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Integrations-Tandems am WZW:

Wenn aus Fremden Freunde werden

Mustafa (2.v.l.) und Marietta (3.v.l.) haben als Integrations-Tandem viel voneinander gelernt. (Foto: Uli Benz)
Mustafa (2.v.l.) und Marietta (3.v.l.) haben als Integrations-Tandem viel voneinander gelernt. (Foto: Uli Benz)

„Integration und Gesellschaftsprozesse mit Asylsuchenden“: Für dieses Seminar konnten sich im Sommersemester 56 TUM-Studenten am WZW anmelden. Jetzt, zum Ende des Semesters, sind daraus Freundschaften erwachsen. Marietta Lehnardt, Annemarie Krauss und Christian Metz haben das Seminar belegt und berichten über die Erfahrungen der letzten Monate.

TUMstudinews: Der Titel „Integration und Gesellschaftsprozesse mit Asylsuchenden“ ist etwas sperrig. Was kann man sich darunter vorstellen?

Christian: Das Seminar bestand aus vier Blockseminaren, in denen wir Themen wie Fluchtursachen, politische Konflikte und Asylrecht in der Theorie besprochen haben. Der Kern des Seminars besteht aber aus den Tandempartnerschaften zwischen Studenten und jungen Flüchtlingen.

Marietta: Am Anfang des Seminars wurden wir mit unseren Tandempartnern zusammengebracht und haben uns dann regelmäßig mit ihnen in unserer Freizeit getroffen.

Mustafa, Du kommst aus Syrien und bist Mariettas Tandempartner. Was macht Ihr zusammen?

Mustafa: Wir reden sehr viel und Marietta hilft mir beim Deutschlernen oder bei Hausaufgaben. Manchmal kochen wir auch zusammen und treffen ihre Freunde, gehen ins Museum oder machen zusammen mit den anderen Tandempaaren Ausflüge. Ich bin seit neun Monaten in Deutschland und das Tandem-Projekt ist eine große Hilfe für mich.

Annemarie, wie seid Ihr Studenten zu dem Seminar gekommen?

Annemarie: Ich bin durch eine E-Mail der Studienkoordination auf das Seminar aufmerksam geworden und war sofort begeistert. Denn über dieses Pilotprojekt war der Zugang wesentlich erleichtert für alle wie mich, die schon oft darüber nachgedacht haben, sich für Flüchtlinge zu engagieren, aber nicht so recht wussten, wie und wo. Besonders toll ist, dass wir im Programm begleitet werden. Wir lernen Do‘s und Dont’s, bekommen Tipps von Sozialarbeitern und haben einen festen Ansprechpartner, der uns betreut.

Ihr bekommt für die Teilnahme am Seminar Credits. Was nehmt Ihr darüber hinaus mit?

Christian: Mein Tandempartner kommt aus Afghanistan. Ich kann also schon ein paar Sätze auf Persisch (lacht). Aber Spaß bei Seite: Ich konnte durch das Seminar und im Gespräch mit ihm so viel lernen – die Flüchtlinge sind ja teilweise jünger und haben auf ihrer Flucht schon mehr erlebt und gesehen als wir.
Marietta: Durch das Seminar eignen wir uns interkulturelle Kompetenzen an und müssen dafür nicht einmal mehr ins Ausland reisen oder dort studieren. Was ich auf menschlicher Basis in den letzten Monaten gelernt habe, ist enorm. Und Mustafa ist für mich ein Freund geworden.

Wie geht es weiter nach dem Seminar?

Annemarie: Der Kontakt zu meiner Tandempartnerin Edith aus Nigeria bleibt natürlich bestehen. Wir treffen uns auch nach dem Seminar weiterhin und spinnen das Ganze im Privaten weiter. Bei Marietta und Christan ist das bestimmt auch so. Wir würden uns aber natürlich wünschen, dass das Seminar auch im nächsten Semester wieder angeboten wird. Es ist ein tolles Netzwerk zwischen den Institutionen, Unterkünften, Flüchtlingen und Studenten entstanden, das unbedingt fortbestehen sollte. Großartig wäre es, wenn das Seminar in Zukunft auch an den anderen Standorten der TUM angeboten werden könnte.

(Interview: Sabrina Czechofsky)

Marietta Lehnardt, 25, studiert im 2. Semester Biologie. Ihr Tandempartner Mustafa, 22, ist aus Syrien über die Türkei nach Deutschland geflohen und lebt derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft Steinkaserne in Freising. Annemarie Krauss, 23, studiert im 2. Mastersemester Biologie. Ihre 20-jährige Tandempartnerin Edith kommt aus Nigeria und lebt im Containerdorf in Freising. Sie besucht derzeit Deutschkurse und möchte im kommenden Schuljahr die Berufsschule besuchen. Christian Metz, 26, studiert Agrarwissenschaften. Sein Tandempartner ist erst 18 Jahre alt und ist aus Afghanistan geflohen. Er ist seit 10 Monaten hier, lebt in einer GU in Moosburg und pendelt regelmäßig nach Freising, um sich mit Christian zu treffen.

Engagement für Flüchtlinge an der TUM

Das Pilotprojekt wurde von Studierenden initiiert und von engagierten TUM-Mitarbeiterinnen und der HSG Freising entwickelt und umgesetzt. Die Idee: Theoretisches Wissen im Seminar aneignen und außerhalb des Hörsaales umsetzen und Flüchtlinge in regelmäßigen Treffen unterstützen.

Wer sich an der TUM für Flüchtlinge engagieren will, kann dies als Buddy tun: zum einen als Mentor/in im TUM-Gasthörerprogramm für Geflüchtete („Buddies for refugees“) oder im Freisinger Programm in Kooperation mit Flüchtlingsunterkünften im Landkreis Freising („Buddies for Integration in Freising“). Wollen Sie im kommenden Semester dabei sein? Die Anmeldung für das Wintersemester als „Buddy for Refugees“ ist bis 15. August geöffnet. Für das Freisinger Projekt bitte bis 15. September bei Dr. Astrid Lux-Endrich unter lux(at)wzw.tum.de melden.