Olympische Spiele auf 2021 verschoben:

Theresa gibt ein Jahr lang weiter alles

Sind gerade gemeinsam einen Halbmarathon gelaufen: Theresa Stoll (links) mit ihrer Zwillingsschwester Amelie, die auch ihre Trainingspartnerin ist. (Foto: privat)
Judoka Theresa Stoll wäre für Olympia 2020 in Tokio qualifiziert gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Olympischen Spiele genau um ein Jahr verschoben. Wie motiviert sich die Leistungssportlerin weiterhin? Wie nutzt sie die Zeit?

Theresa, wie hast Du Dich gefühlt, als klar war, dass die Olympischen Spiele um ein Jahr nach hinten verschoben werden?

Theresa Stoll: Ich habe mir erstmal zwei Tage eine Auszeit genommen. Natürlich steht die Gesundheit gerade im Vordergrund und der Sport ist eher sekundär. Aber trotzdem gibt man im Training alles, um an diesem einen Tag top fit zu sein. Wenn sich dieser Tag dann um ein Jahr nach hinten verschiebt, ist das erstmal ziemlich hart.

Wie motivierst Du Dich jetzt weiterhin alles zu geben?

Ich sehe es so, dass ich jetzt länger Zeit habe zu trainieren und noch fitter werden kann. Ich merke zum Beispiel schon, dass meine Ausdauer besser wird. Gemeinsam mit meiner Zwillingsschwester Amelie kann ich mich super motivieren.

Trainiert Ihr noch zusammen?

Ja, das geht zum Glück immer noch, weil wir zusammen wohnen.

Wie hat sich Euer Training verändert?

Wir haben einen Trainingsplan vom Bundestrainer bekommen und trainieren zweimal täglich. Wir gehen häufig laufen, trainieren viel mit dem eigenen Körpergewicht und machen zu Hause Techniktraining.

Dürft Ihr überhaupt in die Halle?

Hoffentlich bekommen wir bald eine Sondergenehmigung für die Halle und dürfen mit unserem Trainer zusammen rein. Das ist dann noch nicht optimal, weil man beim Judo ja eigentlich viele verschiedene Trainingspartner braucht, aber zumindest ein kleiner Fortschritt.

Werden alle Sportler, die jetzt für Olympia qualifiziert waren, auch in einem Jahr noch qualifiziert sein?

Thomas Bach - der Präsident vom IOC - hat gesagt, dass alle, die sicher qualifiziert waren, bei den Olympischen Spielen 2021 dabei sein werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Leichtathlet, der über 800 Meter die offizielle Qualifikationszeit gelaufen ist, sicher dabei ist.

Was heißt das für Dich?

Bei uns geht die offizielle Qualifikationsphase eigentlich bis Ende Mai. Der deutsche Judo Verband hatte Ende Februar beim Grand Slam in Düsseldorf schon nominiert, diese Nominierungen sind vom Deutschen Olympischen Sportbund aber noch nicht offiziell bestätigt. Sie werden laut Judo Verband nicht rückgängig gemacht, aber natürlich kann niemand versprechen, was in einem Jahr passiert. Ich mach mir aber keine Sorgen und trau mir zu, dass ich die Qualifikation auch in einem Jahr wieder schaffen werde.

Steht schon fest, ab wann es wieder Wettkämpfe geben wird?

Bis Ende Juli sind alle Wettkämpfe sicher abgesagt und im August wollen sie schauen wie es sich entwickelt. Der erste geplante Wettkampf für die Euromeisterschaft ist aktuell Mitte November in Prag.

Wie hat sich Deine Planung im Studium verändert?

Das Freisemester nehme ich jetzt natürlich nicht, das war zum Glück gar kein Problem. Auch dass jetzt alles online stattfinden soll, wird für mich keine große Umstellung. Ich werde auf jeden Fall die Prüfungen nachholen, die mir noch fehlen und freu mich schon richtig darauf, dass die Uni wieder losgeht und mein Geist wieder mehr gefordert wird.

Wie nutzt Du die gewonnene Zeit jetzt?

Ich merk’ schon, dass ich gerade Zeit für Sachen finde, die ich sonst nicht gemacht habe. Meine Schwester und ich haben zum Beispiel Osterkarten an unsere Freunde und Verwandten verschickt. Und gerade heute sind wir zum ersten Mal einen Halbmarathon gelaufen. Ich setze mir jetzt andere Ziele und so funktioniert es ganz gut, dass ich das große Ganze nicht aus den Augen verliere.

(Interview: Verena Pongratz)

Theresa Stoll ist 24 Jahre alt und in München geboren. Sie studiert Medizin im achten Semester und kämpft beim TSV Großhadern. 2019 gewann Theresa ihren vierten Deutschen Meistertitel in Folge. Mehr Infos: Team Deutschland Theresa Stoll

 

Theresa Stoll
Stay at home gilt derzeit auch für Spitzensportler: Judoka Theresa Stoll auf dem heimischen Balkon. (Foto: privat)