Jakob Nürnberger studiert Architektur an der TUM. Er fühlt sich in der vielfältigen Umgebung des gemischten Wohnheims sehr wohl. (Foto: Maren Willkomm)
Jakob Nürnberger studiert Architektur an der TUM. Er fühlt sich in der vielfältigen Umgebung des gemischten Wohnheims sehr wohl. (Foto: Maren Willkomm)
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Jakob Nürnberger wohnt mit Flüchtlingen:Gelebte Integration

Wie geht Integration? Eine zentrale Frage in Zeiten, in denen jeden Monat viele Tausend Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Bestimmt nicht, indem die Neuankömmlinge unter sich bleiben, findet TUM-Student Jakob Nürnberger. Seit Anfang Oktober lebt der Architekturstudent in einer Wohneinrichtung des Condrobs e.V. zusammen mit minderjährigen Flüchtlingen.

Jakob, Du lebst in Obersendling zusammen mit Flüchtlingen. Wie darf man sich diese Wohneinrichtung vorstellen?

Nürnberger: Wir leben in einem ehemaligen Bürokomplex, der zu Wohnungen umgebaut wurde. Das Gebäude hat zwei Teile: Auf der einen Seite leben die Studenten und auf der anderen Seite haben die Jugendlichen ihre Zimmer. Jedes Stockwerk teilt sich eine große Küche, wo wir alle zusammenkommen und gemeinsam kochen können. Die Studenten zahlen ganz normale Miete, können aber soziale Aufgaben übernehmen und so ihre Miete mindern.

Wie bist Du darauf gekommen?

Das war erst einmal relativ unromantisch. Ich bin aus Indien zurückgekommen und habe eine Wohnung in München gesucht. Und da ging es mir wie sehr vielen: Es ist nicht so einfach. Dann bin ich auf Condrobs gestoßen und habe mich beworben. Es hat geklappt und seit Oktober wohne ich in einem Zimmer in Obersendling.

Was ist das Besondere an dem Wohnprojekt?

Wir sind zwar räumlich getrennt – wegen den Jugendschutzbestimmungen – aber es findet ein reger Austausch statt. Wir kochen oft abends zusammen und unternehmen auch immer wieder kleine Ausflüge, gehen ins Schwimmbad oder Schlittschuhlaufen. Für mich ist dieses Haus ein Zukunftsprojekt in Sachen Integration – denn die Möglichkeit, eng mit Deutschen zusammenzuleben und sich auszutauschen, haben die meisten Flüchtlinge nicht, obwohl das so wichtig ist.

Wie ist das Miteinander zwischen den Studenten und Flüchtlingen?

Im Haus sprechen wir gar nicht mehr von „Flüchtlingen“. Wir sagen Jugendliche. Weil nichts anderes sind die Jungs. Alle, die im Haus wohnen, gehen noch zur Schule oder machen eine Ausbildung. Das Verhältnis ist ein bisschen wie zu jüngeren Brüdern. Wenn da einer ein Problem hat, kann er sich jederzeit an uns Studenten wenden. Im Haus sind auch rund um die Uhr Betreuer, die für die Jugendlichen verantwortlich sind. Man ist als Student auch nicht verpflichtet, sich überhaupt in die Gemeinschaft einzubringen. Das geschieht alles freiwillig.

Begegnet Dir auch Kritik zu Deiner Wohnsituation?

Unterschwellig kommt das vor. Ich arbeite an der Pforte und bekomme manchmal mit, dass Bewohner aus der Nachbarschaft skeptisch sind gegenüber unserem Wohnheim. Viele sind schlecht informiert und spinnen sich dann irgendeine dunkle Phantasie zusammen. Und auch in meinem Bekanntenkreis höre ich von denen, die gar nichts mit Flüchtlingen zu tun haben und das nur aus dem Fernsehen kennen, die größten Kracher. Die sollten am liebsten alle mal bei mir vorbeischauen.

(Interview: Sabrina Czechofsky)

Jakob Nürnberger (25) studiert im 7. Bachelor-Semester Architektur an der TUM. Die letzten zwei Jahre lebte, studierte und arbeitete er in Indien. Er findet es super, dass er vom Ausland zurück direkt in eine so vielfältige und bunte Umgebung hineingerutscht ist. Nach seinem Abschluss möchte Nürnberger zurück nach Indien, um dort zu arbeiten.

 

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