TUM-Studierende erfolgreich bei iGEM-Wettbewerb

Bier aus dem Reagenzglas

Im klassischen Dirndl am MIT in Boston: Katrin Fischer erklärt einer Jurorin, wie das iGEM-Team der TUM das neue Bier gebraut hat.
Im klassischen Dirndl am MIT in Boston: Katrin Fischer erklärt einer Jurorin, wie das iGEM-Team der TUM das neue Bier gebraut hat.

TUMcampus 1/13, Campus

Bier und Labor – das war die perfekte Kombination für eine Gruppe von Studierenden der TUM, die am internationalen Biotechnologie-Wettbewerb iGEM teilnahmen. Das Team wollte Hefe so verändern, dass sie schon beim Brauen bestimmte Inhaltsstoffe produziert – zum Beispiel Koffein, damit das Bier nicht müde, sondern wach macht. Und die Nachwuchswissenschaftler waren erfolgreich: Im Sommer 2012 reisten sie zur Preisverleihung nach Boston.

Hefe hilft nicht nur beim Brauen und Backen – der einzellige Pilz ist auch im Labor beliebt: Biotechnologen schleusen DNA-Bausteine für bestimmte Proteine in die Hefezellen ein. Wenn sich die Fremd-DNA erfolgreich im Erbmaterial der Hefe verankert, baut der Einzeller das gewünschte Endprodukt, etwa Insulin oder Vitamine.

»In einem Seminar hat uns der Leiter Professor Skerra vom Lehrstuhl für Biologische Chemie vorgeschlagen, ein Projekt für den iGEM-Wettbewerb einzureichen«, berichtet Jara Obermann, die an der Fakultät Wissenschaftszentrum Weihenstephan Molekulare Biotechnologie studiert. Ziel der iGEM-Teams aus der ganzen Welt ist es, einen Organismus gentechnisch so zu verändern, dass er bestimmte Stoffe produziert.

»Wir kamen schnell auf die Idee, mit modifizierter Hefe ›neues‹ Bier zu brauen.« Die jungen Forscherinnen und Forscher stellten DNA-Bausteine für Substanzen her, die ursprünglich aus Pflanzen stammen: für Koffein, den Süßstoff Thaumatin und Xanthohumol, eine Substanz, die vor Krebs schützt. Für Zitronengeschmack verwendeten sie einen bereits vorhandenen »BioBrick«. Diese DNA-Schnipsel pflanzten sie in das Erbmaterial der Hefe ein.

Mit »TUMBrew« ins Finale

Die Mischung aus traditioneller Braukunst und gentechnischen Methoden hat sich für das 19-köpfige Team, darunter auch Mathematik- und BWL-Studenten, gelohnt: Mit »TUM Brew« schafften sie es in die iGEM- Endrunde. »Die gesamte Gruppe wurde ans MIT in Boston eingeladen, um die Versuche vorzustellen«, berichtet Obermann. Schließlich landeten die innovativen Brauer unter den ersten 16. »Bei über 190 Teilnehmer-Teams ist das eine Platzierung, mit der wir sehr zufrieden sind.«

Und wie schmeckt das neue Bier? »Gut!«, sagt Obermann. »Am besten haben die Versuche mit Süßstoff und Limonen geklappt – Koffein konnten wir noch nicht komplett im Bier nachweisen.« Die Biosynthese von Koffein in Hefe ist nämlich etwas komplizierter: Gleich drei zusätzliche Gene müssen in die Hefe integriert werden. Bis man sich in der Kneipe ein kühles »TUMBrew« zapfen lassen kann, wird es also wohl noch eine Weile dauern.

Barbara Wankerl



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