TUM-Studentin Xinrui Yang:

„Das Virus kennt keine Nationalitäten“

Xinrui Yang
Als man sich noch frei bewegen konnte: TUM-Studentin Xinrui Yang im Juni 2019 vor der Kulisse der chinesischen Hafenstadt Qingdao am Gelben Meer. (Foto: privat)
Weit weg von zu Hause: TUM-Studentin Xinrui Yang kommt ursprünglich aus Wuhan in China, das durch das Coronavirus in aller Munde ist. Was hat sie in den vergangenen Monaten in Deutschland erlebt? Welche Unterschiede stellt sie zu China fest?

Xinrui, wie betrifft Dich Corona gerade?

Xinrui Yang: Ich habe bis vor kurzem an der TUM TUM-BWL im Master studiert und bin gerade fertig geworden. Eigentlich sollte ich im April mit meinem ersten Job in München anfangen. Aber wegen Corona wurde das Einstiegsdatum jetzt erst einmal verschoben. Auch die Ausländerbehörde arbeitet derzeit nicht normal, sondern bearbeitet nur dringende Notfälle, sodass ich auch keine Arbeitsgenehmigung bekommen kann.

Deine Familie kommt aus Wuhan, wo der Virus zuerst ausgebrochen ist. Wie geht es Deiner Familie?

Meine Eltern und Großeltern leben in Wuhan und wir kommunizieren über WeChat
oder Videoanrufe. Bis vor einem Monat war die Situation dort sehr schlimm, da haben wir auch öfter als sonst telefoniert, weil ich mir auch viele Sorgen um sie gemacht habe. Zum Glück geht es ihnen ganz gut und bisher ist niemand vom Coronavirus betroffen. Langsam geht das Leben in Wuhan jetzt auch wieder los.

Und wie geht es Dir hier in München?

Am Anfang wäre ich natürlich gerne bei meiner Familie gewesen, hier bin ich alleine. Es ist kein schönes Gefühl, wenn man gerne etwas tun würde, aber nichts tun kann. Ich habe meinen Eltern dann immer wieder eingeschärft, aufzupassen. Aber mittlerweile komme ich ganz gut zurecht. Ich habe auch keine Angst um mich, weil ich weiß, das regelmäßiges Händewaschen und Abstandhalten hilft. Ich bleibe auch die meiste Zeit zu Hause.

Und wie verbringst Du die Zeit zu Hause?

Ich habe auch viel nichts gemacht, mich entspannt und Videos geschaut. In meiner Freizeit tanze ich Hip-Hop in einer Tanzgruppe. Derzeit können wir uns leider nicht im Echt treffen, deshalb machen wir jetzt kleine digitale Treffen und bringen uns im Live Stream gegenseitig neue Choreografien bei.

Welche Unterschiede siehst Du im Umgang mit Corona in Deutschland und China?

Ein großer Unterschied ist, glaube ich, kulturell bedingt, dass nämlich in Deutschland alle trotzdem nach draußen drängen und Fitness machen wollen oder Freunde treffen. Die Leute in Wuhan haben viel mehr Angst vor dem Virus, und bleiben die allermeiste Zeit zu Hause, weil sie Angst haben, sich anzustecken. Und in Wuhan haben vor allem junge Menschen am Anfang auf das Virus aufmerksam gemacht, während ältere das zu Beginn nicht sonderlich ernst genommen haben. Auch meine Familie wollte sich zum Frühlingsfest treffen. Da habe ich eingegriffen und gesagt, dass es besser wäre, auf diese Tradition in diesem Jahr zu verzichten.

Man hört vermehrt, dass asiatisch aussehende Menschen wegen Corona in der Öffentlichkeit angefeindet werden. Ist Dir so etwas Ähnliches auch schon passiert?

Mir selbst noch nicht, aber ich habe von Freunden gehört, denen so etwas passiert ist. Das ist leider keine einzelne Ausnahme, sondern passiert öfter, als man denkt. Aber wenn uns dieser Virus eines zeigt, dann, dass er keine Nationalitäten oder Ländergrenzen kennt, sondern dass wir alle gleich davon betroffen sind. Das sollten wir nicht vergessen. Und es gibt auch die andere Seite: Ich habe von vielen deutschen und internationalen Freunden viele Nachfragen zu und Wünsche an meine Familie in Wuhan während der schlimmen Zeit erhalten.

(Interview: Sabrina Czechofsky)

 

Xinrui Yang, 26, kommt aus Wuhan und hat in China Abitur gemacht. Mit dem Stipendium des DAAD ist sie vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen und hat an der Universität in Köln ihren Bachelor gemacht, bevor sie an der TUM TUM-BWL studiert hat.