Als Begleitfahrer zu den Paralympics:

Wegweiser in Pyeongchang

Lutz Klausmann studiert an der TUM und wird im März als Biathlon-Begleitfahrer bei den Paralympics starten. (Bild: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie)
Lutz Klausmann studiert an der TUM und wird im März als Biathlon-Begleitfahrer bei den Paralympics starten. (Bild: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie)
Lutz Klausmann studiert im 4. Mastersemester Finanz- und Versicherungsmathematik an der TUM. Im März ist er als Begleitfahrer des Biathleten Nico Messinger bei den Paralympics in Südkorea dabei. Lutz hat vom Weltcup im Schwarzwald aus mit uns telefoniert und von seinem eindrucksvollen Hobby erzählt.

TUMstudinews: Was sind Deine Aufgaben als Begleitfahrer?

Lutz Klausmann: Ich laufe in der Loipe vor den Biathleten, damit sie wissen, wo es langgeht. Dabei sind wir allerdings nicht verbunden. Nico hat noch fünf Prozent Sehvermögen. Das heißt, er würde ohne meine Hilfe nicht wissen, wo die Loipe ist. Beim Schießen nehme ich ihm nur die Stöcke ab.

Wie funktioniert das Schießen mit eingeschränktem Sehvermögen überhaupt?

Nico hat ein Lasergewehr und Kopfhörer auf. Je näher er der Trefferfläche mit dem Laser ist, desto durchgängiger wird ein akustisches Signal, das er über seine Kopfhörer hört. Das kann man sich wie den Piepston beim Rückwärts einparken vorstellen.

Wie lange bist Du schon Begleitfahrer?

Ich bin jetzt seit vier bis fünf Jahren beim Paraskiteam Deutschland dabei. Vor Nico habe ich zwei weitere Biathleten betreut.

Und wie bist Du dazu gekommen?

Also, ich bin schon Skilangläufer, seit ich fünf bin. Ich hatte damals einen Lehrer, der gleichzeitig mein Trainier war und der hat mich auf das Paraskiteam Deutschland aufmerksam gemacht. So kam es, dass ich neben meinem Bachelor in Freiburg immer wieder als Begleitfahrer ausgeholfen habe.
 
Wie lange begleitest Du Nico jetzt schon?

Seit August. Nach meinen letzten Prüfungen im Sommersemester in München bin ich nach Freiburg gezogen, um mit Nico für die Paralympischen Spiele trainieren zu können. Wir kennen uns allerdings schon länger und waren schon zusammen in Südkorea und in Finnland bei Weltcups und Trainingslagern.

Wie oft trainiert Ihr gemeinsam?

Sechs bis neun Mal pro Woche. Reine Trainingszeit sind 12 Stunden pro Woche.

Wie habt Ihr Euch für die Paralympischen Spiele qualifiziert?

Wir haben in Kanada die Norm erfüllt. Das bedeutet, wir haben eine gewisse Anzahl an Punkten erreicht. Noch dazu sind wir das einzige deutsche Herrenteam.

Sind es für Euch zwei die ersten Paralympics und wann fliegt Ihr nach Südkorea?

Ja, wir sind beide das erste Mal dabei. Wir fliegen am 4. März hin und am 10. März haben wir dann unseren ersten Wettkampf.

Wie bereitet Ihr Euch vor?

Wir sind jetzt noch bis Sonntag beim Weltcup. Anschließend sind wir 12 Tage in Livigno in Italien im Trainingslager. Am 16. und am 17. Februar sind wir dann bei den Deutschen Meisterschaften dabei und von 18. bis 25. Februar im Trainingslager in Riednaun in Südtirol. Dazwischen sind wir immer mal wieder in Freiburg am Trainieren.

Klingt ganz schön zeitaufwendig, wie lange wirst Du noch als Begleitfahrer tätig sein?

Da ich ab März meiner beruflichen Karriere weiter nachgehen werde, wahrscheinlich leider nicht mehr allzu lange. Skilanglaufen will ich allerdings, so lange ich kann.

(Interview: Verena Pongratz)

Lutz Klausmann, 25, ist in Furthwangen geboren und schreibt aktuell seine Masterarbeit zum Thema: „Prognose für Immobilienpreise anhand von Methoden des Statistischen Lernens“. Nico Messinger, 23, ist in Freiburg geboren und seit 2018 Biathlet. Neben seinem Sport arbeitet er als Automobilkaufmann.

Voll im Einsatz: Lutz Klausmann (vorne in orange) als Begleitläufer von Nico Messinger im Dezember 2017 in Canmore/Kanada. (Foto: Pam Doyle)
Voll im Einsatz: Lutz Klausmann (vorne in orange) als Begleitläufer von Nico Messinger im Dezember 2017 in Canmore/Kanada. (Foto: Pam Doyle)

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