• 29.4.2013

Geruchsrezeptoren auf Blutzellen gefunden

Können wir auch mit dem Immunsystem riechen?

Gerüche spielen möglicherweise eine viel größere Rolle in unserem Leben als bisher angenommen. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) fanden kürzlich auf Immunzellen des Bluts dieselben Rezeptoren zur Wahrnehmung von Gerüchen wie in der Nase. Daraus ergeben sich Fragen, beispielweise ob die Blutzellen den Duft von frisch gebrühtem Kaffee oder noch warmem Apfelkuchen „riechen“ können.

Mit Hilfe farbig fluoreszierender Antikörper können Rezeptoren auf Zellen nachgewiesen werden. Hier zeigt die gelbe Färbung Immunzellen, die Geruchsrezeptoren tragen. (Bild: DFA)
Mit Hilfe farbig fluoreszierender Antikörper können Rezeptoren auf Zellen nachgewiesen werden. Hier zeigt die gelbe Färbung Immunzellen, die Geruchsrezeptoren tragen. (Bild: DFA)

Wie Prof. Peter Schieberle, Leiter des TUM-Lehrstuhls für Lebensmittelchemie und Direktor der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA; Leibniz-Institut), auf der 245. nationalen Konferenz der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft (American Chemical Society, ACS) erläuterte, ging die Wissenschaft bisher davon aus, dass nur die Nase über Geruchsrezeptoren verfügt. Dass sich olfaktorische Rezeptoren auch auf anderen als den Riechzellen befinden, war somit eine Überraschung.

„Vor kurzem hat unsere Arbeitsgruppe um Dr. Dietmar Krautwurst Geruchsrezeptoren auf Blutzellen nachgewiesen“, sagte Schieberle. „In der Nase erkennen diese Rezeptoren bestimmte Substanzen, nämlich Duftstoffe, und verarbeiten die Informationen zu einem Aroma, das im Gehirn als angenehm oder unangenehm interpretiert wird.“

Blutzellen wandern zum Geruch

Überraschenderweise nimmt inzwischen die Zahl der wissenschaftlichen Hinweise darauf zu, dass neben den Riechorganen auch das Herz, die Lungen und viele andere Organe solche Rezeptoren besitzen. Die Bestandteile einer verzehrten Mahlzeit werden aus dem Magen in den Blutkreislauf transportiert. Bedeutet das nun, dass zum Beispiel das Herz das Schnitzel ‚riecht‘, das man gerade gegessen hat? Das ist eine Frage, auf die es noch keine endgültige Antwort gibt.

Blutimmunzellen können bestimmte Lebensmittelinhaltsstoffe erkennen. Der Begriff ‘riechen‘ bleibt aber dem Organ Nase vorbehalten, auch wenn es sich hier um die gleichen Rezeptoren handelt. Im Falle der Blutzellen spricht man von Chemorezeption.

Kürzlich zeigte die Arbeitsgruppe an der DFA, dass Primärzellen aus menschlichen Blutproben von Duftmolekülen angelockt werden, die für ein bestimmtes Aroma verantwortlich sind. Schieberle beschrieb ein Experiment, bei dem die Forscher einen duftenden Lockstoff auf der einen Seite einer unterteilten Multiwell-Platte und Blutzellen auf der anderen Seite aufbrachten. Die Blutzellen bewegten sich in Richtung des Geruchs.

„Es ist noch nicht geklärt, ob die Geruchsmoleküle im Körperinneren auf dieselbe Weise wie in der Nase wirken“, erklärte er. „Aber das würden wir gerne herausfinden.“ Schieberles Arbeitsgruppe und seine Kollegen an der Technischen Universität München (TUM) arbeiten auf einem Gebiet, das sie „Sensomics“ nennen. Hierbei erforschen sie insbesondere, auf welche Weise Mund und Nase die Schlüsselsubstanzen für Aroma, Geschmack und Beschaffenheit von Nahrungsmitteln wahrnehmen, vor allem von wohlschmeckenden Nahrungsmitteln wie Schokolade und Röstkaffee.

Publikation:
Biogenic amines activate blood leukocytes via trace amine-associated receptors TAAR1 and TAAR2; Agne Babusyte, Matthias Kotthoff, Julia Fiedler, and Dietmar Krautwurst; Journal of Leukocyte Biology, Volume 93, March 2013.

Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Dietmar Krautwurst
Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie
T: +49.8161.71.2634
E: dietmar.krautwurst@lrz.tum.de
W: www.dfal.de

Prof. Dr. Peter Schieberle
Technische Universität München
Lehrstuhl für Lebensmittelchemie
T: +49.8161.71.2932
E: Peter.Schieberle@lrz.tu-muenchen.de
W: http://www.leb.chemie.tu-muenchen.de/

Technische Universität München

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