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Die Blickfeld-Gründer Mathias Müller, Florian Petit und Rolf Wojtech (v.l.).
Die Blickfeld-Gründer Mathias Müller, Florian Petit und Rolf Wojtech (v.l.).
Bild: Blickfeld
  • Entrepreneurship
  • Lesezeit: 3 MIN

Start-up Blickfeld gewinnt höchstdotierten deutschen Gründungspreis Weitblick für das autonome Fahren

Das Start-up Blickfeld hat „Start me up!“ gewonnen, den höchstdotierten deutschen Gründungspreis. Das an der Technischen Universität München (TUM) gegründete Unternehmen hat eine besonders leistungsfähige und zugleich kostengünstige Lidar-Sensorik entwickelt, die als Schlüsseltechnologie für das autonome Fahren gilt.

Autos, die selbstständig unterwegs sind, müssen ihre Umgebung erkennen können, vor allem den Abstand zu anderen Objekten. Dafür wird in der Entwicklung des autonomen Fahrens größtenteils die Lasersensorik Lidar eingesetzt. Das Problem: Bisherige Technologien sind für die Serienfertigung entweder sehr teuer oder zu unpräzise. Denn der Laser muss permanent einen weiten Bereich abtasten, weshalb ein recht großes und mechanisch komplexes System mit einer Vielzahl von beweglichen Teilen notwendig ist, die den Laser in die verschiedenen Richtungen abstrahlen.

Ein Team aus Wissenschaftlern und Absolventen der Technischen Universität München (TUM) hat deshalb einen Lidar-Sensor entwickelt, der sowohl leistungsfähig ist als auch kostengünstig produziert werden kann. Die Entwickler setzen Silizium ein, um einen Spiegel mit einer komplexen Mikrostruktur zu erzeugen, der ein sehr weites Blickfeld abdecken kann. „Damit machen wir den aufwendigen Aufbau der herkömmlichen Systeme überflüssig“, sagt der Robotik-Experte Dr. Florian Petit.

Sensoren in Scheinwerfern und Rückspiegeln

Blickfeld heißt auch das Start-up, das Petit 2017 mit dem Messtechniker Dr. Mathias Müller und dem Informatiker Rolf Wojtech an der TUM gegründet hat. Ihre Technologie hat weitere Vorteile: Das System ist nur faustgroß und kann deshalb zum Beispiel in Scheinwerfern oder Rückspiegeln eingebaut werden. Weil es kaum mechanische Teile braucht, ist es robuster als bisherige Lidar-Technologien. Und trotz der Hightech-Methode sind diese sogenannten MEMS-Spiegel einfach zu produzieren.

Begleitet wurde das Team durch die TUM Gründungsberatung, als Mentor fungierte im Rahmen eines EXIST-Stipendiums Prof. Alexander Koch vom Lehrstuhl für Messsystem- und Sensortechnik, wo Gründer Mathias Müller habilitiert. Der Venture Capital Fonds von UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung, investierte mit einem Konsortium in das Start-up. Mit potentiellen Kunden konnten sich die Gründer über den Digital Hub Mobility der Bundesregierung vernetzen, der bei UnternehmerTUM angesiedelt ist.

Einsatz auch in Robotern und Drohnen

Blickfeld hat mehr als 30 Patente angemeldet und beschäftigt bereits rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Das Interesse aus der Automobilindustrie ist groß“, sagt Florian Petit. „Wir arbeiten derzeit mit mehreren Zulieferern zusammen, unter anderem mit dem Weltmarktführer für Scheinwerfer. Die Serienfertigung streben wir für das Jahr 2023 an.“

Nutzbar sind Lidar-Sensoren längst nicht nur für Autos, sondern für alle Technologien, die ihre Umwelt wahrnehmen sollen, beispielsweise Roboter, Transportdrohnen oder automatisierte Logistiksysteme.

Fünf von zehn Finalisten aus der TUM

Dieses Geschäftsmodell überzeugte auch die Jury von „Start me up!“ um den Silicon-Valley-Investor Andreas von Bechtolsheim. Rund 300 Start-ups hatten sich beim mit 100.000 Euro höchstdotierten deutschen Gründungswettbewerb beworben, der vom Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ und den Unternehmen Daimler, HanseMerkur und ProSiebenSat1 Media ausgerichtet wird.

Unter den zehn Finalisten waren vier weitere Start-ups mit TUM-Hintergrund: Hawa Dawa bietet ein System zur Messung der Luftqualität, Isar Aerospace Technologies produziert Trägerraketen für kleine Satelliten. Kiutra hat eine Magnettechnologie entwickelt, um Quantencomputer zu kühlen, und Social-Bee bringt als gemeinnütziger Zeitarbeitsdienstleister Geflüchtete und Unternehmen zusammen.

Mehr Informationen:

TUM und UnternehmerTUM unterstützen Start-ups mit Programmen, die exakt auf die einzelnen Phasen der Gründung zugeschnitten sind – von der Konzeption eines Geschäftsmodells bis zum Management-Training, vom Markteintritt bis zum möglichen Börsengang. Bis zu 30 Teams gleichzeitig können Büros im „TUM Inkubator“ nutzen, um sich auf den Start ihres Unternehmens vorzubereiten – mit den aussichtsreichsten reist die TUM für zwei Wochen ins Silicon Valley. UnternehmerTUM bietet mit dem „MakerSpace“ eine 1.500 Quadratmeter große Hightech-Werkstatt für den Prototypenbau und der „Bio.Kitchen“ ein Biotechnologielabor für Experimente. Diese Förderung ist laut „Gründungsradar“ die beste an den großen deutschen Hochschulen. Jedes Jahr werden an der TUM mehr als 70 technologieorientierte Unternehmen gegründet.

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Technische Universität München Klaus Becker
klaus.becker(at)tum.de

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