Florian Vogel im Olympiabad: Der deutsche Spitzenschwimmer studiert an der TU München Bauingenieurwesen. (Foto: Maren Willkomm)
Florian Vogel im Olympiabad: Der deutsche Spitzenschwimmer studiert an der TU München Bauingenieurwesen. (Foto: Maren Willkomm)
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Top Schwimmer und TUM-Student:Florian Vogel will 2016 zur Olympiade

Weltjahresbestzeit über 800 Meter Freistil: Florian Vogel hatte 2014 das bislang erfolgreichste Jahr seiner sportlichen Laufbahn. Seit Oktober studiert er Bauingenieur an der TUM. In Kürze will er sich für die Schwimm-Weltmeisterschaft in Russland qualifizieren. Verena Pongratz hat ihn im Olympiapark getroffen.

Du kommst aus Bayreuth und bist wegen des Sports mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen. Wie war das für Dich?

Am Anfang natürlich nicht gerade leicht. Ich habe mein Abitur an der Isarsportschule gemacht und im „Haus der Athleten“ gewohnt. Dort haben auch viele Berufsschüler gelebt. Zum Glück gab es abends immer etwas Warmes zu essen. Mit 16 war ich noch nicht so scharf darauf, jeden Abend selbst zu kochen.

Wieso bist Du heute Leistungsschwimmer?

„Schuld“ daran ist eigentlich mein zwei Jahre jüngerer Bruder. Sebastian ist als Kind regelmäßig zum Schwimmtraining gegangen. Deshalb hab’ ich in der 3. Klasse auch damit angefangen. Leistungsmäßig schwimme ich aber erst seit ca. zwei Jahren. Begonnen hat meine Karriere wahrscheinlich 2013, als ich mit der Nationalmannschaft bei der EM in Dänemark war. Dann habe ich 2014 an der EM in Berlin teilgenommen und im Dezember an der Kurzbahn-WM in Doha in Katar.

Wie oft in der Woche hast Du Training?

Training habe ich jeden Tag außer sonntags. Der Plan ist an unseren Stundenplan angepasst. Wir haben jeden Abend Training und an manchen Tagen auch morgens. Das Schlimmste war immer Mittwoch in der Früh um 6 Uhr. Das ging nicht anders wegen meiner Vorlesungen und da saß ich dann immer ein wenig müde in der Uni. Das habe ich im Moment zum Glück hinter mir.

Wie oft fährst Du zu Wettkämpfen?

Die Wettkämpfe beginnen erst wieder ab April, dann meistens alle zwei Wochen. Ich kann natürlich nicht an allen teilnehmen. Dieses Wochenende wäre zum Beispiel ein Wettkampf in Luxemburg gewesen. Den musste ich absagen, weil ich endlich mal lernen muss. Letztes Wochenende war ich in Zürich, das hat noch ganz gut reingepasst.

Du studierst jetzt im 1. Semester „Bauingenieur“ an der TUM. Wieso hast Du Dich dafür entschieden?

Meine Eltern arbeiten beide als Bauingenieure in Bayreuth. Ich habe öfter bei ihnen auf der Baustelle gearbeitet und einen recht guten Einblick in diesen Beruf bekommen. Dass ich in München bleiben will, war mir wegen meiner tollen Trainingsgruppe und meinem Trainer relativ schnell klar. Weil die TUM ja bekanntlich eine sehr gute Uni ist, hat dann eins zum anderen geführt.

Wie lässt sich Dein Studium mit dem Leistungssport verbinden?

Also man muss natürlich ein paar Abstriche machen. Ich war vor allem am Anfang sehr überengagiert und wollte gleich viele Prüfungen mitschreiben. Ich hab’ dann schnell gemerkt, dass das mit dem Schwimmen nebenher nicht funktionieren kann und meine Erwartungen an mich selbst ein bisschen runtergeschraubt. Die TUM ist mir aber auch sehr entgegengekommen. Ich kann mich jetzt bis zur Olympiade 2016 auf meinen Sport konzentrieren.

Inwiefern kam Dir die TUM entgegen?

Ich darf zum Beispiel ein paar Prüfungen verschieben. Normalerweise müsste ich jetzt drei GOP Prüfungen schreiben und im nächsten Semester eine. Wir konnten uns aber darauf einigen, dass ich dieses und nächstes Semester jeweils zwei schreibe. Leider fehle ich auch relativ oft in der Uni. Zum Glück bekomme ich die Unterlagen immer von meinen Kommilitonen. Das heißt: Leistungssport schließt ein Studium nicht aus, man muss aber definitiv viel Freizeit opfern.

Was sind Deine sportlichen Highlights 2015?

Anfang April sind die Deutschen Meisterschaften in Berlin, bei der es um die Qualifikation für die WM 2015 in Kazan in Russland geht. Das ist natürlich mein persönliches Ziel.

Wo siehst du dich in der Zukunft?

Ich will auf jeden Fall als Bauingenieur arbeiten, sonst würde ich mir diesen Stress jetzt wahrscheinlich nicht antun. Schwimmen will ich auf jeden Fall bis 2016, weil mein größtes Ziel die Olympiade in Brasilien ist. Danach will ich mich mehr auf mein Studium konzentrieren und abwarten, ob und wie sich der Sport weiterhin mit dem Studium vereinbaren lässt. Den Master will ich unbedingt  machen, denn mit dem Bachelor hat man meiner Meinung nach nur die halbe Miete.

Florian Vogel ist 19 Jahre alt und trainiert beim SV Stadtwerke München. Von seinem Bungalow im Olydorf sind es nur ein paar hundert Meter in die Olympia-Schwimmhalle, wo er trainiert. Wenn er mal ein wenig freie Zeit übrig hat, fährt er im Winter gerne Snowboard oder besucht seine Familie in Bayreuth. In der Schwimm-Nationalmannschaft ist er bekannt als derjenige, der ganz gern mal Feiern geht. Florian lacht: „Aber natürlich nur, wenn es mein Trainingsplan zulässt!“

Mehr Informationen:
Florian Vogel Film-Interview swim.de

 

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