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TUM-Studentin beim Nobelpreisträgertreffen:

„Neugierig bleiben wie ein Kind“

Begeistert vom Nobelpreisträgertreffen 2013 in Lindau: TUM-Studentin Teresa Zimmermann (links). Hier mit Yidi Tai, ebenfalls Studentin der TUM. (Foto: Teresa Zimmermann)
Begeistert vom Nobelpreisträgertreffen 2013 in Lindau: TUM-Studentin Teresa Zimmermann (links). Hier mit Yidi Tai, ebenfalls Studentin der TUM. (Foto: Teresa Zimmermann)

Chemiestudentin Teresa Zimmermann hat 35 Nobelpreisträger getroffen. Sie hat am Lindau Nobel Laureate Meeting 2013 am Bodensee teilgenommen. Was sie dort erlebt und wer sie am meisten beeindruckt hat, erzählt sie im Interview mit den TUMstudinews.

Hallo Frau Zimmermann, Sie waren gerade beim Nobelpreisträger-Treffen in Lindau. Wie war’s?

Ziemlich beeindruckend. Zuerst war ich schon ein bisschen nervös, weil man so viele Nobelpreisträger auf einmal trifft. Das hat sich dann aber schnell gelegt. Wir hatten ein volles Programm: vormittags gab es kurze Plenarvorträge der Preisträger, jeweils 30 Minuten lang. Nachmittags traf man sie in kleineren Diskussionsrunden. Da konnte man sie näher kennenlernen.

Wie haben sich die Nobelpreisträger präsentiert?

Die Nobelpreisträger haben ihre Vorträge ganz unterschiedlich aufgezogen. Manche sprachen über ihre Forschung, einige mehr über die Wissenschaft oder ihre Rolle in der Gesellschaft allgemein. In den Diskussionsrunden am Nachmittag konnte man sie alles fragen, einfach so drauflos. Das fand ich besonders spannend. Die Forschung kennt man in der Regel, oder man kann nachlesen. Hier konnte man viel persönlichere Fragen stellen.

Was konnte man von den Nobelpreisträgern erfahren, das über deren Forschungsergebnisse hinausgeht?

Ich habe zum Beispiel Gerhard Ertl (Anmerk.: Deutscher Physiker, NP 2007) gefragt, ob er schon mal Zweifel an seiner wissenschaftlichen Karriere hatte. Im Prinzip nein, hat er geantwortet. Und er hat seinen Weg geschildert. Seinen Preis bekam er für Oberflächenchemie. Er hat uns erzählt, dass er zu diesem Fachgebiet eher durch Zufall kam: Er hatte schon eine Arbeitsgruppe gefunden, wollte aber nicht auf deren Spezialgebiet Elektrochemie arbeiten. Also ging er in die Oberflächenchemie. So kam er zu seinem Fachgebiet. Das fanden wir doch recht lustig.

Wer hat Sie besonders beeindruckt?

Beeindruckt haben mich zum Beispiel Steven Chu (US-amerikanischer Physiker, NP 1997, Energieminister der aktuellen US-Regierung) und Harold Kroto (Britischer Chemiker, NP 1996). Sie haben erklärt, was sie von Forschern und ihrer Arbeit erwarten. Hier habe ich viel mehr mitgenommen als von den fachbezogenen Vorträgen. Kroto oder auch Dan Shechtman (Israelischer Physiker, NP 2011) waren unheimlich mitreißend. Sie haben so viel Spaß an der Forschung und an der Kommunikation von Wissenschaft. Sie konnten das total gut rüberbringen.

Die Nobelpreisträger sind sicher sehr inspirierend...

Besonders amüsant fand ich die Aussage von Harold Kroto. Er sagte, er habe es geschafft, sein Leben lang zu spielen. Und so neugierig zu bleiben wie ein Kind. Entdeckungen seien oft aus einem Zufall heraus entstanden. Er sei immer drangeblieben und habe nach den Ursachen gesucht. Das heißt also: offen bleiben ist ganz wichtig.

Nach Lindau kommen nicht nur Nobelpreisträger, sondern auch 600 junge Leute aus fast 80 Ländern.

Die Stimmung war großartig, alle waren unheimlich offen. Ich habe für mein Themengebiet viele Anregungen bekommen und konnte nützliche Kontakte knüpfen. Besonders toll fand ich, dass sich keinerlei Grüppchen gebildet haben. Bis zum Schluss konnte man sich jederzeit überall dazusetzen und kam immer direkt ins Gespräch. Beim Bayerischen Abend waren alle eingeladen, in ihrer nationalen Tracht zu erscheinen. Das war ein buntes Bild und hat großen Spaß gemacht.

Wie sind Sie zum Nobelpreisträgertreffen gekommen?

Ich bin im Max-Weber-Programm des Elitenetzwerk Bayern und wurde von da aus nominiert. Die Plätze vergibt ein Komitee in Lindau. Und physisch hingekommen bin ich mit der Bahn. Wir waren zu fünft von der TUM und haben uns ein Bayernticket geteilt.

Ab Herbst beginnen Sie Ihre Promotion. Sie bleiben also in der Wissenschaft. Was nehmen Sie aus Lindau für Ihre weitere Arbeit mit?

Einen großen Motivationsschub! Mein Fazit lautet: Auch die Nobelpreisträger haben als „normale“ Forscher begonnen, allerdings haben sie – vielleicht mehr als andere – wirklich Freude an ihrer Arbeit. Dadurch wiegt es auch nicht so schwer, wenn im Labor lange mal nichts klappt. Einige der Preisträger, mit denen ich sprechen konnte, haben neben der Chemie noch eine zweite Leidenschaft wie ein Musikinstrument oder Malerei und betonen oft, wie wichtig ihnen auch diese Lebensinhalte sind – das macht Mut, sich manchmal Zeit für solche Dinge zu nehmen.

Teresa Zimmermann ist 23 und kommt aus Passau. Gerade hat sie an der TUM ihren Master in Chemie gemacht. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit der Immobilisierung von Katalysatoren zur Herstellung bestimmter Monomere. Ab Herbst promoviert Teresa Zimmermann am Lehrstuhl für Anorganische Chemie der TUM in Garching.

(Interview: Verena Meinecke)

Bayerischer Abend in Lindau: Teresa Zimmermann (Mitte) und andere Teilnehmerinnen mit dem israelischen Nobelpreisträger Dan Shechtman. (Foto: Christina Schusdziarra)
Bayerischer Abend in Lindau: Teresa Zimmermann (Mitte) und andere Teilnehmerinnen mit dem israelischen Nobelpreisträger Dan Shechtman. (Foto: Christina Schusdziarra)
Ein großer Motivationsschub: Teresa Zimmermann nimmt vom Bodensee viele Eindrücke mit. (Foto: Teresa Zimmermann)
Ein großer Motivationsschub: Teresa Zimmermann nimmt vom Bodensee viele Eindrücke mit. (Foto: Teresa Zimmermann)