Ramona Wüst, Sprecherin von Fridays for Future München
TUM-Studentin Ramona Wüst ist die Sprecherin von Fridays for Future in München. (Bild: Georg Kurz)
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Ramona Wüst von Fridays for Future„Wir haben nur eine Welt!“

Für echten Klimaschutz: Die Bewegung „Fridays for Future“ ist auch in München angekommen. Seit Januar laufen hunderte junge Menschen durch die Straßen und bestreiken die Schule. TUM-Studentin Ramona Wüst ist die politische Sprecherin der Bewegung in München.

Ramona, seit Januar streiken jeden Freitag junge Menschen in München für den Klimaschutz. Warum?

Ramona Wüst: In München sind wir fast immer 1.000 und mehr Jugendliche! Wir stecken mitten in einer Klimakrise. Um die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und der Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 1,5°C zu erreichen, müssen wir jetzt handeln. Wir von Fridays For Future Deutschland gehen auf die Straße, weil außer viel Reden immer noch nichts passiert. Vor allem die Politik muss endlich aufwachen.

Was muss die Politik Eurer Meinung nach tun?

Die Politiker müssen endlich verstehen, dass wenn wir Krise sagen, wir Krise meinen. Es muss endlich allen bewusst werden, dass akut Handlungsbedarf besteht. Wir können nicht abwarten und schauen, was passiert, frei nach dem Motto „wenn wir es diesmal versemmeln, machen wir es dafür nächstes Mal besser“. Wir haben nur eine Erde und es wird kein nächstes Mal geben.

Steht Ihr in direktem Kontakt mit Politikern?

Ja. Als politische Sprecherin stehe ich in Kontakt mit einigen Lokalpolitikern. Wir wollen gerade einen runden Tisch ins Leben rufen mit Vertretern aller Landtagsfraktionen, der Wirtschaft, der Wissenschaft, den Gewerkschaften und uns. Dieses dauerhafte Gremium soll mit uns zusammen an Lösungen arbeiten. Eine unserer Forderung ist, dass die Parteien fraktionsübergreifend  zusammenarbeiten, damit das Klimaschutzgesetz in Bayern noch 2019 verabschiedet wird.

Wie bist Du politische Sprecherin von Fridays For Future geworden?

Auf einem Klimacamp in München habe ich Toni Messerschmidt kennengelernt, die auch an der TUM studiert. Wir haben uns über Greta unterhalten und beschlossen, dass etwas passieren muss. Dann haben wir uns in einer kleineren Gruppe organisiert und über Whatsapp einen Kettenbrief verschickt. Die Whatsapp-Gruppe ist förmlich explodiert, weil so viele Leute unsere Anliegen teilen und mitmachen wollten. In den Weihnachtsferien haben wir zwei Treffen veranstaltet und ein Orga-Team gegründet. So ist Fridays For Future in München entstanden. Ich habe mich dann bereit erklärt, als politische Sprecherin zu fungieren.

Viele werfen den Demonstranten vor, nur Schulschwänzer zu sein? Was sagst Du zu solchen Vorwürfen?

Die, die uns das vorwerfen, haben am wenigsten verstanden, dass es um eine echte Krise geht. Es ist ja eine total menschliche Reaktion, mit einem Gegenangriff zu reagieren, wenn man erkennt, dass der andere Recht hat, aber dies nicht zugeben kann oder will. Fakt ist, dass es schon früher Demonstrationen für den Klimaschutz gegeben hat, aber erst die Freitagsdemos so viel Aufmerksamkeit generieren, dass wir mit unseren Forderungen endlich gehört werden.

Klimaschutz geht uns alle etwas an. Was kann jeder Einzelne besser machen?

Das stimmt: Nicht nur die Politik, auch jeder Einzelne muss seine Hausaufgaben machen. Dazu gehört nicht mehr Fliegen, weniger Fleisch essen, Fahrradfahren statt Auto, natürlich auf Demos gehen und seinem Abgeordneten oder Unternehmen schreiben. Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich in den kommenden Jahren viel verändern wird. Wenn wir Veränderungen gemeinsam anstreben, wird es uns leichter fallen auch individuell Schritt zu halten. Wichtig ist, dass wir auch die Chancen erkennen, die eine Krise bieten kann. Auch an der Uni muss sich meiner Meinung nach etwas tun.

Inwiefern?

Wir haben an der TUM schon viele tolle Studiengänge, darunter zum Beispiel nachhaltiges Bauen. Aber das sind Nischenangebote und es liegt noch ein viel zu großes Augenmerk auf alten Energien. In vielen Studiengängen werden nicht die Lösungen gelehrt und entwickelt, die angemessen sind, um die Klimaziele überhaupt zu erreichen. In einem Modul, das ich besucht habe, sprachen wir zum Beispiel 80% der Zeit über „weak sustainability“ - ein Nachhaltigkeitsmodell, das überhaupt nicht nachhaltig ist. Da muss ein Umdenken stattfinden, um die Studierenden fit zu machen für die Herausforderungen der Klimakrise.

Die Klimakrise ist in aller Munde. Habt Ihr Euer Ziel damit nicht schon erreicht?

Es reicht nicht, dass jeder von der Klimakrise gehört hat und die Fakten kennt. Wenn Greta sagt, dass wir in Panik geraten sollen, dann meint sie damit, dass wir uns mit dem auseinandersetzten sollen, was wir fühlen. Wir alle müssen Angst haben, damit wir endlich anfangen, zu handeln. Rationalität allein hat uns in der Menschheit in Krisen noch nie vorangebracht. Wenn das so wäre, hätten wir schon längst angemessen auf die Klimakrise reagiert.

(Interview: Sabrina Czechofsky)


Ramona Wüst, 25, studiert an der TUM Umweltingenieurwesen und steht kurz vor ihrer Masterarbeit. Als politische Sprecherin für Fridays For Future München ist es ihre Aufgabe, mit Politikern das Gespräch zu suchen. Regelmäßig spricht sie auch auf den Freitagsdemos und informiert die Teilnehmer*innen über die Entwicklungen der Gespräche.

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