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Prof. Hana Milanov, Vizepräsidentin der TUM, und INVENOX-Geschäftsführer Martin Hammer
Prof. Hana Milanov, Vizepräsidentin für Internationale Allianzen und Alumni, und INVENOX-Geschäftsführer Martin Hammer. (FOTO: BENZ/TUM)
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Vizepräsidentin Hana Milanov und INVENOX-Geschäftsführer Martin Hammer im Interview

„Ein junges Unternehmen ist wie eine weiße Leinwand“

Die Technische Universität München (TUM) versteht sich als unternehmerische Universität, die großen Wert darauf legt, junge Gründerinnen und Gründer zu unterstützen. Seit 1990 gab es mehr als 700 Ausgründungen. Im Interview sprechen Martin Hammer, einer der Gründer des Startups INVENOX, und Hana Milanov, Vizepräsidentin für Internationale Allianzen und Alumni und Professorin für International Entrepreneurship, darüber, wie Ausgründungen und Universität voneinander profitieren können.

Vier der fünf Gründungsmitglieder von INVENOX haben sich 2011 im Rahmen ihrer Promotion am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TUM kennengelernt. Damals erforschten sie auch die Technik, die zur Grundlage ihres Unternehmens wurde.  Mit einem Betriebswirt als fünftes Mitglied gründeten sie 2014 das Startup, mit dem sie selbst entwickelte Energiespeicher für elektrisch betriebene Anwendungen produzieren. Das Unternehmen entwickelt sich rasant. Diese Woche wurde in Garching der neue Standort von INVENOX eingeweiht, ein Gebäude mit 1600 Quadratmetern Fläche,  Laboren und Forschungseinrichtungen und einer teilautomatisierten Fertigungsstraße. Neben INVENOX verzeichnen auch einige andere TUM-Ausgründungen beachtliche Erfolge – zuletzt konnte etwa das Software-Unternehmen Celonis Investitionen in Höhe von 27,5 Millionen US-Dollar einwerben, auch die TUM-Ausgründungen ProGlove und CevoTec strichen vor wenigen Tagen  Millionenbeträge an Investitionen ein. Gerade in der Anfangsphase profitieren viele Ausgründungen von der Nähe zur Universität, aber auch für die TUM hat die Nähe Vorteile.

Herr Hammer, wie kommt man mitten in der Promotionsphase darauf, ein Unternehmen zu gründen?

Martin Hammer: Das hatte viel mit unserer Umgebung zu tun. Wir hatten damals am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an dem Elektroauto-Projekt Visio.M gearbeitet und konnten parallel dazu unsere Energiespeicher-Technologie testen. Prof. Lienkamp, der Inhaber des Lehrstuhls, hat uns sehr unterstützt und uns darin bestärkt, dass unsere Idee in die Industrie überführt werden könnte. Er hat uns dann die Freiheiten gegeben, unsere Promotionen, die Projektarbeit und die Ausgründung parallel zu verfolgen. Dadurch konnten wir schon früh die Förderangebote der TUM nutzen.

Die TUM hat mit gleich mehrere Angebote für junge Unternehmer. Welche Idee steckt eigentlich dahinter, Frau Prof. Milanov?

Hana Milanov: Die TUM als unternehmerische Universität hat den Auftrag, zu einer innovativen Gesellschaft beizutragen. Wir wollen, dass unsere Forschung die Gesellschaft verändert und wir wollen junge Menschen dazu inspirieren neue Wege zu gehen, in den Bereichen Gesundheit, Mobilität oder beim Umgang mit Energie. Unternehmen sind oft zu groß, und zu langsam, um sich neuen Möglichkeiten zu öffnen. Universitäten bieten Platz für radikale Innovationen. Wir sehen es als unsere Aufgabe diesen Talenten, Struktur und Unterstützung zu geben um auf eignen Beinen, in Ihrem eigenen Unternehmen erfolgreich zu sein. Aus der Kreativitätsforschung wissen wir, dass neue Ideen entstehen, wenn man unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Eine Universität ist dafür ein Idealer Raum, mit vielen unterschiedlichen Fachrichtungen und Studenten aus der ganzen Welt. Universitäten sind Orte, an denen unterschiedliche Perspektiven im wahrsten Sinne des Wortes gemeinsam in einem Raum sitzen. Mit unseren Initiativen für Unternehmer, möchten wir junge Talente unterstützen Ihre Ideen in die Realität umzusetzen.

Herr Hammer, wie genau sah die Förderung für Ihre Ausgründung aus?

Hammer: Das fing schon bei der ersten Idee an. Wir haben an mehreren Programmen der UnternehmerTUM teilgenommen und eigentlich in jeder Phase Workshops und Vorträge besucht – mehr als 20 waren es am Ende. Zum Beispiel waren wir bei einem Entrepreneurship-Camp oder E-Camp, einer Art Intensivkurs bei dem innerhalb von zwei Wochen alle grundlegenden Themen bei der Gründung eines Startups behandelt werden. Die Technologie hatten wir zwar schon, aber erst durch das Camp ist uns klar geworden, welche Schritte notwendig waren, um mit einem Hardware-Startup in Deutschland erfolgreich zu sein. Gerade auf dem Energiespeichermarkt ist das ja nicht naheliegend – Batterien selbst werden hier gar nicht mehr hergestellt und auch die Konkurrenz auf nationaler und internationaler Ebene ist groß. Die TUM hat uns dann dabei beraten, bei welchem Förderprogramm wir uns am besten bewerben und uns mit dem Antrag geholfen. Sehr wichtig war auch die Anmeldung unseres Patents. Bei der Formulierung hat uns TUM Forte sehr unterstützt – von uns aus hätten wir dies wahrscheinlich gar nicht gemacht.

Bei welchen Themen brauchen junge Unternehmen denn erfahrungsgemäß  besonders viel Hilfe?

Milanov: Ein junges Unternehmen ist wie eine weiße Leinwand. Jeder Pinselstrich hat Einfluss darauf, wie das fertige Gemälde aussehen wird. Junge Unternehmer können ein fantastisches Kunstwerk schaffen, oder eben auch nicht. Wir können Startups beispielsweise zeigen, wie man ein Team zusammenstellt, wie man aus einer Technologie ein Geschäftsmodell entwickelt - und das ist eine besondere Stärke von Universitäten – wir helfen Ihnen, indem Sie Legitimität, Zugang zu Netzwerken und einem Pool an hochtalentierten Kommilitonen bekommen.

Herr Hammer hatte eben angesprochen, wie ungewöhnlich es für ein Startup in Deutschland  ist, Hardware herzustellen. Brauchen technologiebasierte Startups wie INVENOX andere Fördermaßnahmen als softwarebasierte?

Milanov: Ja, die Entwicklung zum Beispiel von neuen Molekülen, Sensoren oder Batterien haben andere Entwicklungs- und Testphasen als softwarebasierte Startups. Neben anderen Dingen, sorgt dieser Umstand dafür, dass die Fehler die ein Team machen kann, viel kostspieliger sind. Wir können helfen, diese zu vermeiden, indem wir sicherstellen, dass junge Teams schon früh mit guten Mentoren zusammengebracht werden, damit sie aus den Fehlern der anderen lernen können. Wir bringen den Unternehmensgründern und -gründerinnen aber auch bei, dass die Möglichkeit des Scheiterns ein grundlegender Teil unternehmerischen Erfolgs ist. Das bedeutet nicht, dass wir Unternehmer ermutigen, zu scheitern. Eine echte Innovation entsteht aber meist nicht ohne ein paar Pannen auf dem Weg dorthin.

Wie war das bei Ihnen, Herr Hammer?

Hammer: Ich würde das unterschrieben. Wir haben in der Anfangsphase immer wieder Fehler gemacht – aber nur durch die Fehler erkennt man, wo man wirklich steht. Man darf sich durch die Rückschläge nicht entmutigen lassen.  Im Nachhinein kann man natürlich sagen, dass man Probleme schon in der Planungsphase bemerken muss. In der Praxis ist es aber gar nicht möglich, sofort eine „100-Prozent-Lösung“ zu bauen. Wir haben eben eine neuartige Technologie erforscht, dabei treten neuartige Probleme auf, für die wir eben neuartige Lösungen finden müssen.

Frau Prof. Milanov, Sie forschen zu Entrepreneurship. Welche Auswirkungen hat denn die Forschung auf die Praxis?

Milanov: Natürlich gibt es den grundlegenden Mechanismus, dass Forschungsergebnisse in die Lehre fließen – sei es in wissenschaftlichen Aufsätzen, praxisnahmen Artikeln oder etwa in Übungen für die Studierenden. Zum Beispiel bietet die TUM ein EMBA (Executive Master of Business Administration) Programm in „Entrepreneurship and Innovation“ an. Hier tauschen sich Professoren mit Ihren MBA Studenten intensiv über die neusten Entwicklungen in Praxis und Forschung aus.
Außerdem mit dem Entrepreneurship Center etwas Einzigartiges an der TUM: Ein Gebäude, in dem Forschung, Lehre, und junge Unternehmen in verschiedenen Stadien unter einem Dach zusammenkommen. So fließt nicht nur die Forschung in die Lehre ein, sondern auch die Forschung wird unweigerlich von der Interaktion mit jungen aufstrebenden Startups inspiriert. Zum Beispiel arbeiten das TUM ERI (TUM Entrepreneurship Research Institute) in einem Forschungsprojekt mit den Startups des eigenen Inkubators und den Mentoren zusammen den Einfluss der Mentoren auf die Entwicklung der Business-Modelle zu untersuchen.

Das Entrepreneurship Center wurde ja erst eröffnet,  nachdem Sie und Ihre Kollegen eigene Räume hatten, Herr Hammer. Gab es trotzdem Kontakt zu anderen Start-Ups? Die sind mitunter ja direkte Konkurrenten um Fördermittel. Entsteht da eine Konkurrenzsituation?

Hammer: Wir hatten sehr viel mit anderen Startups zu tun, schon an unserem Lehrstuhl. Wir haben uns intensiv zu wirklich allen Themen ausgetauscht: über technische Dinge, über betriebswirtschaftliches, über Erfahrungen, Kontakte. Durch die Seminare und Workshops  haben wir später noch viel mehr Startups kennen gelernt. Konkurrenz gab es eigentlich nicht – gemeinschaftlich ist einfach vieles einfacher. Bei der Vergabe des Fördergeldes entscheidet die beste Idee, da könnte man durch Konkurrenz auch nichts für das eigene Startup erreichen. Wir haben nach wie vor sehr viel Kontakt mit den anderen Ausgründungen. Eine dieser Firmen, Pacefish, ist inzwischen sogar bei uns im Firmengebäude angesiedelt – wir verstehen uns einfach gut.

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