Jessica Neusser im Olympiapark
Auf Entdeckungstour im Olympiapark: TUM-Studentin Jessica Neusser hat den MUC.trail mitentwickelt. (Bild: Maren Willkomm)
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Umweltlehrpfad MUCtrailMit Mia und Fritz durch den Olympiapark

Klima und Klimawandel in München, verteilt auf sechs Stationen: Der MUCtrail ist ein virtueller Wissenschaftswanderweg im Olympiapark. Entwickelt hat ihn ein Team der Jungen Akademie der TUM. Jessica Neusser hat ihn uns vor Ort erläutert.

Jessica, was ist der MUCtrail?

Jessica Neusser: MUCtrail ist ein virtueller Umweltlehrpfad durch den Olympiapark. Er richtet sich in erster Linie an Kinder zwischen 8 und 12 Jahren und zeigt an sechs verschiedenen Stationen Wissenswertes zu Klima und Klimawandel in München auf. Mit der webbasierten App „MUCtrail“ kann man den vorgegebenen Weg ca. 2,3km ablaufen und an bestimmten Stellen ploppt dann eine Station auf.  MUC ist nicht nur die Abkürzung des Münchner Flughafens, sondern steht auch für „Munich Urban Climate Trail“.

Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen?

Das Motto für unseren Jahrgang war „Multimodal Science Communication“. Mein Team hatte als Ausgangspunkt die Frage, ob die Gesellschaft die Wissenschaft überhaupt richtig versteht. In Umfragen haben wir herausgefunden, dass über die Hälfte der Befragten der Auffassung ist, dass Wissenschaft schon in der Schule nicht anschaulich vermittelt wird und keinen Spaß macht.

Was läuft da aus Eurer Sicht schief?

Oft werden die harten Fakten zwar gut vermittelt, aber nicht, wie genau wissenschaftliches Arbeiten überhaupt funktioniert. So lässt sich vielleicht erklären, wie trotz eines wissenschaftlichen Konsenses, dass es den Klimawandel gibt, ein Teil der Gesellschaft dagegenhält.  

Warum soll euer MUCtrail vor allem Kinder ansprechen?

Unserer Meinung nach ist es sinnvoll, bei Kindern anzusetzen, wenn man der Gesellschaft wissenschaftliche Methodik näherbringen möchte. Da Kinder spielerisch Neues lernen, wollten wir ein Spiel entwickeln, bei dem Wissenschaft im Fokus steht. Die Botschaft: „Wie funktioniert Wissenschaft?“. Beobachtung, Vermutung, Experiment und Auswertung sind die Pfeiler des MUCtrail.

Was können die Kinder an den Stationen dann machen?

An jeder Station lernen die Kinder etwas zum Klimawandel, zum Beispiel gibt es eine Station zu „urbanen Hitzeinseln“ oder zum Thema „Bäume im Klimawandel“. Alles wird möglichst spielerisch dargestellt, es gibt zum Beispiel immer einen interaktiven Dialog zwischen dem Mädchen Mia und dem Forscher Fritz.

Teile sind in Comic-Form gezeichnet, eine gute Idee.

Für diesen Comic konnten wir den Zeichner der TKKG-Reihe Reiner Stolte gewinnen. Und die Stationen sind auch mit wissenschaftlicher Methodik verknüpft: Die Kinder können selbst Experimente durchführen mit Beobachtung, Fokus und Hypothesenbildung.

Was gefällt Dir an der Jungen Akademie am meisten?

Dass man unglaublich viel über Projektmanagement lernt. Das war für mich deshalb sehr spannend, weil ich aus der Biologie komme, wo man darüber eigentlich gar nichts lernt. Unser Team war sehr interdisziplinär, mit zwei Medizinerinnen, einem Ingenieur, einem TUMBWLer und mir als Biologin. Wir mussten erst einmal lernen, wie man gemeinsam Ideen entwickelt und effizient Meetings abhält. Bei der Jungen Akademie bekommt man dazu Unterstützung von allen Ecken und Enden.

Wie geht es jetzt mit dem MUCtrail weiter?

Leider mussten wir wegen Corona die offizielle Vorstellung von MUCtrail mit Presse und der Zweiten Bürgermeisterin Katrin Habenschaden vorerst absagen. Einen Nachholtermin wird es im Frühjahr geben. Die App ist aber bereits unter muctrail.de erhältlich und jeder, der möchte, kann schon im Olympiapark auf Entdeckungstour gehen.

Habt Ihr überhaupt Zeit, weiter daran zu arbeiten?

Was uns von den anderen Projekten unterscheidet und worauf wir besonders stolz sind: Unser Projekt ist nachhaltig, denn unser Projektpartner, das Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München, wird das Projekt übernehmen. Es soll dann als Vorbild für weitere Umweltwanderwege in München dienen.

(Interview: Sabrina Czechofsky)

Jessica Neusser, 25, studiert in Weihenstephan Biologie und steckt in den letzten Zügen ihrer Masterarbeit. Seit Anfang 2019 war sie Teilnehmerin der Jungen Akademie und hat mit ihrem Team den MUCtrail entwickelt.

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