Die Gründer und Gründerinnen (v.li.): Karim Tarraf, Yvonne Rusche, Birgit Fullerton, Matthew Fullerton.
Die Gründer und Gründerinnen (v.li.): Karim Tarraf, Yvonne Rusche, Birgit Fullerton, Matthew Fullerton.
Bild: Anne Kaiser / Hawa Dawa
  • Entrepreneurship
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Start-up Hawa Dawa wertet Daten zur Luftqualität ausMit KI gegen Luftverschmutzung

Klimawandel, Urbanisierung und eine höhere Verkehrsbelastung: In diesem Zusammenhang wird besonders für Städte das Thema Luftreinheit immer wichtiger. Das Start-up Hawa Dawa hat sich auf die Messung und Analyse von Schadstoffen in der Luft spezialisiert. Interessiert an den Daten sind vor allem Städte, aber auch Unternehmen nutzen diese für ihre Anwendungen. Gegründet wurde das Unternehmen an der Technischen Universität München (TUM).

Der Name ist Programm: Hawa Dawa bedeutet sinngemäß Luftreinheit – und zwar in sieben Sprachen. „Wir haben eine globale Ausrichtung“, erklärt Karim Tarraf, der das Unternehmen 2016 mitgegründet hat. Die Vision: Mithilfe von Big Data und Künstlicher Intelligenz die Zukunft der Städte nachhaltig zu gestalten. „Wir wollen zeigen, dass moderne Technologien im Einklang mit der Umwelt eingesetzt werden können.“

Das Thema Luftreinheit hat Tarraf schon früh geprägt. Er ist in Kairo aufgewachsen – eine Stadt, in der die Luftverschmutzung bedenklich hoch ist. Tarrafs Eltern arbeiten als Lungenarzt und Lungenärztin, sein Bruder leidet an Asthma. Während seines BWL-Masterstudiums an der TUM nahm Tarraf am interdisziplinären Praxiskurs THINK.MAKE.START. teil, in dem in 14 Tagen ein Produkt entwickelt wird. Gemeinsam mit seinem Team wählte Tarraf als Projekt ein tragbares Messgerät für Asthmatiker, das die Belastung der Luft anzeigt. 

Von der Idee zum Unternehmen

Der Nachteil eines tragbaren Geräts wurde schnell deutlich: Die Luftqualität wird nur dort gemessen, wo sich die Nutzer und Nutzerinnen gerade aufhalten, und sie müssen das Messgerät ständig bei sich tragen. Die Hawa Dawa-Gründer und -Gründerinnen entwickelten daher die Idee weiter: Ihr Ziel ist die flächendeckende Darstellung der Luftqualität in Echtzeit.

Hawa Dawa nutzt dazu Daten aus bereits existierenden Datenquellen wie Satelliten oder öffentliche Messstationen und integriert diese in eine Online-Plattform. Eigene Messstationen ergänzen das Messnetzwerk. Im Gegensatz zu den öffentlichen Messstationen, in denen die zu messende Luft zunächst aufwändig aufbereitet wird, sind die Hawa-Dawa-Geräte klein und preisgünstig, da sie einen anderen Ansatz verfolgen: „Wir nutzen KI-basierte Kalibrierungsalgorithmen, die Wechselwirkungen der Schadstoffe untereinander sowie die Einflüsse von Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck berücksichtigen, um die Daten ohne Störfaktoren zu ermitteln“, erklärt Hawa-Dawa-Mitgründerin Yvonne Rusche. Die Geräte messen die üblichen Parameter wie Stickstoffdioxid, Feinstaub und Ozon mit großer Genauigkeit und sind CE-zertifiziert.

Besonders Städte sind interessiert an den Luftdaten

Die Hawa Dawa Software kann zusätzliche Faktoren wie Verkehr oder Wetter in die Datenauswertung einbeziehen, um so tiefere Einblicke in die Zusammenhänge zu bieten und mögliche Ansatzpunkte für Gegenmaßen aufzuzeigen. Auch satellitengestützte Daten der europäischen Weltraumorganisation ESA und der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA bindet Hawa Dawa in sein Modell ein. Die ESA unterstützt das Start-up dabei mit seinem Förderprogramm „Kick-start-Activity“ auch finanziell.

Besonders Städte sind an den Luftdaten interessiert, um neue Konzepte, etwa für den Verkehr, zu entwickeln. Die Diskussion um die manipulierten Abgasmessungen der Dieselfahrzeuge 2015 spielt dabei eine große Rolle, denn seither ist in Deutschland die Luftreinheit immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Die beste Route berechnen

Die aufbereiteten Daten sind aber auch für andere Kunden interessant, die diese für ihre eigenen Anwendungen nutzen. Beispiele sind die Berechnung einer umweltfreundlichen Auto-Route für Pendler oder Applikationen, mit deren Hilfe bestimmte Schadstoffe aufgespürt werden können, die für die entsprechenden Risikogruppen relevant sind. Insgesamt hat Hawa Dawa etwa 35 Kunden in Deutschland, der Schweiz, Irland und England.

Das Unternehmen, in dem mittlerweile über 20 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt sind, plant, das Geschäft weiter zu internationalisieren.

TUM unterstützt Gründer und Gründerinnen

TUM und UnternehmerTUM, das Zentrum für Innovation und Gründung an der TUM, unterstützen Ausgründungen mit einem einzigartigen Angebot – von der ersten Idee bis zum Börsengang. Hawa Dawa wurde durch die TUM-Gründungsberatung unterstützt, die Gründer und Gründerinnen nutzten Europas größte öffentlich zugängliche High-Tech-Prototypenwerkstatt – den UnternehmerTUM MakerSpace – und nahmen an den Programmen TechFounders, Climate KIC und Xpreneurs Incubator teil. Derzeit wird Hawa Dawa vom neuen RESPOND Acceleratorprogramm, initiiert von der BMW Foundation Herbert Quandt mit Unterstützung der UnternehmerTUM, gefördert. Das Programm unterstützt Start-ups, die nachhaltige Lösungen für globale Herausforderungen entwickeln.

Die TUM bringt laut dem aktuellen „Deutschen Startup Monitor“ unter den deutschen Hochschulen die meisten Gründerinnen und Gründer hervor. Jedes Jahr werden hier mehr als 70 Unternehmen ausgegründet. Die hervorragende Förderung bestätigt der „Gründungsradar“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, bei dem die TUM auf Platz 1 der großen Hochschulen steht.

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Technische Universität München Stefanie Reiffert
stefanie.reiffert(at)tum.de

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