Poetry-Slammer Marcel Schneuer
„Ampeldiskussionen“ oder „Teilwarmmietenmodell“: TUM-Student Marcel Schneuer entwickelt einen Twitter-Bot zu Begriffen aus Bundestagsdebatten.
Bild: Gabriela Neeb
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Poetry-Slammer Marcel Schneuer„Ich wäre gern erfolgreich, aber nicht berühmt“

Marcel Schneuer studiert „Politics & Technology“ an der TUM und ist Thüringer Landesmeister im Poetry-Slam. Wieviel Zeit soll er in dieses Hobby investieren? Gibt es einen Job, in dem er beides verbinden kann – den Poetry Slam und die Politik?

Seit fünf Jahren steht Marcel, der „zwischen Hamburg und Niedersachsen geboren“ ist, als Poetry-Slammer auf der Bühne. Für einen Hamburger Radiosender habe er damals einen anderen Slammer interviewt und sich dabei überlegt, das auch „mal ausprobieren“ zu wollen. Wenig später stand er bereits auf der Bühne. Sein erster Auftritt sei „okay“ gewesen, sagt er. Er habe viel gezittert und „nur jeder fünfte Witz hat funktioniert“. Zwei Jahre später sei er dann schon auf Tour gewesen. Inzwischen hat er erfolgreich an Meisterschaften teilgenommen und war auch schon im Fernsehen zu Gast.

Ob er sich vorstellen kann, auch beruflich auf der Bühne zu stehen? Er zögert. Zwar sei er jemand, der „nie etwas ausschließen“ möchte, allerdings könne er es sich auch nicht vorstellen, etwas „ohne Fangnetz zu machen“. Ein Beruf in der Kunst könne zwar sehr erfüllend sein, aber eben „auch sehr schief gehen“. Trotz harter Arbeit könne man da „nur so semi erfolgreich“ sein, und dabei zusehen, wie „ein 16- jähriger Internet-Star an einem vorbeizieht“.

Zukunft in der Netzpolitik

Vielmehr sieht sich Marcel „in der Netzpolitik“. In Jena hat er Politikwissenschaft und Informatik studiert, jetzt macht er seinen Master in München. Seit den drei Semestern, in denen er an der TUM eingeschrieben ist, habe er die Uni erst ein einziges Mal von innen gesehen. Große Freundschaften habe er darum außerhalb seiner WG nicht wirklich knüpfen können. „Ich wäre jetzt nicht gerne 18 und Ersti“, sagt er. Aber auch mit Mitte 20 ist die aktuelle Lage natürlich kein Spaß.

Ende November, als er an den Münchner Stadtmeisterschaften im Poetry Slam teilgenommen hat, waren die Corona Regeln in Bayern bereits wieder verschärft. In einem Saal zu spielen, in dem nur ein Viertel der Plätze besetzt sind, sei natürlich „ein ganz anderes Gefühl“. Gleichzeitig sei es ein schönes Erlebnis gewesen, denn alle hätten schon geahnt, dass es vielleicht der letzte Auftritt in diesem Jahr sein würde.

Ein letztes Mal sei die Münchner Slam-Szene zusammengekommen – „die ist nicht so groß und man kennt sich“. Auch wenn Marcel in der – wie er sagt – „komfortablen Situation“ ist, nicht von den Auftritten leben zu müssen, „tut es auf künstlerischer Ebene weh“, nicht mehr spielen zu können. „Poetry Slam lebt halt von der Publikumsreaktion“, sagt Marcel, „die Texte sind einfach nicht zum Lesen da“.

Durch sein Hobby habe er schon viel lernen können: Man fange mit der Zeit auch zunehmend an, sich dem Publikum zu „präsentieren“. Irgendwann habe er sich dann mal gefragt, wie andere ihn eigentlich sehen. „Bei den ersten Malen auf der Bühne kollidiert die Eigenwahrnehmung oft mit der Realität. Was Leute witzig finden – auch an der Körpersprache – lernt man erst mit der Zeit und dabei auch sich kennen“.

Twitter-Bot und andere Textformen

Was er in den nächsten Jahren noch vorhat? Erstmal sein Studium abschließen und dann schauen, was sich danach aus kleinen Projekten und Plänen entwickelt. Gerade entwickelt er zum Beispiel einen Twitter-Bot. Der Account @BT_First_Said sendet immer dann einen Tweet ab, wenn ein Wort zum ersten Mal in einer Bundestagsdebatte gefallen ist. Zum Beispiel „Ampeldiskussionen“ oder „Teilwarmmietenmodell“.

In einigen Jahren könne er sich vorstellen, sich auch an anderen Textformen zu versuchen und etwa ein Theaterstück oder einen ganzen Roman zu schreiben. Sich über so viele Seiten hinweg mit einem Thema zu beschäftigen, diese ganz „andere Art zu erzählen“, fasziniert den 26-Jährigen. Er gibt zu bedenken, dass es dafür auch „die nötige Disziplin“ brauche. Sein „Struggle“ sei, wieviel Zeit er seinem Hobby neben dem Beruf in Zukunft einräumen wolle. Auf jeden Fall müsse er „einen Job finden, der nicht das ganze Leben einnimmt“ und ihm auch die Freiheit lässt, weiter der Kunst nachzugehen.

Mehr Informationen:

  • Marcel Schneuer hat in Seevetal/Niedersachen Abitur gemacht und anschließend an der Friedrich-Schiller-Universität Jena den Bachelor in Politikwissenschaft gemacht.
  • Seine Bachelorarbeit schrieb er über „Threat Politics und Cybergefahren - Eine Framinganalyse“.
  • Seit 2020 studiert er an der TUM School of Governance Politics & Technology.

  • Website Marcel Schneuer

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