Hackathon „WirvsVirus“:

Mit „Machbarschaft“ in den Top 20

TUM-Student Marc Sommer
Will Leute aus der digitalen Welt mit denen aus der analogen Welt vernetzen: TUM-Student Marc Sommer von "Machbarschaft". (Foto: Andreas Tamme)
Die Bundesregierung hatte zum Hackathon „WirvsVirus“ aufgerufen und fast 30.000 Teilnehmer haben an einem einzigen Wochenende 1.500 Lösungen für Probleme in der Corona-Zeit entwickelt. Der TUM-Student Marc Sommer war einer von ihnen. Zusammen mit seinem Team ist er von einer Jury mit dem Projekt „Machbarschaft“ unter die Top 20 gewählt worden.

Marc, herzlichen Glückwunsch zu Eurem Gewinn! Was genau ist „Machbarschaft“?

Marc Sommer: Unsere Projektgruppe besteht aus ganz unterschiedlichen Leuten aus ganz Deutschland, teilweise Studierende und teilweise Berufstätige, die sich beim Hackathon zusammengetan haben. Unser gemeinsames Projekt „Machbarschaft“ ist ein Nachbarschaftsprojekt. Wir wollen Leute aus der digitalen Welt mit Leuten aus der analogen Welt vernetzen. Das Projekt soll Menschen aus Corona-Risikogruppen, die keinen oder erschwerten Zugang zum Internet haben, einen einfachen Zugang zu digitalen Nachbarschaftshilfen ermöglichen.

Wie genau soll das funktionieren?

Wir haben eine Hotline mit einem Bot gebaut. Jeder kann dort einfach telefonisch anrufen und ein Hilfegesuch aufgeben, das dann automatisch digitalisiert wird und an Helfer in derselben Region als Push-Benachrichtigung rausgeht. Wenn ein Helfer verifiziert ist, kann er einfach direkt telefonischen Kontakt aufnehmen und das weitere Vorgehen und die Details persönlich absprechen. Wir begleiten diesen Prozess mit und stellen auch Empfehlungen in Anlehnung an die des Robert-Koch-Instituts zur Verfügung: Zum Beispiel wie man eine sichere Übergabe von Einkäufen durchführt.

Euer Projekt ist eines der Top 20 des Hackathons. Was bedeutet das nun für Dich und Dein Team?

Der Hackathon wurde auch von der Bundesregierung unterstützt, wir sind als Gewinner nun automatisch in einem sechsmonatigen Förderprogramm aufgenommen. Dort erhalten wir eine ideelle und auch monetäre Unterstützung durch den Prototype Fund vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das oberste Ziel des Förderungsprogramms ist, dass die Projekte vom Hackathon möglichst schnell realisiert werden und an den Start gehen. Daran arbeiten wir auch auf Hochtouren.

Auf welchem Stand ist Euer Projekt Machbarschaft gerade?

Wir sind gerade im Finalisierungs-Stadium mit der App. Es gibt letzte Designänderungen und Testung. Parallel arbeiten wir daran, Kooperationspartner zu finden, die uns helfen, das Produkt der Zielgruppe nahe zu bringen. Unsere Kernzielgruppe sind Menschen über 60 ohne Internetzugang. Unser Produkt zu benutzen, heißt für diese Menschen auch, uns Vertrauen entgegenzubringen. Und dafür müssen vor allem Kommunen und regionale Nachbarschaftsverbände für uns werben.

Was bedeutet es Dir, bei diesem Projekt beteiligt zu sein?

Das Projekt bedeutet mir sehr viel. Besonders ist, dass wir Technologie benutzen können, um Menschen zu helfen. Am Anfang dachte ich nur, „Cool, ein Hackathon!“. Jetzt freue ich mich, dass wir mit unserem Projekt etwas bewegen können und Leuten helfen - mit Digitalisierung. Das ist ein gutes Zeichen in die richtige Richtung, dass wir Digitalisierung jetzt auch leben. Ich hoffe auch, dass wir so eine Art Vorzeigeprojekt werden. Denn Digitalisierung ist die Zukunft.

(Interview: Sabrina Czechofsky)


Marc Sommer (21) kommt ursprünglich aus der Region Hamburg und hat in Lüneburg an der Leuphana Wirtschaftsinformatik im Bachelor studiert, bevor er für seinen Master an die TUM gewechselt ist. Er ist Stipendiat unter anderem der Studienstiftung des Deutschen Volkes und der Claussen Simon Stiftung. Mehr Infos: Machbarschaft – ein Anruf macht’s möglich