesellschaft befördert. Genau das sind auch die strategischen Prioritäten, die wir adressieren müssen, um das große Potenzial Afrikas und der jungen Menschen dort zu erschließen.“

Strategieziel Afrika 

Die TUM unterhält auf mehreren Kontinenten Forschungsstandorte und Vertretungen und hat mit TUM Asia in Singapur 2002 als erste deutsche Universität eine eigene Dependance im Ausland eröffnet. Den Reichtum ihrer internationalen Erfahrungen nutzt sie nun für das neue Strategieziel Afrika, um das dortige Engagement geografisch und thematisch zu strukturieren. Dazu werden Partnerschaften aufgebaut, die auch auf andere Initiativen übertragbar sind. Erstes Beispiel ist die kürzlich geschlossene Partnerschaft für Innovation und nachhaltige Entwicklung mit der ghanaischen Universität KNUST. An der TUM werden die Initiativen von einem fakultätsübergreifenden Afrika-Netzwerk flankiert. Formate wie die Einberufung eines „TUM.Africa Roundtable“, Arbeitstreffen mit bundesstaatlichen und bayerischen Akteuren und der regelmäßige „TUM.Africa Newsletter“ fördern den Best-Practice-Austausch, der transkulturelle unternehmerische Aktivitäten einschließt. 

In 20 Ländern Afrikas präsent

Bereits heute gibt es insgesamt 140 Projekte und Austausch-Abkommen der TUM mit Institutionen in 20 afrikanischen Ländern. Unter Leitung des Lehrstuhls für Bodenordnung und Landentwicklung arbeitet etwa das „ADLAND“-Konsortium an Konzeption und Praxis verantwortungsvollen und intelligenten Landmanagements. Gemeinsam mit mehreren Partnern in Afrika hat ein Expertenteam der TUM außerdem das geländegängige Elektro-Nutzfahrzeug „aCar“ entwickelt. Es soll Menschen in abgelegenen Regionen Afrikas mobil machen und ihnen so besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildungseinrichtungen und Wirtschaft ermöglichen. Im Projekt „FOG Net“ arbeiten Forscherinnen, Forscher und Studierende der TUM an der Wassergewinnung aus unkonventionellen Ressourcen wie Tau oder Nebel. Dies kann in Gebieten mit knappen Niederschlägen eine sinnvolle Ergänzung oder sogar eine Alternative zur Grundwassernutzung sein. Im Projekt „NeXus of Water, Food and Energy“ erforschen Institutionen aus sieben Ländern unter Leitung des Lehrstuhls für Wasserbau und Wasserwirtschaft die Wechselwirkungen der begrenzten Ressourcen Wasser, Nahrung und Energie. Auch der Lehrstuhl für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme beschäftigt sich mit der Energieproblematik in Afrika und setzt derzeit konkrete Pilotprojekte zur Wasser- und Stromversorgung in Simbabwe um.