Erfolgsfaktoren guter Lehre

Gute Lehre entsteht in einem komplexen Wechselspiel und ist von den konkreten Rahmenbedingungen und den beteiligten Personen abhängig. Doch auch wenn erfolgreiche Lehre hochindividuell und kontextsensitiv ist, gibt es einige grundsätzliche Faktoren, die den Lehr- und Lernprozess erheblich unterstützen und stärken können. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen einige dieser Erfolgsfaktoren vor.

Gemeinsam mit den Studierenden stehen Sie als Lehrender im Mittelpunkt des Lehr-Lern-Prozesses. Sie gestalten die Lernumgebung ganz maßgeblich mit und setzen den Rahmen, in dem Kompetenzen und Wissen erworben werden können. Sie sind es, der dem Thema ein Gesicht gibt, dessen Stimme die Phänomene und die Fragen Ihres Fachgebietes beschreibt und der die Studierenden motiviert, eigenverantwortlich zu lernen. Und Sie sind es auch, der die Studierenden zum kritischen Nachdenken und verantwortlichen Handeln anregt.

Gute Lehre stellt hohe Anforderungen an die Lehrenden und geht weit darüber hinaus, Fachinhalte korrekt wiederzugeben. Sie ist eng mit der Persönlichkeit, der Selbstkompetenz und den sozialen Kompetenzen des Lehrenden verknüpft. Patentrezepte, die Ihnen garantieren, gut zu lehren, gibt es daher nicht. Ihre Lehre ist immer ganz persönlich und genauso individuell wie Sie – und nur so kann sie auch gute Lehre sein. Lernen und Lehren sind im Kern interaktive Prozesse und beinhalten eine wichtige soziale Komponente. Den eigenen Stil zu finden und diesen authentisch zu leben, sind wichtige Faktoren, um selber Freude an der Lehre zu haben – und verstärken den Lernerfolg bei Ihren Studierenden, denn Sie schaffen dadurch förderliche Rahmenbedingungen für ein motiviertes und inspiriertes Lernen. 

Tipps:
  • Wichtige Voraussetzungen für gute Lehre sind das Interesse am erfolgreichen Lernprozess der Studierenden und am Thema. Erinnern Sie sich zurück, was Sie als Studierende(n) begeistert hat. Was motiviert Sie heute in der Auseinandersetzung mit den Studierenden und dem Thema?
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie sich wohlfühlen: mit der Art und Weise, in der Sie lehren, der Rolle, die Sie als Lehrender einnehmen, mit den Methoden, die Sie wählen, und mit den Inhalten, die Sie vermitteln wollen. Das ermöglicht Ihnen, mit den Studierenden flüssig und wohlwollend zu kommunizieren sowie einen angenehmen, und flüssigen Lehr-Lern-Dialog zu führen.
  • Sie müssen als Lehrender nicht immer nett sein und grenzüberschreitendes Verhalten akzeptieren. Als Lehrender ist es auch wichtig klare Grenzen zu setzen und für die Einhaltung von Spielregeln zu sorgen. Überlegen Sie, was Ihnen wirklich wichtig ist, und machen Sie den Studierenden freundlich aber bestimmt klar, was Sie von ihnen erwarten. Geben Sie ein offenes und entwicklungsorientiertes Feedback. So kennen die Studierenden ihre Grenzen und wissen, was von ihnen verlangt wird.
  • Probieren Sie aus, wie Sie Ihre Studierenden aktivieren und zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Inhalten begeistern können. Wie Sie das tun, sollte zu Ihnen als Person passen, umso leichter werden Sie die entsprechende Methode mit einem guten Gefühl und zielführend anwenden können.
  • Natürlich spielen der sprachliche Ausdruck, Formulierungen, sowie Ihre Körpersprache eine große Rolle bspw. für die Qualität des Lehr-Lernprozesses, die Verständlichkeit der Inhalte und den Kontakt zu ihren Studierenden. Bleiben Sie dennoch natürlich, setzen Sie sich nicht unter Druck, der perfekte Rhetoriker sein zu wollen! Falls Sie an Ihrem Auftreten etwas verbessern wollen, so fangen Sie mit kleinen, konkreten Veränderungen an. Beobachten Sie, wie es Ihnen damit geht und welche Erfolge sich einstellen. Nach und nach werden Sie Ihren Handlungsspielraum als Lehrender immer mehr ausweiten.

Motivierte Dozenten fördern die Motivation ihrer Studenten – und umgekehrt. Leider sieht die Realität in den Hörsälen auch anders aus: Lehrende erleben die Studierenden als desinteressiert und unmotiviert – und umgekehrt. Resultat kann ein Kreislauf aus abnehmender Lehrqualität, ungenügenden Prüfungsergebnissen und schlechter Lehrevaluation sein. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Lehre so gestalten, dass sie Sie bereichert. Ihre Zufriedenheit und Freude beim Lehren wird auch Ihren Studierenden zugutekommen.

Nicht selten empfinden Hochschullehrer ihre Lehrverpflichtung als eine Zusatzbelastung, die Ressourcen von ihrer Forschertätigkeit abzieht. Die exponierte Position als Lehrender erscheint ungewohnt und wird als unangenehm erlebt. Wenn es Ihnen aber gelingt, Ihre Lehre so zu gestalten, dass Ihnen die Auseinandersetzung mit den Lehrinhalten und den Studierenden Freude bereitet, wenn Sie es schaffen, ein persönliches Interesse am Unterrichtsgegenstand zu kultivieren und Sie von der Wirksamkeit des eigenen Unterrichts überzeugt sind, dann wird Ihre Lehre zu einer Quelle von Austausch, Inspiration und Erfolgserlebnissen – für Sie und für Ihre Studierenden.

Tipps:
  • Um die Freude am Unterrichten wiederzufinden, sollten Sie sich zunächst fragen, was Ihre Lehrmotivation verringert. Überlegen Sie, auf welche Faktoren Sie selbst Einfluss nehmen können. Häufig unterschätzen Hochschullehrer ihre Freiräume in der Gestaltung von Lehre. Langweilt es Sie, jedes Semester dieselbe Lehrveranstaltung zu halten? Dann schaffen Sie Ab­wechslung, indem Sie neue Lehrmethoden ausprobieren oder inhaltliche Schwerpunkte variieren.
  • Nicht jedes Thema ist für Sie gleichermaßen interessant. Dennoch sollten Sie Ihren eigenen Zugang zum Thema für die konkrete Planung der Lehrveranstaltung unbedingt nutzen. Welche Inhalte halten Sie für besonders sperrig? Was ist Ihrer Ansicht nach komplex und was eher einfach? Berücksichtigen Sie entsprechende Überlegungen bei der Auswahl der thematischen Schwerpunkte, der Gliederung und methodischen Aufbereitung Ihrer Lehrveranstaltung. Überlegen Sie, inwieweit Sie eigene Forschungsschwerpunkte in Ihre Lehre einbringen können.
  • Kaum etwas ist frustrierender als festzustellen, dass Studierende nichts oder nur wenig aus der eigenen Lehrveranstaltung mitnehmen. Wir wissen aber: Studierende lernen dann besonders gut, wenn ihnen der Anwendungs- und Professionsbezug unmittelbar einleuchtet. Schaffen Sie daher authentische Lernsituationen, indem Sie im Berufsfeld gängige Arbeitsformen und -methoden in Ihre Lehre integrieren und Fachexperten einladen.
  • Schaffen Sie Foren des Austausches mit Kollegen und profitieren Sie von deren Feedback!
  • Und auf alle Fälle: Investieren Sie in den Kontakt mit den Studierenden! Fragen Sie nach ihren fachlichen Interessen und beruflichen Zielen, aber auch nach ihrer konkreten Studiensituation.

Laut Ken Bain, einem bekannten Hochschulforscher, haben besonders erfolgreiche Dozenten ein wesentliches Merkmal gemeinsam: Sie können ihre Studierenden motivieren und ihnen helfen, sich selbst zu motivieren. Aber was ist eigentlich Motivation, wie entsteht sie und wie kann ich sie bei meinen Studierenden wecken?

Motivation stellt den wichtigsten Erfolgsfaktor für erfolgreiches Lernen dar. Studien zeigen, dass die meisten Erstsemester hochmotiviert ihr Studium beginnen – diese Motivation aber bald sinkt. Es gilt daher, Settings zu schaffen, in denen Studierende motiviert bleiben und nicht demotiviert werden.

Wie können Sie als Lehrender solche Settings schaffen? Die Grundmotive von Menschen lassen sich in Autonomie (“ich kann selbst bestimmen, wann ich was tue”), Kompetenzerleben (“ich spüre, dass ich etwas kann”) und soziale Einbettung (“ich möchte Teil einer Gemeinschaft sein”) unterteilen. Studierende motiviert es beispielsweise, vor positive Herausforderungen gestellt zu werden, wenn sie Feedback zu ihrer Leistung erhalten, wenn Inhalte so verpackt werden, dass die Studierenden einen Bezug zu ihren persönlichen Motiven spüren.

Ihre Studierenden haben das Studienfach aus guten Gründen gewählt und sind hochmotiviert ins Studium gestartet; helfen Sie ihnen, diese Motivation zu bewahren oder wiederzuentdecken. Als Lehrender können Sie beispielsweise durch lebendige Einführungen in ein Thema, Praxisbezüge, Gruppenaufgaben und Interaktivität motivieren – und das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Instrumentariums zur Förderung der Motivation.

Tipps:
  • Schon eine spannend formulierte Überschrift kann motivieren.
  • Überlegen Sie sich zu Beginn einer Lehreinheit einen motivierenden Einstieg ins Thema, in dem Sie beispielsweise die Relevanz des Themas aufzeigen, mit einem spannenden Problem oder einer typischen Aufgabe beginnen.
  • Fragen Sie interaktiv mit Ihren Studierenden deren Vorwissen ab und ordnen Sie es ein als Grundlage für den heutigen Lehrstoff.
  • Schaffen Sie Bezüge zu Ihren Studierenden, knüpfen Sie an aktuelle Entwicklungen (Zeitungsschlagzeilen, Fernsehberichte, politische Diskussionen, Stadtklatsch) an.
  • Sie können auch einen historischen Ansatz wählen. Fragen Sie Ihre Studierenden: Welche Entwicklungen, Fragestellungen, Probleme haben zur Entwicklung der Inhalte geführt, die Sie heute in der Veranstaltung thematisieren? Zeigen Sie Bilder von Persönlichkeiten der Vergangenheit, stellen Sie Vergleiche zwischen alten und aktuellen Lösungsansätzen auf.
  • Vorsicht mit Belohnungen, sie können die intrinsische Motivation von Studierenden zerstören! Wenn Sie belohnen, dann am besten nicht materiell, sondern z.B. mit mündlichem, auf die Leistung in der Aufgabe bezogenem Feedback.

Unter Lernergebnissen werden im Allgemeinen Aussagen darüber verstanden, was Studierende nach dem Besuch der Lehrveranstaltung wissen oder können. Klug formulierte Lernergebnisse führen bei den Studierenden zu einem stärker selbstverantwortlichen Lernprozess.

Gut formulierte Lernergebnissen erfüllen die folgenden Funktionen:

  • Sie unterstützen die Lehrenden dabei, den Perspektivwechsel zur Lernergebnisorientierung („shift from teaching to learning“) zu vollziehen.
  • Sie unterstützen die Lehrenden dabei, die Lehrveranstaltung auf zielführende Inhalte hin zu reduzieren (didaktische Stoffreduktion).
  • Sie machen den Studierenden transparent, was durch die Lehrveranstaltung erreicht werden soll, stärken dadurch die Selbstverantwortung und öffnen alternative Lernwege.

Allerdings ist die Formulierung von Lernergebnissen nicht leicht – insbesondere weil die meisten Lehrenden es gewohnt sind, von den zu vermittelnden Lehrinhalten auszugehen (beispielsweise mit der stichpunktartigen Auflistung von Inhalten zu beginnen) und es aus dieser Perspektive schwierig ist, Lernergebnisse abzuleiten. Eigentlich sollte es genau umgekehrt sein: aus den Lernergebnissen sollten die Inhaltspunkte abgeleitet werden.

Eine bewährte Methode, Lernergebnisse zu beschreiben, basiert auf der Bloom’schen Taxonomie, einer Skala, die zunehmend komplexere Leistungen beschreibt. Lernergebnisse werden mittels konkreter und beobachtbarer Verben qualifiziert, die die zu erbringenden Leistungen der Studierenden beschreiben. Die Bloom’sche Taxonomie beschreibt neben kognitiven Lernergebnissen (beispielsweise Wissen, Verstehen, Reflektieren) auch motorische Fertigkeiten und Haltungen. In der Regel kann eine 45minütige Lehreinheit durch drei bis fünf Lernergebnisse abgebildet werden.

Tipps:
  • Formulieren Sie Lernergebnisse so, dass Studierende selbst beurteilen oder zumindest abschätzen können, ob sie das Lernziel bereits erreicht haben oder nicht.
  • Formulieren Sie Lernergebnisse nach dem Muster “Am Ende der Veranstaltung können die Studierenden …” und beschreiben Sie dann das Lernergebnis als Aktivität der Studierenden, die beobachtbar und prüfbar ist. Das Hochschulreferat hat dafür eine Handreichung mit Verblisten und konkreten Beispielen erstellt.
  • Betrachten Sie die Bloom’sche Taxonomie als Orientierungshilfe, aber letztlich ist die angemessen genaue Beschreibung der zu erbringenden Leistung wichtiger als eine korrekte Taxonomieeinstufung.
  • Hin und wieder stellen Dozenten die Lernergebnisse zu Beginn der Veranstaltung vor, das kann in Verbindung mit einer Agenda zu ermüdenden Redundanzen führen. Differenzieren Sie in Ihrer Veranstaltung zwischen der Agenda und den Lernergebnissen; erstere soll motivieren und einen Überblick geben, letztere eigenen sich gut für eine Vorabinformation oder die Zusammenfassung.

Während Lehrende den Lehrprozess oft aus der Perspektive der Lehrinhalte sehen, gehen Studierende im Gegensatz dazu bei der Planung ihres Lernprozesses häufig von den Prüfungen aus. Werden Prüfungen nicht sorgfältig konzipiert, lernen Studierende meist anders und anderes als von den Lehrenden angestrebt: “What you test is what they learn.”

Das Formulieren von Lernergebnissen ist ein wichtiges Instrument, um präzise und transparent zu definieren, was das angestrebte Ergebnis einer Lehrveranstaltung ist. Um aber die Studierenden zum Tiefenlernen und Kompetenzerwerb anzuregen, müssen im Sinne eines Constructive Alignments neben den Inhalten vor allem die Prüfungen an den Lernergebnissen ausgerichtet sein: nur so kann sichergestellt werden, dass Studierende die angestrebten Kompetenzen erwerben. Um eine Veranstaltung nach Constructive Alignment zu gestalten werden nach der Definition der Lernergebnisse zunächst die Prüfungsformen festlegt, um danach Aufbau, Struktur und Inhalte der Lehrveranstaltung an den Prüfungsaufgaben auszurichten. Dieses Vorgehen ist aber nicht streng linear: So kann beispielsweise die Erkenntnis, dass bestimmte Lernergebnisse nicht sinnvoll zu prüfen sind, dazu führen, das gewünschte Lernergebnis zu verändern.

Tipps:
  • Beginnen Sie mit der Definition der Lernergebnisse. Formulieren Sie nicht mehr als drei bis fünf möglichst konkrete, klare und realistische Ziele für eine Lehrveranstaltungsstunde. Reduzieren Sie die Inhalte entsprechend in didaktisch sinnvoller Weise. Bleiben Sie ehrlich in den Erwartungen sich selbst und Ihren Studierenden gegenüber.
  • Konzipieren Sie im zweiten Schritt Prüfungsaufgaben, mit denen Sie die angestrebten Lernergebnisse abprüfen können.
  • Erst im dritten Schritt konzipieren Sie die eigentliche Lehrveranstaltung; beachten Sie dabei, dass die Lehrschritte spürbar auf die Prüfung vorbereiten. Das stärkt die Motivation der Studierenden, aktiv am Lernprozess teilzuhaben und Verantwortung zu übernehmen.
  • Setzt man Constructive Alignment konsequent um, ist der Aufwand zu Beginn des Semesters tatsächlich vergleichsweise hoch. Der Aufwand wird durch die klare Struktur und die höhere Motivation der Studenten belohnt.
  • Sie können sich Constructive Alignment erleichtern, indem Sie eine höhere Differenzierung und Flexibilität bei der Entwicklung von Prüfungen anstreben – natürlich immer im Rahmen der Prüfungsordnung und der zugelassen Prüfungsformen.
  • Im Zuge der Unterstützung des Bolognaprozesses stellt das TUM Center for Study and Teaching Handreichungen zur Umsetzung von Constructive Alignment zur Verfügung.

Seit die moderne Lehr- und Lernforschung belegt hat, dass Lernen ein aktiver Prozess ist, drängen aktivierende Lehrmethoden auch in die Hochschulen. Es handelt sich dabei um ein wachsendes Arsenal von Lehrmethoden, die die Studierende aus einer passiv-aufnehmenden Rolle herauslösen und dazu bringen sollen, in einer Lehrveranstaltung intensiv mitzudenken und aktiv am Geschehen teilzunehmen und mitzumachen.

Oft findet in Lehrveranstaltungen, insbesondere in den großen Vorlesungen, kein wirkliches Lernen statt. Stattdessen sitzen die Studierenden die Zeit ab und sammeln Material und Informationen, um sich später, meist erst in der Prüfungsvorbereitung, aktiv mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Da dieses Verhaltensmuster eine Reihe von Nachteilen hat (beispielsweise nur kurzfristiges und oberflächliches Lernen, Zeitnot und Stress in den Prüfungsphasen), wird versucht, die Studierenden in den Lehrveranstaltungen dazu zu bringen, sich bereits während der Veranstaltung mit dem Stoff auseinanderzusetzen.

Um die Studierenden persönlich anzusprechen und einzubeziehen, können Dozierende sachliche, soziale und persönliche Taktiken anwenden: Auf Sachebene gilt es das Interesse am Lehrinhalt zu wecken, auf sozialer Ebene das Gruppengefühl zu stärken und auf persönlicher Ebene die eigene Ansprechbarkeit zu erhöhen. Naturgemäß ist dies in kleineren Veranstaltungen (Seminaren, Tutorübungen) leichter, da die Studierenden dort nicht so einfach in einer anonymen Masse untertauchen können. Aber es ist auch in großen Vorlesungen möglich, die Studierenden zum aktiven Mitdenken und Mitarbeiten zu bewegen.

Tipps:
  • Rechnen Sie damit, dass Ihre Studierenden anfangs nicht begeistert davon sein werden, dass sie in der Lehrveranstaltung aktiv mitdenken sollen, weil es anstrengend und ungewohnt ist. Lassen Sie sich von einer skeptischen oder ablehnenden Haltung Ihrer Studierenden nicht entmutigen; erklären Sie in der ersten Stunde Ihr Lehrkonzept, motivieren Sie dazu sich darauf einzulassen und bleiben Sie hartnäckig. Selbst mitzudenken und mitzuarbeiten ist wie ein Muskel, der trainiert werden muss.
  • Beginnen Sie so früh wie möglich mit der Aktivierung. Je später Sie damit beginnen, umso schwieriger ist es. Am Anfang einer Lehrveranstaltung können Sie mit Abstimmungen durch Handheben die Studierenden früh aus einer passiven Konsumhaltung herausreißen und eine interaktive Atmosphäre schaffen.
  • Eine solide Motivation für den Lehrstoff und ein guter Kontakt zu den Studierenden erleichtern die Aktivierung erheblich.
  • Fragen und dialogisches Arbeiten sind wirksame Instrumente, um auch in großen Vorlesungen eine Aktivierung der Studierenden zu erreichen.
  • In kleineren Gruppen gibt es darüber hinaus eine Reihe von Kleingruppenübungen, in denen Studierende erworbenes Wissen vertiefen, kritisch reflektieren, oder probeweise anwenden können. Hier reicht das Spektrum von klassischer Kleingruppenarbeit über Rollenspiele bis hin zur dezentralen Wissensvermittlung anhand von Lerninseln. Sicherlich ist da auch eine Methode dabei, die zu Ihnen passt – lassen Sie sich beraten!

Sie können die Wirksamkeit Ihrer Lehre verstärken, indem Sie gezielt Medien zur Unterstützung Ihres Lehrvortrags einsetzen. Das können PowerPoint-Folien sein, aber auch mitgebrachte Gegenstände, Videosequenzen oder Soundeffekte. Bei unsachgemäßen Einsatz können Medien allerdings auch vom eigentlichen Lehrinhalt ablenken; hier geben wir Ihnen einige Tipps zum professionellen Medieneinsatz.

Medien können Ihren Lehrvortrag unterstützen, indem sie Kernpunkte veranschaulichen, kognitiv entlasten und es erleichtern, den roten Faden zu behalten. Neben den klassischen Visualisierungsmedien wie PowerPoint, Tafel und Overhead gibt es beispielsweise auch Tablets, Pinnwände, oder Flipcharts mit jeweils ganz eigenen Stärken und Schwächen. Vor allem aber sind Sie selbst das wichtigste Medium, indem Sie dem Lehrstoff eine Stimme und ein Gesicht geben.

Tipps:
  • Folien sollen in erster Linie Ihren Lehrvortrag visuell unterstützen – missbrauchen Sie die Folien nicht als Gedächtnisstütze (sich mühsam von Stichwort zu Stichwort hangeln, macht Lehrvorträge langweilig) oder als Handout (zu viel Text auf den Folien sorgt dafür, dass die Studierenden die Folien lesen, statt auf Sie zu achten).
  • Die Visualisierung soll die wichtigsten Punkte hervorheben: Beschränken Sie sich auf den Folien auf die Kernaspekte, ergänzen Sie den Rest mündlich oder im Dialog mit Studierenden.
  • Folien sollen Sie beim Erklären schwieriger Sachverhalte unterstützen (z.B. durch Grafiken oder kleine Animationen). Verwenden Sie lieber Bilder als Text. Verwenden Sie lieber Diagramme als Zahlentabellen. Achten Sie auf die Leserichtung und führen Sie die Studierenden durch komplexe Grafiken (durch Laserpointer, Animationen).
  • Die Schriftgröße sollte nicht kleiner als 18 Punkte sein; verwenden Sie serifenlose Schriften wie Arial, Calibri, Helvetika oder Tahoma; verwenden Sie nicht mehr als 4 Farben.
  • Medienwechsel ist ein Instrument, um Abwechslung in Lehrveranstaltungen zubringen, die Studierenden wieder wach zu rütteln und so die typische Aufmerksamkeitsspanne von 20 Minuten zu verlängern.
  • Wenn Sie eine Präsentation am Beamer unterbrechen, um etwas an die Tafel zu zeichnen, dunkeln Sie die Präsentation durch Drücken der Taste „b“ ab oder schalten Sie das Tafellicht an.
  • Pinnwände eignen sich bei Kleingruppen besonders gut zum interaktiven Sammeln von Inhalten; die Studierenden können ihre Ideen auf Karten schreiben und anpinnen, oder Sie haben schon vorformulierte Karten, die Sie bei Nennung durch die Studierenden anpinnen oder aufdecken.

Der Einfluss der Hochschullehrenden auf das tatsächliche Lernverhalten der Studierenden wird meist überschätzt – und in anderer Hinsicht unterschätzt: einerseits findet der Großteil des Lernens im Studium außerhalb der Lehrveranstaltungen als Selbstlernen statt, andererseits aber können die Möglichkeiten, diese Lernphasen gezielt einzubinden und zu unterstützen, gezielt genutzt werden.

Damit Studierende ihr Lernen selbst steuern können, müssen sie wissen, was sie wie lernen müssen und wo sie gerade stehen. Machen Sie also in Ihrer Veranstaltung transparent, was Ihre Studierenden während des Semesters in und über die Präsenzveranstaltung hinaus lernen sollen. Geben Sie einen Referenzrahmen vor, der die zu erreichenden Lernergebnisse in ihrer Struktur und in den Etappen definiert, und weisen Sie immer wieder auf wichtige Inhalte, Strategien und Zusammenhänge hin. Schaffen Sie gezielt Anlässe, die Selbstlernen unterstützen: beispielsweise durch Übungen, Hausaufgaben, Quizze, Zwischenklausuren, Lernportfolios. Stellen Sie den Studierenden Ressourcen zur Verfügung und helfen Sie ihnen dabei, sich selbst und ihren Lernfortschritt einzuschätzen.

Unterstützen Sie die Studierenden dabei, die für sie richtigen Lernstrategien und Lerntechniken zu finden: Erklären Sie die Techniken und geben Sie Metaerklärungen, warum und wie sie funktionieren. Oder ermutigen Sie die Studierenden, an Kursen zur Lernkompetenzstärkung teilzunehmen. Fördern Sie kooperatives Lernen in Teamarbeit, so dass die Studierenden auch voneinander lernen und sich Feedback geben können.

Rechnen Sie aber auch immer mit Widerständen, denn oft haben die Studierenden die Erwartung, dass ihnen das Wissen mundgerecht serviert wird. Auch der typische Lernzyklus vieler Studierender, während des Semesters nur in kleinen Dosen zu lernen und sich erst zur Prüfungsvorbereitung mit den Inhalten vertraut zu machen, sollte Sie nicht entmutigen. Selbststudium kann und muss gelernt und gelehrt werden wie alles andere auch – und denken Sie daran: wie jeder Lernprozess, braucht das auch Zeit.

Tipps:
  • Viele Lernstrategien und -techniken verwenden z.B. Mitschriften, Mindmaps, Karteikarten, alte Klausuraufgaben. Weisen Sie bei Gelegenheit darauf hin, verwenden Sie sie gegebenenfalls und berichten von Ihren eigenen Erfahrungen mit Lerntechniken, z.B. Eselsbrücken.
  • Ressourcen: Neben klassischen Materialien wie Buchempfehlungen, Links, Zeitschriftenartikel fallen in diesen Bereich auch Sprechstunden und Tutorsprechstunden sowie elektronische Angebote wie Wikis oder FAQs.
  • Integrieren Sie Ihre Angebote in die natürliche Lernumgebung Ihrer Studierenden. Räumlich: Studierende lernen beispielsweise zuhause, in der Bibliothek oder in Lernräumen an der Fakultät oder School. Technisch: Studierende lernen oft mithilfe eines Computers, benutzen Google, Wikipedia, Mindmanager, Chats.
  • Der Lernfortschritt kann beispielsweise durch E-Tests, Probeklausuren oder Hausaufgabenkorrekturen gezeigt werden. Bieten Sie in Sprechstunden, Mails oder Diskussionsforen auch individuelles Feedback und zeigen Sie, was die Studierenden bereits können und wo sie sich noch verbessern sollten.

Die Vielfalt der Welt, in der wir leben, wird uns in unterschiedlichen Kontexten zunehmend bewusst – auch in der Lehre wächst die Heterogenität unter den Studierenden. Gerade in einer Universität mit dem Anspruch, national und international die klügsten Köpfe anzulocken, spielt der professionelle und innovative Umgang mit Heterogenität eine große Rolle und stellt einen wichtigen Erfolgsfaktor gelungener Lehre dar.

In der Universität begegnet uns Diversität auf vielen verschiedenen Ebenen: Studierende und Lehrende unterscheiden sich im Blick auf Alter, Geschlecht, Kultur, Sprache, Gesundheit, Herkunft, Religion etc. Entsprechende Unterschiede zeichnen sich in den individuellen Lehr- und Lernstilen ab und prägen die soziale Interaktion und Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden maßgeblich. Nichtsdestotrotz werden alters-, geschlechts- oder kulturbedingte Differenzen bei der Planung und Durchführung von Lehre selten reflektiert und berücksichtigt.

Stattdessen neigen Lehrende eher dazu, von einer Homogenität der Lernvoraussetzungen auszugehen. Abweichungen werden als störend empfunden, weil sie gewohnte Handlungsmuster aufbrechen, spontane Reaktionen verlangen und den reibungslosen Ablauf von Lehre beeinträchtigen. Es lohnt sich daher, den Faktor “Diversität” bereits in der Vorbereitung der eigenen Lehrveranstaltung zu bedenken. Durch eine bewusste Auseinandersetzung mit der Vielfalt ihrer Studierenden bauen Sie ihr eigenes Handlungs- und Perspektivspektrum als Lehrender aus. Zugleich leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe aller Talente an der wissenschaftlichen Gemeinschaft, was im Zuge der Globalisierung und des lebenslangen Lernens weiter an Bedeutung gewinnen wird. Der Wettbewerb um Studierende und Fachkräfte nimmt stetig zu; innovative Lösungen im Umgang mit heterogenen Zielgruppen sind gefordert, damit durch individuelle Förderung Chancengleichheit aller gewährleistet wird.

Tipps:
  • Reflektieren Sie, wie Diversität Ihre Lehre beeinflusst: Wie ist Ihre Lehre von Ihrer eigenen soziokulturellen Herkunft, Geschlechtsidentität, Hautfarbe, religiösen Verortung/Weltanschauung geprägt? Welche Rolle spielen die verschiedenen Voraussetzungen und Erwartungen der Studierenden für Ihre Lehre?
  • Manchmal sind Sie der bunte Hund – schärfen Sie Ihre Wahrnehmung für Situationen, in denen Sie der Minderheit statt der Mehrheit angehören. Was löst die Fremdheit Ihrer Umgebung emotional bei Ihnen aus? Was vermindert bzw. erhöht ggf. Ihr Unwohlsein?
  • Unabhängig von der Anzahl und der Heterogenität der Lernenden gibt es didaktische Strategien und Methoden, die individuell beim Kompetenzerwerb unterstützen. Dazu zählen beispielsweise die Berücksichtigung des Vorwissens, die Bildung von Clustern oder die Nutzung des Peer Teaching.
  • Bieten Sie eine Bandbreite an Lehr- und Lernmethoden an und vermitteln Sie Inhalte auf mehreren Verstehensebenen: Studierende mit noch niedriger Lernkompetenz erhalten durch übersichtliche Inhaltszusammenfassungen Orientierung, fortgeschrittene Lerner werden durch Transferfragen für das Thema begeistert und herausragende Studierende können durch den Verweise auf weiterführende Forschung und Literatur ihr Wissen vertiefen.
  • Nutzen Sie das universitätsinterne Beratungsangebot zum Thema Diversity!