Podcast „We are TUM“ – Transkript zur ersten Folge

“Mir kommt es ein bisschen so vor, als ob man die Risiken, die durch andere Viruserkrankungen ja auch bestehen, über die hat man nie geredet, die werden auch weiterhin komplett ignoriert. Aber alles, was von diesem Virus kommt, das wird sehr in den Fokus gesetzt.”

[Matthias Kirsch:] Die Frau, die Sie gerade gehört haben, das ist Ulrike Protzer. Sie ist Virologin – und Professorin am Lehrstuhl für Virologie an der TU München. Sie können sich vorstellen: Die Zeit mit dem Coronavirus war für Ulrike Protzer als Virologin eine spannende Zeit. Wie für viele ihrer Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt stand ihre Forschung plötzlich im Mittelpunkt. Jeder hat sich auf einmal für Virologie interessiert. Wie sah ihre Arbeit während der Corona-Zeit aus? Wozu hat sie geforscht? Darüber reden wir gleich mit ihr.

Willkommen bei „We are TUM“ – dem Podcast von der und für die TU München. Mein Name ist Matthias Kirsch und ich werde Sie durch diesen Podcast begleiten. Die TU München ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der größten Universitäten Deutschlands geworden – mit rund 45.000 Studierenden und mehr als 11.000 Mitarbeitenden. Da kann man schon mal den Überblick darüber verlieren, was eigentlich an der Universität so alles geforscht wird!
Deswegen stellen wir Ihnen in Zukunft an dieser Stelle alle sechs Wochen die Menschen vor, die an der TUM arbeiten und studieren – wir sprechen über Forschungserkenntnisse, herausragende Abschlussarbeiten, aber auch über die kleinen Dinge und die wichtigen Menschen im Hintergrund, die die Uni im Alltag am Laufen halten.

Was Sie in dieser, der ersten Folge von „We are TUM“, erwartet, das erzählt Ihnen jetzt der TU-Präsident Thomas Hofmann.

[Thomas Hofmann:] Liebe Zuhörende, die TUM hat wie der Rest der Welt auch im vergangenen Jahr mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gekämpft. Der größte Einschnitt war natürlich, dass ein Großteil der Studierenden ihre Vorlesungen nicht mehr im Hörsaal, sondern vom eigenen Zimmer aus verfolgen musste. Auch für unsere Mitarbeitenden hat sich die Arbeit grundlegend verändert. Es ist also nur normal, dass auch die erste Folge unseres „We are TUM“-Podcasts am Thema Corona nicht vorbeikommt. In unserer Rubrik ‚Spitzengespräch‘, die in jeder Podcast-Folge auftauchen wird, sprechen wir heute mit der Virologin Ulrike Protzer über ihre Forschungsarbeiten inmitten der Krise, die bei der Pandemie-Bekämpfung eine wirklich entscheidende Rolle gespielt haben. Wir hören von zwei TUM-Studierenden, Dany Serrano und Sebastian Faul über ihr Leben in der Pandemiezeit, den Herausforderungen im Homeoffice und wie eine Vorlesungszeit im eigenen Zuhause aussieht. Um den Themenblock ‚Corona‘ abzuschließen, gibt uns dann Gunther Friedl eine Einschätzung über die Auswirkungen der Pandemie auf die deutsche Wirtschaft. Er ist Professor für Business Administration und Dekan der TUM School of Management. Anschließend sprechen wir mit einem Vertreter des akademischen Mittelbaus, Roland Wüchner für die Rubrik ‘Hidden Champions’. Dort werden wir in jeder Folge Menschen vorstellen, die sich in unserer Universitätsfamilie nicht nach vorne drängeln, in aller Stille arbeiten, aber die mit herausragendem Engagement für den Erfolg und das Funktionieren der Universität einfach unverzichtbar sind. Zum Abschluss dieser Folge von „We are TUM“ hören wir dann noch Christoph Müller-Höcker, den Global Head of Organizational Change der Allianz Technology. Für unsere Rubrik ‚Der Blick von außen‘ verrät er seine fünf Tipps für ein konzentriertes Arbeiten und wie das Konzept der Mindfulness, das er bei der Allianz eingeführt hat, sich auf unseren Alltag auswirken kann. Ich wünsche Ihnen sehr viel Spaß mit der ersten Folge von „We are Tum“.

[Kirsch:] Starten wir also in diese erste Folge des TUM-Podcasts. Seit Beginn der Pandemie gehört Ulrike Protzer zu den wichtigsten Corona-Erklärerinnen des Landes. Mein Kollege Marcel Laskus hat mit der Direktorin des Instituts für Virologie nach vorne geschaut – und sie gefragt, ob wir je unser altes Leben zurückbekommen werden und wie wir die nächste Pandemie verhindern können.

[Marcel Laskus:] Die Professorin Ulrike Protzer war schon vor der Pandemie eine wichtige Expertin im Feld der Virologie. Corona aber führte dazu, dass sich plötzlich alle möglichen Menschen für ihre Arbeit interessierten, Experten und Laien gleichermaßen. Beinahe täglich gibt sie seit anderthalb Jahren Interviews, während sie sich natürlich weiterhin mit den Viren in ihrer Forschung beschäftigt. Mit ihr möchte ich heute ein bisschen in die Zukunft schauen.

[Laskus:] Hallo Frau Protzer.

[Ulrike Protzer:] Hallo, grüße Sie.

[Laskus:] Wenn ich mich hier in Ihrem Büro umsehe, dann finde ich dort keine Glaskugel, trotzdem möchte ich Sie mal fragen: Wird der Herbst und der Winter wieder so trist wie der letzte Herbst und Winter?

[Protzer:] Ja, wir Virologen würden uns schon lange die Glaskugel wünschen, die wird einfach immer wieder gefragt, aber das gehört nicht zu unserer Zunft dazu. Dazu muss man glaube ich eine andere Ausbildung haben. Trotzdem muss man kein Wahrsager sein, um zu sehen, dass wir ansteigende Zahlen im Herbst bekommen werden. Wenn wir jetzt in andere Länder schauen, sehen wir das ja schon; diese ansteckendere Delta-Variante ist ja auch bei uns angekommen. Die wird bei uns zu einer höheren Anzahl an Ansteckungen führen. Sie ist zum Glück oder scheint nach den bisherigen Daten zum Glück nicht so zu sein, dass sie schwerere Krankheitsverläufe macht, sie kann der Immunantwort einfacher entgehen und sie ist einfach viel, viel ansteckender. Jemand, der sich mit der Delta-Variante infiziert hat, der scheidet über 1.000 Mal so viel Virus aus. Das heißt, ich stecke mich einfach viel leichter an und das wird uns im Herbst blühen. Und da müssen wir dann wirklich gute Parameter haben, wie wir das ganze Geschehen steuern. Das ist schon eine neue Situation, die wir bisher so nicht hatten. Aber wir können lernen von Ländern wie Amerika, England und Israel, die uns da in der Zahl der Ansteckungen und der daraus folgenden Krankenhausbelastung einfach voraus sind.

[Laskus:] Und jetzt die Frage – auch ohne Glaskugel – bekommen wir unser altes Leben jemals zurück?

[Protzer:] Ich glaube schon. Wir müssen einfach lernen, mit so einem Virus zu leben und auch ein gewisses Risiko zu akzeptieren. Mir kommt es ein bisschen so vor, als ob man die Risiken, die durch andere Viruserkrankungen ja auch bestehen, über die hat man aber nie geredet, die werden auch weiterhin komplett ignoriert. Aber alles, was von diesem Virus kommt, das wird sehr in den Fokus gesetzt. Und ich glaube, wir müssen das einfach ein bisschen in eine normalere Ratio und Basis zurückbekommen und dadurch eben mit dem Ganzen leben, wie wir halt auch mit Influenza-Wellen leben und damit leben, dass es Virus Hepatitis oder HIV gibt. Oder dass es antibiotikaresistente Keime gibt. Das ist ja jetzt nicht komplett einzigartig.

[Laskus:] Anderthalb Jahre lang konnten wir jetzt lernen, wie man mit so einer Pandemie umgeht oder eben auch nicht umgeht. Was sollten wir beim nächsten Mal, wenn irgendein neues Virus mal da ist, auf jeden Fall besser machen als Gesellschaft?

[Protzer:] Ich glaube, wir sollten versuchen, das Ganze rationaler anzugehen. Man hat so eine extreme Breite zwischen Menschen, die total panisch reagieren, und welchen, die das Ganze einfach komplett ignorieren oder sogar sagen, das gibt es gar nicht. Und ich glaube, da ein vernünftiges Mittelmaß zu finden, das einem ermöglicht, in einer Normalität auch mit neu auftretenden Infektionen umzugehen, ist extrem wichtig. Weiterhin ist es aber natürlich auch wichtig, ein gewisses Alarmsystem zu haben, sodass wir möglichst schnell reagieren können, und wenn lokale Ausbrüche passieren, verhindern können, dass sich das Ganze weltweit ausbreitet. Und der dritte wichtige Punkt ist für mich zu verstehen, warum uns denn gerade diese neu auftretenden Infektionserreger krank machen? Es ist immer noch nicht gut verstanden, warum uns Viren überhaupt krank machen. Die würden uns ja nicht stören, wenn sie nur hier rumfliegen würden, aber keiner würde krank. Aber dieses große Rätsel, warum wird jemand krank und wer wird denn krank – das besser zu verstehen, ich glaube, das muss unsere Aufgabe sein und unser Ziel sein in der Zeit bis vielleicht dann wieder irgendwann ein neuer Erreger kommt. Und ich befürchte, der wird leider kommen.

[Laskus:] Und wie müssen wir unser Leben führen, um das Entstehen gefährlicher Viren zumindest ein bisschen unwahrscheinlicher zu machen?

[Protzer:] Wenn wir das Entstehen von Viren unwahrscheinlicher machen wollten, dann müssten wir das Leben ausrotten. Das heißt, das wird nicht funktionieren. Wenn wir die Ausbreitung und die Übertragung auf den Menschen unwahrscheinlicher machen wollen, dann sollten wir als Menschheit versuchen, weniger in die Reservate von Tieren und von Wildtieren einzudringen, auch weniger exotische Tiere ganz in die Nähe von Menschen zu bringen, sodass Übertragungen einfach unwahrscheinlicher sind. Und wenn wir die Übertragung von Mensch zu Mensch verhindern wollen, die Ausbreitung, dann müssen wir zum einem verstehen, wie können wir die Ausbreitung über die Luft, über Aerosole reduzieren. Und wenn wir die weltweite Verbreitung stoppen wollen, ja dann müssten wir sämtliches Reisen und sämtlichen Tourismus und sämtlichen internationalen Warenverkehr einstellen. Aber Letzteres wird ganz sicher nicht passieren. Das heißt, wir können eigentlich nur an den ersten Stellschrauben drehen.

[Laskus:] Dann hoffen wir, dass es noch eine Weile dauert, bis die nächste Pandemie bevorsteht. Zumindest sollte erst mal diese Pandemie überstanden sein.
Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch Frau Protzer.

[Protzer:] Gern geschehen.

[Kirsch:] Studieren in Corona-Zeiten, das hieß für Millionen junge Menschen auf der ganzen Welt: WG-Zimmer statt Vorlesungssaal, Prüfungen am Computer statt im Audimax. Auch für die rund 45.000 Studierenden der TU war das so. Wie erging es Ihnen dabei? Wie haben Sie das letzte Jahr erlebt? Meine Kollegin Clarissa Ruge hat sich mit zwei TU-Studierenden über das vergangene Ausnahme-Jahr unterhalten.

[Clarissa Ruge:] Studieren in Corona-Zeiten? Ich denke, das ist auch ein superwichtiges Thema und freue mich sehr auf ein Gespräch mit Dany Serrano. Du studierst im zweiten Semester Physik hier an der TUM. Und hallo Sebastian Faul. Du studierst im achten Semester Informatik, auch an der TUM. Ihr macht beide den Bachelor. Hallo willkommen!

[Dany Serrano:] Hallo.

[Sebastian Faul:] Hi.

[Ruge:] Welche drei Worte beschreiben die Zeit des Studiums in den letzten eineinhalb Jahren für euch am besten? Dany, fang doch mal an.

[Serrano:] Neuigkeit, überraschend und Corona.

[Ruge:] Sebastian?

[Faul:] Ich würde sagen: anstrengend, chaotisch und ein bisschen einsam.

[Ruge:] Das glaube ich. Okay, jetzt analysieren wir ganz kurz. Fangen wir mit dir an, Dany. Also, du hast gesagt: neu …?

[Serrano:] Neu, überraschend und Corona.

[Ruge:] Okay, neu, überraschend. Klingt ja auch ein bisschen positiv, oder? Würdest du das so sagen, oder?

[Serrano:] Ja, also ich meine, man hat immer gute und schlechte Überraschungen, wenn man über eine Überraschung spricht. Und für mich war, also ich komme halt aus Mexiko und das Ganze war für mich neu, hier in München einzuziehen. Und deswegen war das auch eine Überraschung und auch, dass ich nicht an die Uni durfte.

[Ruge:] Und hast du das Gefühl, Überraschung, ja, du hast es im Griff? Oder hast du irgendwie das Gefühl, oh Gott, irgendwie ist es so schwierig. Wie ist es, im zweiten Semester zu studieren und alles ist anders wie man es sich vorgestellt hat?

[Serrano:] Es ist interessant, würde ich sagen, weil man sieht, alle, also die Kommilitonen, die in einem oberen Fachsemester sind, die erzählen so, ja, in meinem ersten Semester habe ich das und das gemacht … und das kann ich leider nicht machen. Und ich glaube, wir, die ersten, zweiten Semester, die in Corona angefangen haben, haben jetzt so einen anderen Studienbeginn erlebt, den die anderen nicht haben. Und deswegen ist unser Studium für uns mit Corona normal, was für die anderen nicht normal ist.

[Ruge:] Ja, das glaube ich auch. Sebastian, sagst du nochmal kurz die drei Wörter, die dir gleich in den Kopf schossen?

[Faul:] Meine drei Wörter waren: chaotisch, anstrengend und einsam.

[Ruge:] Dann führe es auch mal aus.

[Faul:] Ja, ich kenne ja das Studium vor Corona-Zeiten, wo einfach immer Party war, immer hat man irgendwen getroffen, man geht gemeinsam in Vorlesungen, man holt sich ein Bier und setzt sich in die Vorlesung. Es ist wirklich alles andere als schön, aktuell zu studieren, wenn man das Studium davor kennengelernt hat. Ja, eben wie gesagt, die Interaktionen mit anderen Kommilitonen fehlen. Man lernt auch nicht einfach so auf die Schnelle mal jemanden kennen, weil in den Übungen, keiner macht seine Kamera an, jeder tippt nur im Chat rum, keiner spricht. Ich weiß nicht, das ist ein bisschen traurig.

[Ruge:] Du hast jetzt, ich sage jetzt mal, die soziale Komponente sehr treffend beschrieben. Aber gibt es so eine Lernkurve oder Komponente, die du auch mir beschreiben könntest? Wie das ist, in Corona-Zeiten zu studieren?

[Faul:] Ja, es ist unterschiedlich. Zum einen hat man natürlich mehr Zeit zum Lernen, weil man muss nicht in der U-Bahn sitzen und hin- und herfahren. Man hat keine Ablenkung durch Partys oder durch Freunde etc. Auf der anderen Seite ist eben auch genau diese Ablenkung ein guter Ausgleich, um eben die Last des Studiums, die mentale Belastung, auch so ein bisschen auszugleichen. Und wenn die Komponente wegbricht, dann fehlt eben auch einiges an Motivation, sich für das Studium wieder aufzuraffen und wieder frühmorgens aufzustehen, sich an den Schreibtisch zu setzen und den kompletten Tagesablauf wieder am Schreibtisch zu verbringen und sonst nichts anderes zu sehen.

[Ruge:] Ja, das verstehe ich. Jetzt seid ihr hier zu zweit, aber hoffentlich ja auch stellvertretend für viele andere. Jetzt ist meine Folgefrage, machen wir gleich weiter mit Sebastian und dann kommen wir zu dir, Dany. Deine Kommilitonen. Hast du so das Gefühl, denen geht es genauso, oder gibt es auch – ja, kannst du das kurz beschreiben – oder gibt es auch viele, denen es noch schlechter geht? Die jetzt echt ein Problem haben?

[Faul:] Es gibt bestimmt noch viele, denen es schlechter geht. Ich meine, ich bin relativ breit aufgestellt mit meinen Kommilitonen. Ich habe verschiedene Freundeskreise, wo sich wirklich regelmäßig Leute finden, mit denen man mal was gemeinsam machen kann. Abends einen Online-Spieleabend oder so. Oder auch durch die Fachschaft: Ich meine, die Fachschaft Mathe, Physik, Informatik ist ja da auch sehr aktiv, was Online-Spieleabende etc. angeht. Aber ich glaube, jemand, der jetzt nicht irgendwie so das kennengelernt hat und auch schon Kontakte aufgebaut hat und zum Beispiel frisch an die Uni gekommen ist und dann einfach nur daheimsitzt, wenig von seinen Kommilitonen hört, wenig Leute kennenlernt, dass es für denjenigen dann auch sehr anstrengend ist.

[Ruge:] Danke.
Dany, wie ist es? Du bist ja quasi die, die zitiert wurde, Anfang der Semester. Hast du Kontakt? Wie machst du es gerade?

[Serrano:] Also am Anfang des Semesters bin ich irgendwie auf eine WhatsApp-Gruppe von meinen Kommilitonen gekommen. Dadurch habe ich einige Leute kennengelernt, aber der Kontakt ist halt nicht so eng, weil alles ist durch Zoom. Wir treffen uns und alles. Aber man hat nie das Gefühl, die Leute wirklich zu kennen, weil man sieht immer halt die Kamera und man verliert diesen Kontakt, den man eigentlich haben wollte, wenn man das Studium beginnt. Wo alle dann genauso verloren sind wie ich.

[Ruge:] Wie motivierst du dich, für das Studium jetzt auch?

[Serrano:] Das ist eine ziemlich gute Frage. Am Anfang fand ich das sehr anstrengend, weil man das Gefühl hat oder zumindest ich hatte das Gefühl, dass ich allein war, dass ich die Einzige war, die Probleme mit den Hausaufgaben hatte und so weiter. Aber mittlerweile kennt man Leute entweder durch Discord, WhatsApp oder im Tutorium und dadurch ist man nicht mehr so einsam.

[Ruge:] Mich würde interessieren: wie empfindet ihr, neben den Online-Vorlesungen und Arbeitsgruppen und der Lernstoffvermittlung, aber wie ist der Kontakt zu euren Professoren, Dozenten? Dany?

[Serrano:] Also ich finde, der Kontakt, zumindest zu den Dozenten in der Physik-Fachschaft ist ziemlich gut, weil wenn man Fragen hat bezogen auf eine Vorlesung oder etwas im Skript findet, was nicht ganz passt oder sowas in der Art, kann man immer die Dozenten fragen und die antworten oder korrigieren halt diese Fehler. Und das finde ich gut.

[Ruge:] Sebastian?

[Faul:] Ja, bei uns ist das ein bisschen komplizierter. Ich bin ja an der Informatik, wir haben viel zu viele Studierende. Da ist es ja vor allem für die Tutoren und für die Professoren sehr anstrengend, individuell Fragen zu beantworten. Das wird bei uns meistens mit so einem relativ größeren Forum gelöst, wo dann auch Studierende antworten können, wo Tutoren antworten können etc. Das funktioniert eigentlich ganz gut. Ja, die individuelle Betreuung von einem Professor ist fällt da ein bisschen unter den Tisch.

[Ruge:] Jetzt sind wir schon fast am Ende. Aber wenn ihr jetzt, klar, es ist alles so schwierig und auch für die TUM und deren Personal eine riesen Umstellung, aber wenn ihr jetzt einen Rat geben könntet, was, Sebastian, würdest du sagen zu deiner Fachschaft oder deinen Dozenten oder Professoren? Was man jetzt noch verbessern könnte, was auch realistisch ist?

[Faul:] Ja, ich weiß nicht. Einfach mehr Kontakt zu den Studierenden suchen, auch mal auf die Wehwehchen hören, die mancher Studierende hat. Ja, vielleicht nicht immer nur in kurzfristigen Schritten planen, sondern auch vielleicht ein bisschen langfristiger. Nicht immer nur für das nächste Semester oder für die nächsten zwei Semester. Gut, jetzt mit Corona ist das gerade ein bisschen schwierig. Aber in Zukunft, wenn wieder kein Corona mehr ist, mal ein bisschen längerfristig planen, vielleicht auch mal so drei Jahre im Voraus.

[Ruge:] Dany, und du? Was würdest du für einen Tipp geben, was man noch verbessern könnte?

[Serrano:] Also, was man noch verbessern könnte, ist vielleicht die, wie die Studierenden die Vorlesungen bekommen. Weil für manche von uns ist das ein bisschen schwer, den ganzen Tag zu sitzen und die Vorlesungen uns anzuschauen, wenn die nicht live stattfinden. Oder zumindest ist das für mich mein Problem.

[Ruge:] Du bist ja schon länger dabei. Hast du jetzt irgendwie Kommilitonen, die wirklich ein Problem haben? Also, wo die Eltern eben nicht dann sagen, okay, wir unterstützen dich stärker als sonst. Du kannst keinen Nebenjob machen.

[Faul:] Ich kenne tatsächlich jemanden, der kriegt jetzt Geld von seinem Onkel, weil das Geld von seinen Eltern nicht mehr reicht. BAföG an sich reicht auch nicht. Ja, dem geht es schon schlecht.

[Ruge:] Ein wichtiger Aspekt, okay. Abschlussfrage: Worauf freut ihr euch am meisten, wenn jetzt Corona geschafft ist, wenn wir die Herdenimmunität erhalten? Was werdet ihr als erstes tun? Dany?

[Serrano:] Das Studentenleben erleben, was ich bisher nicht erleben konnte.

[Ruge:] Sebastian?

[Faul:] Ja, mich mit ganz vielen Freunden treffen. Eine große Party oder so feiern, ich weiß es nicht. Wieder beisammen sein einfach. Ja, soziale Kontakte pflegen.

[Ruge:] Wunderbar. Aber trotzdem Danke für den kurzen Einblick. Super. Vielen Dank. Ciao!

[Faul:] Gerne.

[Serrano:] Gerne.

[Kirsch:] Als die Politik im vergangenen Jahr auf die Corona-Krise reagiert hat, da hat der Bundesfinanzminister Olaf Scholz gesagt, Zitat: „Wir wollen mit Wumms aus dieser Krise kommen.“ Das Rettungspaket, das damals beschlossen wurde, rund 130 Milliarden Euro schwer. Wie sieht es aber mit diesem angekündigten „Wumms“ aus? Über diese Frage hat meine Kollegin Clarissa Ruge mit einem unserer Wirtschaftsexperten gesprochen, nämlich mit Gunther Friedl, dem Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der TU.

[Ruge:] Ich freue mich jetzt auf ein Gespräch mit Prof. Gunther Friedl, Professur Betriebswirtschaftslehre und Controlling. Bei welcher wirtschaftswissenschaftlichen Einschätzung zur Corona-Pandemie könnten Sie jetzt mit einigen Monaten Abstand sagen: Da habe ich mich geirrt?

[Gunther Friedl:] Ich war damals – als die ersten Meldungen zu Corona kamen, und als dann tatsächlich auch die ersten Befürchtungen kamen, dass die Wirtschaft möglicherweise darunter leidet – da war ich nicht so pessimistisch wie es damals die Börsen waren. Die Börsen sind ja abgestürzt. Innerhalb kürzester Zeit haben die 40 Prozent verloren. Und ich habe immer gesagt, das ist doch übertrieben. Habe aber dann tatsächlich bei der anschließenden Erholung nie glauben können, dass die Erholung uns in diese Dimensionen führt, in die sie uns jetzt geführt hat. Wir erleben ja derzeit eine sogenannte Party an den Märkten, wo tatsächlich die Börsenbewertungen in unermessliche Höhen getriggert wurden. Das hätte ich mir nie vorstellen können. Ich habe mich tatsächlich damals gefragt, wie eine Börsenbewertung, die letztendlich die höchste Börsenbewertung ist, die wir je hatten, die unterstellt, dass es der Wirtschaft nie so gut ging, dass die Zukunftsaussichten noch nie so rosig waren wie sie sozusagen jetzt in den Börsenbewertungen sich widerspiegeln. Wie das zu rechtfertigen ist, das ist bis heute eigentlich schwer zu erklären. Ein Erklärungsansatz ist, dass die Zentralbanken, wie übrigens auch schon damals in der großen Finanzkrise 2008 und 2009, mit massiven Liquiditätsspritzen in den Markt reingegangen sind und dieses Geld, diese Unsummen an Geld, tatsächlich dazu geführt haben, dass wir heute unglaublich hohe Bewertungen sehen.

[Ruge:] Also können wir beruhigt sein und Corona hat diesbezüglich keine Folgen? Oder wie kann ich mir das als Laie vorstellen?

[Friedl:] Ich glaube, dass wir tatsächlich sehen, dass Corona mit der Wirtschaft erst mal gar nicht so viel gemacht hat wie wir uns das ursprünglich vorgestellt haben. Natürlich ist es so, dass wir viele Industrien und Wirtschaftszweige haben, die unter Corona unglaublich leiden. Die gesamte Veranstaltungsbranche, die Luftfahrt, die Gaststätten und das Hotelgewerbe. Die sind tatsächlich teilweise auch kaputtgemacht worden. Gleichzeitig ist es aber so, dass andere Wirtschaftsbereiche von Corona in einer Weise profitieren, wie wir es uns auch kaum je vorstellen konnten. Wenn man nur in den ganzen Bereich der elektronischen Komponenten denkt. Infineon, ein Münchner Halbleiterhersteller, profitiert in einer Weise von der Corona-Krise, dass die überhaupt nicht mehr hinterherkommen, so viele Chips zu produzieren, wie eigentlich von der Industrie nachgefragt werden. Also, wir sehen, dass Corona letztendlich auch eine Spaltung in der Wirtschaft verursacht hat: in starke Verlierer und in unglaubliche Gewinner. Und insgesamt, wenn man sozusagen den Durchschnitt nimmt, dann sieht man, dass es der Wirtschaft tatsächlich nicht schlechter geht als vorher.

[Ruge:] Verändert die Corona-Krise nun vielleicht auch den Venture Capital Markt?

[Friedl:] Der Venture Capital Markt ist ein Markt, in dem wir in Deutschland tatsächlich viele Jahre hinterhergehinkt haben, hinter den USA. Und das ist etwas, was meines Erachtens auch damit zu tun hat, dass wir in Deutschland einfach auch zu vorsichtig waren. Dass man zu wenig bereit war, einfach mal Risiken, vielleicht auch Wetten, einzugehen. Ich bin mir nicht sicher, ob Corona tatsächlich einen großen Einfluss auf einen sich verändernden Venture Capital Markt hat. Was wir schon sehen ist, dass Europa aufgeholt hat. Das ist etwas, worüber wir uns freuen dürfen. Aber Corona hat meines Erachtens nur einen sehr geringen Einfluss auf diesen Venture Capital Markt.

[Ruge:] Was sind Ihre wirtschaftswissenschaftlichen Lektionen aus der Corona-Krise?

[Friedl:] Die Corona-Krise zeigt, dass man veränderungsbereit sein muss, dass man sehr sorgfältig sich überlegen muss, in welchen Geschäftsfeldern man aktiv ist, welche Entwicklungen letztendlich zu welchen Erfolgen führen. Und die Corona-Krise hat nochmal den Finger gelegt in die Wunde der Unternehmen, die möglicherweise an einem zu geringen Innovationsgrad gelitten haben. Die Corona-Krise hat die Unternehmen belohnt, die innovationsfähig sind, die sich mit Veränderungen anfreunden können. Die Corona-Krise hat gleichzeitig die Unternehmen bestraft, die möglicherweise eben zu wenig anpassungsfähig sind.

[Ruge:] Was nehmen Sie jetzt mit aus der Krise, die da hoffentlich auch bald ein Ende findet, zumindest was die Inzidenzen angeht, was hat Sie positiv überrascht?

[Friedl:] In vielen Bereichen sehen wir, dass Dinge, die wir vorher nicht für möglich gehalten hatten, einfach möglich sind. Und der ganz große Bereich ist sicher die Digitalisierung. Vor der Krise war es kaum möglich, sich zu sechst oder zu zehnt mal für ein Gespräch zu treffen, indem man sich einfach über eine Videokonferenz zusammenfindet. Man hat telefoniert, man hat auch mal ein Telefonat mit vier, fünf Leuten geführt, aber man war eigentlich nicht bereit, sowas zu machen, sondern man musste in den Zug steigen, ins Auto steigen, ins Flugzeug steigen, um andere Menschen in größerer Runde zu treffen. Und da sind wir uns als Menschen einfach auch nähergekommen. Da haben wir die segensreichen Wirkungen der Digitalisierung zu schätzen gelernt. Und ich denke, das wird bleiben.

[Ruge:] Jetzt kommt schon die letzte Frage, jetzt sehr TUM-bezogen. Auf was freuen Sie sich am meisten in Ihrer Arbeit hier an der TUM die nächsten zwei, drei Jahre?

[Friedl:] Also am meisten freue ich mich tatsächlich darauf, dass wir hoffentlich im Herbst wieder unsere Studierenden an die TUM zurückkriegen. Wir haben sie ja jetzt tatsächlich gut ein Jahr nicht mehr gesehen, nur noch über Videokonferenzen. Und wir sehen, was das bedeutet und wie sehr wir eigentlich unsere Studierenden hier auf dem Campus vermissen. Sie zurückzuhaben, mit den Studierenden wieder gemeinsam diskutieren zu können – das wird schön.

[Ruge:] Danke.

[Kirsch:] Dass die TU München für Spitzenforschung steht, das ist ja bekannt. Es ist ja diese Forschung immerhin, die schließlich Studierende aus aller Welt nach München zieht. Doch möglich gemacht wird all das auch von Menschen, die man hinter den Kulissen nicht immer sieht. Um diese „Hidden Champions“ wird es in dieser Rubrik gehen. Den Anfang macht Roland Wüchner. Er ist Privatdozent für Statik an der TUM und damit ein Vertreter des akademischen Mittelbaus. Vor welchen Herausforderungen steht der Mittelbau an der Universität? Um diese Frage geht es jetzt. Durch das Gespräch mit Roland Wüchner führt Clarissa Ruge.

[Ruge:] So, ich freue mich auf ein Gespräch mit Dr. Roland Wüchner. Er ist Privatdozent am Lehrstuhl für Statik an der TUM und stellvertretender Lehrstuhlleiter, also ein Vertreter aus dem akademischen Mittelbau. Hallo, Herr Wüchner. Schön, dass Sie da sind!

[Roland Wüchner:] Hallo Frau Dr. Ruge, vielen Dank für die Einladung zu dem Gespräch.

[Ruge:] Wir haben momentan den größten Umstrukturierungsprozess im Ingenieurbereich hin zur School of Engineering and Design. Wo liegen da die Herausforderungen für und im Mittelbau?

[Wüchner:] Also ich sehe darin ganz klar auch die Chance, dass der Mittelbau als Statusgruppe diese Quervernetzung zwischen Ingenieurdisziplinen maßgeblich unterstützt.

[Ruge:] Es ist ganz schwierig, den Mittelbau überhaupt zu verallgemeinern. Aber könnten Sie kurz beschreiben, was eigentlich den typischen, in Anführungsstrichen „Mittelbauler“ antreibt?

[Wüchner:] Also der typische „Mittelbauler“ ist neugierig in der Wissenschaft, macht gerne Lehre, interagiert gerne mit all den anderen Menschen, die uns an der TUM ja auch begegnen: den Studierenden, den anderen Forschern. Auch extern mit Kooperationspartnern, anderen Universitäten und Firmen. Und der Mittelbauler, als Antrieb, ist stark intrinsisch motiviert und ist auch aus diesem heraus mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein für langfristige Forschungsprojekte [ausgestattet], natürlich bringt er sich ein, um den Forschungserfolg von den Lehrstühlen auch mit zu unterstützen und zu sichern. Also ich persönlich sehe den großen, ja, auch den interessanten Aspekt bei der Mittelbaustelle, dass man diese Umtriebigkeit, diese Findigkeit, neue Themen auch zu explorieren, mit in dieses große System einbringen kann.

[Ruge:] Und was wäre eine ganz wichtige Maßnahme für Sie persönlich? Wo Sie sagen würden: wenn das passiert, dann geht es dem Mittelbau besser?

[Wüchner:] Gebt dem Mittelbau Freiräume, Gestaltungsspielräume. Der Mittelbau ist findig. Der Mittelbau hat Ideen. Es sind Kreativpotenziale vorhanden. Und die zu heben, ist auch für die TUM ein großer Schatz. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass die wesentliche Maßnahme ist, einfach den Mittelbau wertschätzend miteinzubinden und auch damit die Erfahrungen mit zu erschließen.

[Ruge:] Wie könnte man die Randbedingungen im Arbeitsalltag verbessern?

[Wüchner:] Also, da ist ganz konkret zu nennen, dass man die Mittelbauler auch eigeninitiativ wirken lässt, zum Beispiel auch motiviert, selbst Forschungsanträge zu stellen, selbst in Drittmittelakquise zu gehen. Die Freiräume gibt, auch hinsichtlich neuer Lehrkonzepte. All diese Dinge, die natürlich im Binnenverhältnis im Lehrstuhl viel organisiert werden müssen. Denn ein Mittelbauler ist ja typischerweise einer Organisationseinheit, einem Lehrstuhl zugeordnet. Und da ist alles, was die Synergie zwischen den leitenden Professoren und dem Mittelbaulern unterstützt, ist perfekt. Damit können wir auch die Potenziale im Mittelbau perfekt heben.

[Ruge:] Da wären wir, glaube ich, jetzt gleich bei Ihrer persönlichen Biografie oder Ihrem persönlichen Werdegang. Sie gehen im Herbst berufen als Professor nach Braunschweig. Können Sie oder wollen Sie dazu was sagen?

[Wüchner:] Ja, das ist ein interessanter Aspekt, jetzt gerade mit diesem Thema: wo entwickelt sich der Mittelbau hin? Was treibt den Mittelbau an? Ich habe festgestellt, dass ich an der TUM halt an einer Grenze angekommen bin, die mir jetzt gewisse weitere Dinge verwehrt. Ich kann mich zum Beispiel auch nicht hier in der TUM bewerben, obwohl ich die TUM eigentlich als ein wahnsinnig gutes Arbeitsumfeld empfinde. Es ist eine tolle Umgebung. Wir haben wahnsinnig tolle Möglichkeiten, hier zu wirken. Super Ausstattung. Aber das Stichwort war ‚Hausberufung‘. Nachdem ich hier keine Möglichkeiten sehe, habe ich mich schweren Herzens entschlossen, mich weg zu bewerben. Was jetzt dann auch final geklappt hat.

[Ruge:] Vielen Dank für das Gespräch.

[Wüchner:] Dankeschön.

[Kirsch:] Wir haben jetzt schon viel von TU-Mitarbeitenden, von TU-Studierenden, ja einfach von Menschen aus dem TU-Kosmos gehört. Wir wollen in diesem Podcast aber auch immer wieder Menschen einladen, die einen Blick von außen auf diesen Kosmos werfen können. Man soll sich ja nicht immer nur um sich selber drehen, sondern auch andere Einschätzung einholen. Dafür haben wir die Rubrik ‚Der Blick von außen‘. Und den Anfang macht Christoph Müller-Höcker. Als Global Head of Organizational Change bei der Allianz Technology hat Müller-Höcker eine ganz persönliche Leidenschaft in die Firma eingeführt, nämlich das Konzept Mindfulness. Innerhalb der Allianz machen mittlerweile viele tausende Kollegen und Kolleginnen von ihm bei Meditationsseminaren mit und teilen Techniken, wie sie ihren Alltagsstress besser bewältigen. Ich freue mich sehr, Christoph Müller-Höcker hier in unserem Podcast begrüßen zu dürfen. Hallo.

[Christoph Müller-Höcker:] Hallo Herr Kirsch, hallo.

[Kirsch:] Ich grüße Sie. Die Frage vielleicht: Warum reden wir mit Christoph Müller-Höcker? Ja, in seiner Rolle als Head of Organizational Change bei der Allianz Technology hat Christoph Müller-Höcker das Konzept Mindfulness eingebracht. Bevor wir zu den konkreten fünf Tipps kommen, vielleicht einmal kurz, können Sie uns das erklären? Wie kam es dazu, dass Sie das Thema Mindfulness eingebracht haben bei der Allianz und was war der Hintergedanke?

[Müller-Höcker:] Vielen Dank für die Frage, Herr Kirsch. Also es ist jetzt schon ein paar Jahre her, aber ich hatte selber so ein bisschen das Gefühl, dass die Dynamik, die bei uns in der Gesellschaft als auch in den Unternehmen herrscht, dass da immer ein höherer Druck auf den Einzelnen herrscht, sehr viel Bewegung da ist, viele Eindrücke auf uns niederprasseln und die Herausforderung bei dem Einzelnen ist, damit umzugehen. Und da bin ich selber auf, ja, Mindfulness gestoßen, habe einen Kurs gemacht und war fasziniert von der Wirkung und auch dem natürlichen Zugang für uns Menschen, weil das Ganze auch einfach auf Neuroscience basiert, wo wir dann in das Zentrum kommen können durch einfache Übungen. Und das hat mich so fasziniert und bewegt, dass ich gesagt habe, das würde ich gerne in unsere Firma einbringen und das ist einfach dann wahnsinnig gut angekommen und so hat dann eins zum anderen gegeben.

[Kirsch:] Ja, mittlerweile sind ja sehr viele Leute auch bei der Allianz schon dabei. Die, die immer wieder bei den Seminaren und bei den Kursen zu Mindfulness und Meditation mitmachen. Weil so viele Leute auch bei der Allianz schon mitmachen bei diesem Thema, haben wir Sie gebeten, fünf Tipps mitzubringen für unsere Hörerinnen und Hörer. Deswegen überlasse ich Ihnen jetzt das Wort. Welche fünf Tipps für ein aufmerksameres, konzentrierteres Arbeiten haben Sie denn mitgebracht für uns?

[Müller-Höcker:] Ja, ich habe mir da ein bisschen Gedanken gemacht und auch überlegt, was kann man denn einfach mal so machen, ohne viel Vorwissen und so frei von der Leber? Das erste ist [die], [so] würde ich [sie] nennen: ‚magische Pause‘. Einfach mal innehalten, ein tiefes Ein- und Ausatmen nehmen, dabei sich darauf konzentrieren. Dadurch entsteht schon ein Moment der Ruhe. Und sich dann einfach zu fragen, na, wie geht’s mir eigentlich? Und was würde mir helfen? Und das kann ich einbauen. Überall. Das Zweite wäre beispielsweise: Unser Gehirn freut sich, wenn es etwas Neues gibt. Das heißt, wenn man mal beim Arbeiten ist und dasitzt, dass man einfach die Position wechselt, einmal aufsteht, wieder zurückkommt, sich hinsetzt. Da war schon genug Abwechslung da, dass das Gehirn sagt: da, da schütte ich wieder ein paar Aufmerksamkeiten aus oder Hormone in dem Sinne und kann mich wieder besser konzentrieren. Das Thema Leistung und Umgang mit mir selbst ist natürlich auch sehr relevant im Studium. Und da hilft es vielleicht auch, eine Perspektive einzunehmen, dass, wenn die Dinge mal nicht so gut laufen, dass das auch normal ist. Also es läuft nicht mehr immer alles perfekt und dementsprechend kann man mit der Perspektive der Resilienz auch zu sich selber sagen: Ich schaue mal auf die Dinge, die gut laufen. Also ganz bewusst einen Perspektivenwechsel einzunehmen und nicht nur auf die Dinge zu schauen, die nicht optimal sind.

Und da komme ich dann auch schon zum vierten Tipp. Nämlich eine Haltung der Selbstfreundlichkeit, im Englischen ‚self-kindness‘ – nämlich zu sagen, ich behandle mich selber nicht immer mit dem inneren Kritiker, sondern so wie ich einen Freund behandeln würde. Und durch dieses Offene und durch diese Freundlichkeit kann ich eigentlich deutlich besser wachsen. Und das zeigen auch Studien, also wenn ich immer mit großem Selbstbewusstsein mich selbst konfrontiere. Und nicht zuletzt auch aus dieser Haltung heraus sich zu überlegen – das ist eine letzte Übung, die auch einfach ist: die man täglich machen kann, wenn man sich abends hinlegt, [sich] vor dem Schlafengehen zu überlegen: Was ist denn heute gut gelaufen? Was hat mir Freude bereitet? Das können kleine Sachen sein, Begegnungen, Erlebnisse und das im Sinne von Dankbarkeit zu empfinden, auch körperlich in sich aufzunehmen und somit auch eine positive Sicht auf das Leben und sich selbst zu gewinnen.

[Kirsch:] Das waren also jetzt fünf Tipps, da waren tatsächliche Übungen dabei. Da waren aber auch Denkübungen wie Perspektivwechsel mal dabei. Herr Müller-Höcker, vielen Dank, dass Sie diese Tipps mit uns geteilt haben.

[Müller-Höcker:] Ja, sehr gerne.

[Kirsch:] Das war es auch schon für die erste Folge von „We are TUM“. Wir werden an dieser Stelle über Spitzenforschung, das Studienleben und all die Menschen sprechen, die die TU München zu dem einzigartigen Ort machen, der sie ist. Das war „We are TUM“. Diese Folge wurde produziert von Marcel Laskus, Clarissa Ruge, Wenzel Weber und mir, Matthias Kirsch. Das Sounddesign und die Postproduktion gestaltet Marco Meister. Bis zur nächsten Folge. Kommen Sie mit uns und entdecken Sie die großen und kleinen Geheimnisse der TU München.

Technische Universität München

Dr. phil. Clarissa Ruge
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