Der Treppenforscher Prof. Friedrich Mielke.
Der Treppenforscher Prof. Friedrich Mielke. (Foto: privat)
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Dokumentarfilm von Prof. Stephan Trüby auf dem Doku.Arts-FilmfestivalFriedrich Mielke: Treppenforscher aus Leidenschaft

"Man müsste eine ganze Universität beauftragen, die Treppen der Welt zu studieren." Dieses Zitat stammt von dem heute 94-jährigen Treppenforscher Friedrich Mielke, den der Architektur-Professor Stephan Trüby in seinem Dokumentarfilm "Friedrich Mielke: The Science of Stairs" porträtiert. Der Film hat am Samstag, 26. September, auf dem Doku.Arts-Filmfestival in Berlin seine Deutschland-Premiere.

Als der Denkmalpfleger und Architekt Friedrich Mielke die Wendeltreppe im Schloss Schwerin hinaufging, hatte er eine Erleuchtung: Dieser Typ eines Treppenaufgangs ist sowohl für Menschen mit besonders kurzen als auch für Personen mit besonders langen Beinen passend. Denn weiter innen sind die Abstände der Stufen eng, weiter außen dagegen haben sie mehr Abstand zueinander, sodass jeder dort die Treppen hoch- und runtersteigen kann, wo es ihm am angenehmsten ist.

Der 1921 geborene Treppenforscher hat über 30 Bücher geschrieben, von denen sich der überwiegende Teil mit Treppen beschäftigt. Im Friedrich-Mielke-Institut für Scalalogie in der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg befindet sich das Mielke-Archiv mit über 10.000 Dossiers über Treppen, eine Diathek mit etwa 35.000 Treppen-Aufnahmen, eine Treppen-Modellsammlung sowie zahllose Zeichnungen und Fotos.

Stephan Trüby, Professor an der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität München (TUM), war 2014 Forschungsleiter der Hauptausstellung "Elements of Architecture", der Architektur-Biennale in Venedig. Hier wurden die einzelnen Elemente der Architektur betrachtet. Der Ausstellungsraum über Treppen war ganz der Arbeit von Mielke gewidmet.

Trüby war von dem Treppenforscher beeindruckt – nicht zuletzt, weil dieser seine Forschung so leidenschaftlich betrieb, obwohl er im Zweiten Weltkrieg ein Bein verloren hatte. Mielke erklärte ihm, dass die Prothese ihm aber sogar geholfen hatte, die Treppen sensibler wahrzunehmen. Gemeinsam mit dem Kameramann Tomas Koolhaas porträtierte Trüby den außergewöhnlichen Forscher. Der Film wird nun zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.

Weitere Informationen:
"Friedrich Mielke: Discipline and Passion, the Science of Stairs", Samstag, 26. September 2015, 21 Uhr, Zeughauskino Berlin.
Einzelvorstellung: 5 Euro, Festivalpass: 30 Euro, Reservierungen Mo bis Fr 10 bis 18 Uhr unter +49 (0)30 20304 421 oder zeughauskino(at)dhm.de

Link zur Veranstaltung:
http://doku-arts.de/2015/de/programme/2015/Friedrich-Mielke

Technische Universität München

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