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Green School Zambia:

„Man muss gut improvisieren können“

Gespannte Blicke durch's Fenster: TUM-Studenten entwickeln in Sambia ein neues Schulgebäude mit, das einmal im ganzen Land gebaut werden könnte. (Foto: Klaus Mindrup)
Gespannte Blicke durch's Fenster: TUM-Studenten entwickeln in Sambia ein neues Schulgebäude mit, das einmal im ganzen Land gebaut werden könnte. (Foto: Klaus Mindrup)

Sambia braucht 10.000 Klassenzimmer. TUM-Studis entwickeln sie mit: Sie arbeiten an einem neuartigen Konzept für Schulgebäude. Ein Prototyp steht bereits in Lusaka, der Hauptstadt. Klaus Mindrup vom Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion war gerade mit zwei Studenten vor Ort. In den TUMstudinews erzählen sie von Sambia und warum sie dort erst einmal ihr Werkzeug suchen mussten.

Was steckt hinter dem Green School Projekt in Sambia?

Klaus Mindrup: Das sambische Bildungsministerium möchte in den nächsten neun Jahren ca. 10.000 neue Klassenräume bauen. Wir arbeiten zusammen mit unserer Partneruniversität, der University of Zambia, an der Entwicklung eines Prototyps für ein Schulgebäude, das sowohl in den Städten als auch in ländlichen Gebieten gebaut werden kann.

Wie wird das vor Ort angenommen?

Klaus Mindrup: Wir hoffen, dass das Ministerium unseren Vorschlag adaptiert. Wir möchten, dass unser Prototyp mit seinem Raumklima, der Energie- und Sanitärversorgung und seinem Ressourcenverbrauch den Schulbaustandard in der Region nachhaltig beeinflusst. An der TUM gab es deshalb schon viele Abschlussarbeiten und Projekte zu diesem Thema.

Was unterscheidet Euren Entwurf vom sambischen Standard-Schulbau?

Klaus Mindrup: Das Standardmodell ist ein Betonbau mit großen Fenstern und einfachem Wellblechdach. In den Klassenzimmern wird es dadurch beispielsweise zur Trockenzeit sehr heiß. Wir haben versucht, das zu verbessern. Das Dach des Prototyps ist doppelschichtig und heizt sich nicht so stark auf. Die Fenster sind lang und schmal, so kommt ohne direkte Sonneneinstrahlung viel Licht in den Raum.

Ist das ein ganz neuer Ansatz?

Klaus Mindrup: Nein, das ist nicht neu, vor der Kolonialzeit wurde auch schon so gebaut. Wir haben also die Vorteile moderner und traditioneller Bauelemente vereint. Wichtig war, dass unser Prototyp nicht sehr viel mehr kostet als sambische Schulgebäude bisher. Und wir verwenden hauptsächlich nachwachsende und lokal verfügbare Rohstoffe, unser Modell ist also sehr nachhaltig.

Ihr wart über Ostern drei Wochen in Sambia. Was habt Ihr dort gemacht?


Klaus Mindrup: Der Prototyp des Schulgebäudes ist jetzt seit einem Jahr in Betrieb. Wir möchten sehen, ob sich unser Konzept bewährt und wo noch Optimierungsbedarf besteht. Dafür waren wir zu dritt wieder in Lusaka und haben Messapparaturen installiert. Sie  sollen es uns ermöglichen, über ein Jahr möglichst viele Daten über die Bedingungen in den Klassenzimmern zu sammeln.

Matthias, was war Deine und Jonas` Aufgabe dabei?


Matthias Sing: Ich habe im Rahmen meiner Masterarbeit das Messsystem für die Datenerfassung und -bereitstellung entwickelt. Die Vorbereitungen in Deutschland haben vier Monate gedauert. Ich habe Testteile gekauft und eine für unser Projekt passende Anlage konstruiert. In Sambia habe ich sie mit den anderen gebaut und in Betrieb genommen. Jonas hat sich in seiner Bachelorarbeit mit der Datenübertragung befasst und kümmert sich um den Server, mit dem wir die Daten verarbeiten können.

Wie war Eure Zeit in Sambia?


Klaus Mindrup: Voller Überraschungen (lacht). Als wir ankamen, mussten wir erst einmal unser Werkzeug vom letzten Besuch im Sommer 2014 suchen. Das hatten wir an einen Sambier ausgeliehen, der aber jetzt nicht im Land war. Niemand sonst wusste genau, wo alles gelagert war. Und am Wochenende war in dem Klassenzimmer, in dem wir unsere Messanlage installieren wollten, überraschenderweise ein Gottesdienst. Da mussten wir uns erst einmal mit den Leuten absprechen, wie und wann wir arbeiten konnten. Es war eigentlich wie in jeder Bauphase des Projekts: Man muss sehr gut improvisieren können.

Klaus Mindrup (29) arbeitet seit einem Jahr als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion der TUM und hat sich schon im Rahmen seiner eigenen Masterarbeit mit dem Green School Projekt in Sambia beschäftigt.

Matthias Sing (24) studiert im 11. Semester Elektro- und Informationstechnik an der TUM und möchte nach seinem Masterabschluss im Sommer in der Industrie arbeiten.


(Interview: Sabrina Czechofsky)

Mit großer Neugier verfolgen die sambischen Schüler, was im Gebäude passiert. (Foto: Klaus Mindrup)
Mit großer Neugier verfolgen die sambischen Schüler, was im Gebäude passiert. (Foto: Klaus Mindrup)
Trennschleifer und selbst gebauter Schweißtrafo: Standardausrüstung jedes Schlossers in Lusaka. (Foto: Klaus Mindrup)
Trennschleifer und selbst gebauter Schweißtrafo: Standardausrüstung jedes Schlossers in Lusaka. (Foto: Klaus Mindrup)
Abends in Lusaka: Flexen und Schweißen, als das Werkzeug endlich da ist. (Foto: Klaus Mindrup)
Abends in Lusaka: Flexen und Schweißen, als das Werkzeug endlich da ist. (Foto: Klaus Mindrup)
Jonas Scharpf (links) und Klaus Mindrup löten eine Sensorleitung. (Foto: Klaus Mindrup)
Jonas Scharpf (links) und Klaus Mindrup löten eine Sensorleitung. (Foto: Klaus Mindrup)
Die fertige Messtraverse erfasst die thermischen Raumklimabedingungen. (Foto: Klaus Mindrup)
Die fertige Messtraverse erfasst die thermischen Raumklimabedingungen. (Foto: Klaus Mindrup)
Schülerinnen auf dem Gelände der Woodlands Primary School. (Foto: Klaus Mindrup)
Schülerinnen auf dem Gelände der Woodlands Primary School. (Foto: Klaus Mindrup)
Team TUM und UNZA: Klaus Mindrup, Kaoma Mwansa, Jasper Hatilima, Matthias Sing, Dr. Ackim Zulu, Jonas Scharpf (v.l.n.r.). (Foto: Klaus Mindrup)
Team TUM und UNZA: Klaus Mindrup, Kaoma Mwansa, Jasper Hatilima, Matthias Sing, Dr. Ackim Zulu, Jonas Scharpf (v.l.n.r.). (Foto: Klaus Mindrup)