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Forscher am Deutschen Herzzentrum haben Gene entdeckt, die das Herzinfarktrisiko erhöhen - Foto: Deutsches Herzzentrum
  • Forschung

Größte Studie zu erblichen Ursachen

Forscher identifizieren neue Risikogene für Herzinfarkt

Ein globales Konsortium hat in der bislang größten Studie die erblichen Ursachen des Herzinfarktes genau untersucht. Die Mediziner haben 104 Genorte entdeckt, die mit großer Sicherheit zum Herzinfarktrisiko beitragen. Insgesamt 46 Chromosomenabschnitte können nun mit genomweiter Signifikanz, d.h. der höchsten Stufe der statistischen Gewissheit, als ursächlich für die bedrohliche Erkrankung angesehen werden. Damit wird klar: Das Herzinfarktrisiko ist viel stärker genetisch verwurzelt, als bislang angenommen.


Die Identifizierung dieser Vielzahl von Risikogenen erlaubt nun erstmalig weitergehende Analysen. Diese bestätigten zunächst, dass Störungen des Fettstoffwechsels und entzündliche Erkrankungen des Herzens von sehr großer pathophysiologischer Relevanz für den Herzinfarkt sind. Durch die weitere Analyse der identifizierten Gene erwarten die Mediziner aber auch völlig neue Einsichten in die Krankheitsentstehung, die mittel- bis langfristig bislang ungeahnte Möglichkeiten für die Prävention und Therapie eröffnen können.

In den letzten Jahren ist es zwar gelungen etliche Risikogene zu identifizieren, trotzdem sind die genetischen Ursachen des Herzinfarkts bislang nicht hinreichend aufgeklärt. Gemeinsam mit mehr als 180 Wissenschaftlern aus der ganzen Welt konnten nun Forscher des Deutschen Herzzentrums München (DHM), Klinik an der Technischen Universität München, und der Universität zu Lübeck 15 neue Risikogene für die koronare Herzkrankheit (KHK) und den Herzinfarkt nachweisen. Damit sind nun 46 Risikogene bekannt. Zusätzlich konnten weitere 104 Gene identifiziert werden, die sehr wahrscheinlich das Krankheitsrisiko erhöhen. Die Wissenschaftler veröffentlichen ihre Ergebnisse im hoch angesehenen Wissenschaftsjournal Nature Genetics.

Die Ergebnisse erklärt Prof. Dr. Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München, Klinik an der Technischen Universität München: „Trotz der Bedeutung der bekannten Risikofaktoren trifft der Herzinfarkt viele Menschen völlig unerwartet. Die Arbeiten legen den Grundstein für die System-medizinische Aufklärung der Krankheitsentstehung. So können neue Ansätze zur Prävention entwickelt werden“.
Prof. Dr. Jeanette Erdmann (Institut für Integrative und Experimentelle Genomik der Universität zu Lübeck) ergänzt: „Die Erkenntnisse führen nun zu funktionellen Analysen der identifizierten Risikogene im Labor. Hierdurch erhoffen wir uns dann mittelfristig neue therapeutische Ansätze zum Wohle der Patienten“. Beide Wissenschaftler sind Mitglieder des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung.

Das globale Konsortium CARDIoGRAMplusC4D hat für diese weltweit größte genetische Studie 60.000 Patienten mit koronarer Herzkrankheit und 130.000 gesunde Personen untersucht, um Regionen im menschlichen Genom aufzuspüren, die mit einem erhöhten Risiko einer koronaren Herzerkrankung vergesellschaftet sind. Durch die gleichzeitige Analyse von mehr als 2 Millionen über das gesamte Genom verteilten Genvarianten (sog. SNPs) wurde die Identifikation von neuen, bislang unbekannten, Risikogenen möglich. An der Studie beteiligten sich Forscher aus Europa (Deutschland, Großbritannien, Island, Schweden, Finnland, Frankreich, Italien, Griechenland), Libanon, Pakistan, Korea, USA, Kanada und China.

Jedes Jahr sterben in Europa rund 750.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Die zugrunde liegende Atherosklerose der Herzkranzarterien und der Herzinfarkt gehören damit in Deutschland zu den mit Abstand häufigsten Todesursachen. Neben traditionellen Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Rauchen spielt die vererbte Veranlagung eine erhebliche Rolle bei der Entstehung der Erkrankung.

Originalpublikation:
The CARDIoGRAMplusC4D Consortium (2012) “Large-scale association analysis identifies new risk loci for coronary artery disease”; Nature Genetics, 2. Dezember 2012
Doi: 10.1038/ng.2480


Kontakt:
Prof. Dr. med. Heribert Schunkert
Deutsches Herzzentrum München
Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen
Technische Universität München
Lazarettstraße 36
80636 München
Telefon: +49-89-1218-4073
E-mail: schunkert@dhm.mhn.de

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