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Die Nebelfänger in Marokko:

Die Welt im Kleinen verbessern

Belinda Fleischmann vom Enactus-Projekt "Nebelfänger" in Marokko: "Die gesamte Wertschöpfung soll im Land bleiben." (Foto: Maren Willkomm)
Belinda Fleischmann vom Enactus-Projekt "Nebelfänger" in Marokko: "Die gesamte Wertschöpfung soll im Land bleiben." (Foto: Maren Willkomm)

Aus Nebel Wasser gewinnen – das ist das Ziel von acht Münchner TUM-Studierenden. Nicht in Deutschland, wo das Wasser aus dem Hahn fließt, sondern in Südmarokko. In dieser Region Afrikas ist die Wasserversorung nicht immer gewährleistet. Wie sie das Wasser an den Mann bringen möchten und worauf es ihnen dabei ankommt, verrät ihre Sprecherin Belinda Fleischmann.

Belinda, wer seid Ihr und was ist Euer Anliegen?

Wir sind acht Studenten der TUM und vier Studenten unserer Partner-Uni in Agadir in Marokko. Wir engagieren uns zusammen in der Hochschulgruppe Enactus. Das ist eine Nichtregierungsorganisation, in der Studenten unter Einsatz ihrer universitär erlangten Fähigkeiten Projekte entwickeln, die im Kleinen die Welt verbessern sollen. In unserem Team studieren alle verschiedene Wissenschaften und gemeinsam wollen wir einen Nebelfänger entwickeln, mit dem in Südmarokko Wasser gewonnen werden kann.

Wie kann man sich einen Nebelfänger vorstellen?

Im Grunde ist das Prinzip ganz schlicht: Ein Nebelfänger besteht aus einem Metallgestell, um das ein Nylonnetz gespannt wird. Dieses Gestell stellt man an einen günstigen Ort auf, also dort wo besonders viel Nebel vorkommt. Dieser Nebel kondensiert dann in dem Netz, wird zu Wasser, das in Behälter unter dem Gestell abtropft. So können täglich bis zu 12 Liter sauberes Wasser gewonnen werden.

Wie kommt man denn auf so eine Idee?

Wir haben das Rad nicht neu erfunden. Die Idee, aus Nebel Wasser zu gewinnen, gibt es schon lange. Es existieren bereits große Anlagen, sogenannte Nebelfangparks. Wir möchten den Bewohnern jedoch zu mehr Unabhängigkeit verhelfen. Aus diesem Grund haben wir eine tragbare Lösung für private Haushalte zur selbstständigen Wassergewinnung entwickelt: den mobilen Nebelfänger.

Was ist neu an Eurem Konzept?

An unserem Konzept ist neu, dass unser Nebelfänger klein und mobil ist und in privaten Haushalten zu Einsatz kommen kann. Der Nebel wandert und mit unserem Netz kann man jeden Tag Wasser gewinnen, wenn man ihm folgt. So ist jeder
Haushalt für sich selbst verantwortlich.

Was ist Euer Ziel?

In Marokko gibt es in vielen Teilen das Landes keine ordentliche Wasserversorgung. Private Unternehmen fahren das Wasser in abgelegene Dörfer und verlangen viel Geld dafür. Das ist für die Menschen deutlich zu teuer. Und auch zu wenig Wasser, denn bisher verbraucht ein Haushalt pro Kopf täglich 7 Liter. Wir wollen die Versorgung nicht ersetzen, sondern mit unseren Nebelfängern einen Zusatz stellen.

Die Verantwortung wollt Ihr in die Hände der Leute vor Ort geben.

Genau und zwar komplett. Der Nebelfänger soll von marokkanischen Handwerkern aus lokalen Materialen gebaut werden. Die gesamte Wertschöpfung soll im Land bleiben. Insgesamt sind ungefähr 380 Dörfer und Siedlungen betroffen, für die Nebelfänger in Frage kommen würden.

Wo steht Ihr gerade in Eurem Projekt und was soll dann kommen?

Wir bauen gerade an unserem vierten Prototypen. Dabei werden wir technisch von Siemens untersützt und bei der Entwicklung von Markus Heinsdorff. Im August und September beginnt dann die Testphase, in der wir zehn Haushalte mit einem Nebelfänger ausstatten wollen. Langfristig wollen wir dann bis zum Sommer 2016 ca. hundert Haushalte ausgestattet und mindestens eine Werkstatt und zwei Arbeitsplätze geschaffen haben. Die optimale Vorstellung wäre, dass wir das Land danach verlassen und alles von ganz alleine läuft.

(Interview: Sabrina Czechofsky)

Belinda Fleischmann (22) studiert im 2. Mastersemester TUM-BWL und arbeitet als Head of Marketing für die Enactus-Gruppe Nebelfänger. Ca. 20 Stunden investieren die Kommiliton/innen wöchentlich in das Projekt.

Mehr Informationen:
Nebelfänger Enactus München
Nebelfänger auf YouTube
Spendensammlung Nebelfänger