Stanford‘s „University Innovation Fellows“:

Vincent will mehr

University Innovation Fellow Vincent Jeltsch
Entwickelt mit vier Kommilitonen die Plattform "PeerTUMPeer": University Innovation Fellow Vincent Jeltsch von der TUM. (Foto: Andreas Heddergott)
Mehr Praxis! Das möchten fünf TUM-Studis, die gerade an einem Programm der Stanford University teilnehmen. Für sie werden beim Studieren an der Uni zu wenig praktische Fähigkeiten vermittelt. Vincent Jeltsch ist einer von ihnen.

Vincent, Ihr dürft Euch „University Innovation Fellows“ nennen? Was bedeutet das?

Vincent Jeltsch: Wir nehmen als Team an einem Programm der Stanford d.school teil, mit dem weltweit Entrepreneurship und Innovation an Hochschulen gefördert werden soll. An der TUM wurden wir zu fünft dafür ausgewählt. Als erstes haben wir einen sechswöchigen Online-Kurs absolviert.

Was ist das Ziel des „University Innovation Fellows Program“?

Wir, die Fellows, sollen Lücken an unseren Universitäten identifizieren - Probleme, die Studierende betreffen, Dinge, die sie stören, und Lösungen dafür entwickeln.

Welche Probleme habt Ihr ausgemacht?

Wir haben viele Interviews an der TUM geführt. Bei den Erstsemestern ist eine Hauptsorge: Lerne ich neue Leute an der Uni kennen? Wie bleibe ich nicht alleine? Später, so haben wir festgestellt, beschäftigt besonders eines die Studierenden: die Angst davor, die Uni, sagen wir, als „Fachidiot“ zu verlassen.

„Fachidiot“ inwiefern?

Wir erlernen zu wenig praktische Fähigkeiten. Theoretisches Wissen muss auch angewendet werden. In der realen Welt sind die Dinge oft viel komplexer als im Hörsaal auf dem Papier. Im Beruf oder auch für eine eigene Gründung sind später plötzlich auch praktische Fähigkeiten wichtig, die während des Studiums aber nicht gelehrt wurden. Daher ist es essentiell, so früh wie möglich mit der praktischen Anwendung zu beginnen.

Gibt es an der TUM nicht schon vieles im Bereich „praktische Anwendung“?

Wir haben an unserer Universität und im Umfeld einige bereits existierende Angebote gefunden, über verschiedenste Bereiche verstreut und selten miteinander vernetzt. Wir haben sie gesammelt und entwickeln daraus eine Plattform, die alles listet, bei dem es sich um die Vermittlung praktischer Skills dreht. Unsere Plattform „PeerTUMPeer“ soll den Studis einen umfassenden Überblick bieten und helfen, das Passende zu finden.

Das ist also das Projekt der „Innovation Fellows“.

Erst einmal werden wir mit unserer Plattform nur eine Übersicht schaffen. Dann wollen wir aber darüber hinausgehen. Und zwar, indem wir ein Angebot an Workshops und Online Kursen von Studenten für Studenten aufbauen. Es gibt so viel Talent in der Studenten-Community: Studenten, die programmieren können oder handwerkliche Fähigkeiten beherrschen. Wir wollen diese Talente und Fähigkeiten fördern, indem wir Studenten, die lernen wollen mit denen zusammenbringen, die lehrfreudig sind. Daher kommt auch der Name der Plattform: PeerTUMPeer.

Wie geht es jetzt im Programm weiter?

Vor kurzem hatten wir ein großes Stakeholder-Meeting im Vorhoelzer Forum mit allen, die an der TUM an Lehre beteiligt sind. Einen halben Tag lang haben mehrere Arbeitsgruppen intensiv Design Thinking betrieben mit spannenden Ergebnissen. Noch im Dezember geben wir Stanford einen Bericht zu unseren Fortschritten ab. Dann erfahren wir, ob wir im März an einem Summit an der Stanford d.school in Kalifornien teilnehmen dürfen.

Du studierst im 5. Semester Informatik, bist aber nach der Schule erst einmal direkt in die Praxis gegangen.

Ich habe direkt nach dem Abi ein Startup gegründet und einen Verkaufsagenten für gebrauchte Dinge entwickelt. Programmiert hab’ ich schon während der Schulzeit, ich habe mir das selbst beigebracht. Wir wollten eine Plattform bauen, die einfacher funktioniert als ebay und mit der zum Beispiel Familien im Münchner Raum ihre Kindersachen möglichst schnell und einfach loswerden können.

Warum bist Du an die TUM gekommen?

Wir haben das zwei Jahre lang gemacht, und ich habe dabei unheimlich viel gelernt. Dann hab’ ich aber gemerkt, dass mir viel theoretisches Wissen fehlt, und mich für ein Studium an der TUM entschieden. Weil ich wusste, wie innovativ und unternehmerisch hier gedacht wird. Es war die richtige Entscheidung: Wenn man etwas vorhat, wird einem an der TUM geholfen.

Wie sieht Dein Wunsch für Studieren in der Zukunft aus?

Mir geht es ums Lernen. Ich will in der Lage sein, etwas selbst bauen zu können.  Wir sind eine Generation, die viele Probleme zu lösen hat, aber uns wird wenig technische Problemlösung beigebracht. Wir brauchen mehr Problemlösungskompetenz.

(Interview: Verena Meinecke)


Vincent Jeltsch, 22, studiert im 5. Bachelorsemester Informatik. Zu seinem Team an der TUM gehören außerdem Tushaar Bhatt, Srdjan Dragovic, Jose Pabon Andrade und Dennis Pötter. Das “University Innovation Fellows program” der Stanford d.school sieht die Teilnehmer*innen als „agents of change“ an deren jeweiligen Hochschulen. Aktuell gibt es weltweit 360 „University Innovation Fellows“ in 13 Ländern.

Mehr Infos:
University Innovation Fellows

PeerTUMPeer

TUM-Vizepräsident Gerhard Müller mit drei der University Innovation Fellows
Das "Manifesto" der Stanford University am Rücken: TUM-Vizepräsident Gerhard Müller (2. v.l.) mit drei der University Innovation Fellows.
TUM-Vizepräsident Gerhard Müller und drei der University Innovation Fellows
Bei der "Pinning Ceremony" an der TUM: Vizepräsident Gerhard Müller (2.v.l.) mit den University Innovation Fellows Tushaar Bhatt, Vincent Jeltsch und Srdjan Dragovic (v.l.n.r.). (Foto: Andreas Heddergott)
Gruppenbild University Innovation Fellows
Die University Innovation Fellows und ihre Unterstützer*innen an der TUM: Dr. Cornelia Gotterbarm, Isabelle von Kirchbauer, Jan Behrenbeck, Tushaar Bhatt, Prof. Gerhard Müller, Vincent Jeltsch, Prof. Marjo Wijnen-Meijer, Srdjan Dragovic, Aljoscha Hermann und Prof. Pascal Berberat (v.l.n.r.). (Foto: Andreas Heddergott)