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Diversity und Talent Management

Kreativität entsteht durch Vielfalt

Portrait Prof. Klaus Diepold
Neuer Vizepräsident für Diversity und Talent Management der TUM: Prof. Klaus Diepold (Foto: Astrid Eckert/Andreas Heddergott)

Prof. Klaus Diepold ist der neue Vizepräsident für Diversity und Talent Management. Vor allem bei den Studierenden ist er sehr beliebt, seine Videovorlesungen sind legendär. „Diversity“ – was bedeutet das speziell für die TUM? Wie funktioniert Talent Management? Was hat sich Diepold für sein Amt vorgenommen? Verena Meinecke hat den neuen Vizepräsidenten befragt.

Diversity heißt im Wortlaut „Vielfalt, Verschiedenheit“ und bezeichnet ein Konzept der Unternehmensführung. Die TUM hat sich ihm verschrieben. Was bedeutet das konkret?

KD: Wir haben ein Ziel: ALLE Menschen, die in Bezug zur TUM stehen, sollen gleiche Chancen haben, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexueller Orientierung. Jede Diskriminierung soll ausgeschlossen werden. Wir wollen an der TUM alle Verschiedenheiten unterbringen. Empirisch ist belegt: Kreative Leistungen entstehen da, wo Unterschiede in Teams zusammenwirken.

Wichtiger Aspekt ist die Gleichstellung von Frauen und Männern.

KD: Unsere spezielle Aufgabe ist die Gleichstellung von Frauen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich. An der TUM ist schon viel passiert, aber wir dürfen nicht vom Gas gehen. In einigen Studiengängen haben wir einen Frauenanteil von über 50% bei den Studierenden, aber nur einen sehr kleinen Frauenanteil bei den Professuren. Wie kann es dazu kommen? Wir müssen die Laufbahn ansehen, die Kette. Was passiert da „unterwegs“? Werden die Frauen von den Akteur/innen benachteiligt oder vom System?

Und um was geht es beim Talent Management?

KD: Die Kernfrage ist: Wie können wir optimal unsere Talente fördern? Wie berufliche Perspektiven für sie schaffen? Wir haben immense Vielfalt an der Uni und brauchen dieses breite Spektrum. Das betrifft nicht nur die Professor/innen, sondern alle Bereiche. Wir müssen Auswahl und Entscheidungsmöglichkeiten kreieren. Zum Beispiel im Bereich Tenure Track. Da sind hochqualifizierte Topmitarbeiter/innen. Aber nicht alle schaffen eine Berufung. Was wird aus ihnen? Ziel ist es, diesen Gruppen ein berufliches Qualifizierungsprogramm anzubieten, eine Art Traineeprogramm. Dazu eine Art Zertifikat „TUM-geprüfte/r Wissenschaftsmanager/in“, mit dem die Außenwelt etwas anfangen kann. Die Leute sollen die Wahl haben. Selbst entscheiden, welchen Weg sie einschlagen.

Sie haben einen hervorragenden Ruf als Hochschullehrer, wurden gerade vom Stifterverband für Ihr Lehrkonzept ausgezeichnet. Der Bereich Diversity und Talents scheint ungewohnt. Wie kamen Sie dazu?

KD: Neu ist der Bereich für mich nicht. Meine Frau ist Sozialpädagogin. Wir haben schon immer viel über Berufsmöglichkeiten von Frauen diskutiert. Als an der Fakultät EI das Fachgebiet Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften eingerichtet wurde, saß ich in der Berufungskommission. Im Vorstand des Clusters CoTeSys war ich dann verantwortlich für Gender- und Frauenthemen. Dann habe ich beim Antrag zur Exzellenzinitiative 2011 am Genderkonzept mitgewirkt. Und kam ins Gender & Diversity Board. Und jetzt ins Präsidium. Von der neuen Aufgabe bin ich begeistert - ich sehe jetzt viel mehr über die Grenzen meiner Fakultät hinaus. Spannend finde ich auch, dass ich hier etwas Neues mitgestalten und in Schwung bringen kann.

Wie hat man auf Sie reagiert?

KD: Nicht gerechnet habe ich mit der großen Resonanz von allen Seiten. Mir wurde ein immenses Vorschussvertrauen entgegengebracht. Das hat mich persönlich angerührt. Überrascht bin ich zudem vom großen öffentlichen Interesse des Themas. Auch von außerhalb wurde und werde ich häufig angesprochen. Das verblüfft mich. Vielleicht auch, weil ich als Mann jetzt „Gender“ vertrete. Ungewöhnlich? Nein, denn das Thema Gender ist geschlechtsunspezifisch.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

KD: Ich will die Aufgabe MENSCHENorientiert gestalten. Sachorientiert sind wir schon. Die Sache lebt aber davon, dass sich die Menschen mit ihr identifizieren. Wer denkt, ich mache ein bissel Frauen-Ballihoo: nein! Ich will die Bedürfnisse aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Zentrum stellen. Ganz besonders wichtig ist mir der direkte Kontakt. Auch als Vizepräsident bleibe ich für Jede und Jeden ansprechbar.

Im Verhaltenskodex, dem TUM Diversity Code of Conduct steht u.a. „Die TUM gestaltet ihr Lehrangebot diversitygerecht.“. Was ist das, eine gendergerechte Lehre?

KD: Auch für die Studierenden müssen wir Studienbedingungen schaffen, in denen sie ihre individuellen Fähigkeiten entfalten können. Die Talente sind da. Was gendergerechte Formate in der Lehre angeht, da bin ich selbst noch „Lehrling“. Das werde ich mir ganz speziell ansehen.

Die Vielfalt in allen Köpfen verankern, dazu ist eine Art Kulturwandel nötig – wie kann man das transportieren?

KD: Darüber werden wir verstärkt nachdenken. Meine Studentinnen und Studenten zum Beispiel machen hervorragende Filme. Warum könnte man nicht filmisch kommunizieren? Das Thema geht alle an und ist überhaupt nichts Theoretisches. Das muss aber leicht und unterhaltsam daherkommen. Wir müssen die Leute auch emotional ansprechen. Da fallen uns bestimmt einige gute Dinge ein...


Prof. Dr.-Ing. Klaus Diepold hat an der TUM Elektro- und Informationstechnik studiert und promoviert. Danach war er als Wissenschaftler und Entrepreneur in der Video- und Fernsehindustrie tätig, in München, Oslo und New York. Mehr als zehn Jahre lang hat er MPEG-Standards (MPEG-4, MPEG-A) mitentwickelt. Seit 2002 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Datenverarbeitung der TUM. Als Gastprofessor hat er in Kanada und Australien gelehrt. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat des Center for Digital Technology and Management (CDTM) und im Vorstand des Cluster of Excellence „Cognition for Technical Systems“ (CoTeSys). Seit 1. Januar 2013 ist er Vizepräsident der TU München.