Prof. Christoph Lütge
Christoph Lütge, Professor für Wirtschaftsethik, will am Institut für Ethik in der KI neue Forschungsprojekte zum Einsatz von KI-Einsatz im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf den Weg bringen. Dafür wollen sich die Forschenden international vernetzen.
Bild: Andreas Heddergott / TUM
  • Covid-19, Forschung
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KI gegen Covid-19: Christoph Lütge über ein neues Ethik-Konsortium„Kurzfristige Entscheidungen können unsere Welt langfristig prägen“

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie ist auch Künstliche Intelligenz (KI) im Einsatz. KI-Verfahren könnten etwa Muster bei der Verbreitung der Krankheit erkennen. Aus den neuen Möglichkeiten ergeben sich jedoch ethische Fragen. Christoph Lütge, Professor für Wirtschaftsethik und Leiter des Instituts für Ethik in der KI an der Technischen Universität München (TUM), hat mit Kolleginnen und Kollegen anderer renommierter Forschungseinrichtungen das Global AI Ethics Consortium ins Leben gerufen.

Herr Prof. Lütge, Sie haben gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Hochschulen wie der University of Tokyo, der New York University und der University of Cambridge ein KI-Ethik-Konsortium gegründet. Warum?

Gerade werden weltweit unzählige KI- und datenbasierte Forschungsprojekte ins Leben gerufen. Diese Projekte haben das Potenzial, politische Entscheidungen zu beeinflussen und könnten die Gesundheitssysteme der Zukunft prägen. Wir sehen die Gefahr, dass angesichts der Krise heute kurzfristig Entscheidungen getroffen werden, die unsere Welt langfristig prägen können. Häufig sind die ethischen Fragen, die sich aus dem Einsatz der neuen Technologien ergeben, noch gar nicht erkannt und schon gar nicht beantwortet.

Könnten Sie ein Beispiel geben?

Ein Thema sind Fragen zu Privatsphäre und Datenschutz bei Software, mit deren Hilfe die Ausbreitung von Epidemien verfolgt werden soll. Solche Software ist ja in verschiedenen Ländern bereits im Einsatz und wird derzeit auch für die EU entwickelt.

Was ist das Ziel des Global AI Ethics Consortium?

Wir brauchen Ethik-Standards, die politischen Entscheidungen zu KI und auch der Entwicklung der entsprechenden Software zugrunde liegen. Diese Standards dürfen kein Hindernis für Innovationen oder für die Bekämpfung von Epidemien sein, müssen aber negative Auswirkungen von KI von vornherein verhindern.

Was genau werden Sie in den nächsten Monaten unternehmen?

Das Konsortium wird anderen Forschungsteams seine Expertise zur Verfügung stellen und auch eigene Projekte auf die Beine stellen. Wir am Institute for Ethics in Artificial Intelligence an der TUM werden beispielsweise im Mai Vorschläge für neue interdisziplinäre Forschungsprojekte im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie sammeln und die besten Projekte jeweils für bis zu ein Jahr fördern. Für den Erfolg ist ein ständiger Austausch entscheidend, die Projekte werden wir natürlich mit den anderen Mitgliedern des Konsortiums vernetzen. Außerdem werden wir ein Repositorium erstellen, in dem wir alle Forschungsergebnisse zu Ethik in der KI in Bezug auf die Corona-Krise zusammentragen und zugänglich machen.

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Technische Universität München Paul Hellmich
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