• 30.11.2022
  • Lesezeit: 4 Min.

Spatenstich für den Neubau des Zentrums für MS und Neurowissenschaften

Gemeinsam gegen Multiple Sklerose

Am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München entsteht ein europaweit einzigartiges Gebäude: Das Zentrum für Multiple Sklerose und Neurowissenschaften wird Forschung, Therapieentwicklung und Behandlung unter einem Dach bündeln. Mit dem ersten Spatenstich wurde gestern der Bau des Zentrums offiziell begonnen. Der Neubau wird maßgeblich durch eine Spende der Klaus Tschira Stiftung ermöglicht.

Kathrin Czoppelt / Klinikum rechts der Isar
Der Spatenstich für den Neubau des Zentrums für Multiple Sklerose und Neurowissenschaften: Am Klinikum rechts der Isar entsteht ein Neubau, der die Behandlung von Patient:innen, Grundlagenforschung, Entwicklung von Therapien auf neue Art verbindet.

Allein in Deutschland leiden mehr als 250.000 Menschen an Multipler Sklerose (MS), einer immer noch unheilbaren Erkrankung des Nervensystems. Jährlich wird die Diagnose bei rund 15.000 Betroffenen neu gestellt. Intensive Forschung und neue Behandlungsansätze sind daher dringend nötig.

Beim Spatenstich sagte Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume: „Spatenstich für einen Akt der Humanität! Multiple Sklerose ist die Krankheit der 1000 Gesichter. Am neuen Zentrum für MS und Neurowissenschaften am Rechts der Isar wird alles getan, um die Krankheit zu verstehen und noch bessere Heilmethoden zu finden. Highend-Versorgung und Spitzenforschung kommen hier zusammen. Mein besonderer Dank geht an die Klaus Tschira Stiftung für das großartige Engagement!“

„Ein wichtiger Meilenstein“

„Der Neubau für das Zentrum für Multiple Sklerose und Neurowissenschaften am Universitätsklinikum rechts der Isar der TUM ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Forschung und Entwicklung neuer Behandlungsansätze für Patientinnen und Patienten mit dieser Erkrankung“, sagt Dr. Martin Siess, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum rechts der Isar. Durch das innovative Forschungskonzept, die räumliche Zusammenführung spezialisierter Forscher:innen und Kliniker:innen am Campus des Klinikums und durch die unmittelbare Nähe zum geplanten Zentrum für Digitale Medizin und Gesundheit (ZDMG) fördere dieser Neubau den interdisziplinären Austausch und die patientenorientierte Forschung in besonderem Maße.

Prof. Stephanie E. Combs, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TUM, erklärt: „Wir sind stolz auf die Errichtung des Zentrums für Multiple Sklerose und Neurowissenschaften. Es spiegelt zum einen die international sichtbare klinische und wissenschaftliche Leistung in diesem Bereich wieder, zum anderen stärkt es die Translation von wissenschaftlichen Entwicklungen in die klinische Versorgung – und repräsentiert exemplarisch, zusammen mit dem TranslaTUM in der onkologischen Forschung, die innovative und zukunftsgerichtete translationale Ausrichtung der TUM Medizin.“

„Austausch zwischen Patient:innen und Forschenden“

„Das Zentrum für Multiple Sklerose und Neurowissenschaften wird Patientinnen und Patienten die neuesten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten eröffnen und die Forschung in diesem Bereich vorantreiben“, sagt Prof. Bernhard Hemmer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum rechts der Isar. „In dem Gebäude werden wir die neurowissenschaftliche Forschung an der TUM zusammenführen, um neue Strategien zur Behandlung der MS, aber auch anderer neurodegenerativer Erkrankungen zu entwickeln und dann in die Anwendung am Menschen zu bringen.“ Durch die enge Verzahnung von klinischen Versorgungsstrukturen, Studienambulanzen, klinischer und grundlagenorientierter Forschung werde ein in Europa einmaliges Zentrum für Multiple Sklerose und Neurowissenschaften geschaffen.

Lilian Knobel, Geschäftsführerin der Klaus Tschira Stiftung, betont: „Erfolgreiche Wissenschaft lebt von der Kommunikation – und sie braucht auch ausgezeichnete Gebäude und Infrastruktur, um sich entfalten zu können.“ Beides werde im neuen MS-Zentrum verwirklicht, der unmittelbare Austausch zwischen Patient:innen und Forschenden verspreche die besten Synergien aus angewandter und Grundlagenforschung „Der Bau wird den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beste Bedingungen bieten. Die Klaus Tschira Stiftung freut sich, zu diesem Meilenstein in der Erforschung von MS beizutragen.“

Geplante Fertigstellung 2025

Künftig sollen in dem geplanten Zentrum mehr als 2000 MS-Patient:innen pro Jahr versorgt werden, die das Universitätsklinikum jährlich betreut – Tendenz stark steigend.  Wie essenziell die Erforschung der MS ist, weiß als Betroffene auch Nadja Birkenbach-von Kuzenko. Sie hat vor sieben Jahren ihre Diagnose erhalten und ist Initiatorin des Paten-Programms für Patient:innen mit Multipler Sklerose. „Die offene und patientenfreundliche Gestaltung des Gebäudes steht für mich sinnbildlich für die Entstigmatisierung der Erkrankung“, sagt sie. „Als aktive Studienteilnehmerin konnte ich in den vergangenen Jahren erfahren, wie wichtig Forschungsergebnisse und Studien sind. Sie leisten einen enormen Beitrag zum Verständnis der MS-Erkrankung sowie zur Verbesserung von Therapien und unserer Lebenssituation.“ Dies alles trage dazu bei, dass der Großteil der MS-Patient:innen ein normales Leben ohne große Einschränkungen führen könne.

An den Gesamtkosten für den Neubau von rund 54 Millionen Euro beteiligt sich der Freistaat Bayern mit 12 Millionen Euro, zudem sind die Fakultät für Medizin und die TUM mit jeweils 8 Millionen Euro beteiligt. Das geplante Zentrum, das 2025 fertig sein soll, schafft eine besonders interdisziplinäre Forschungsinfrastruktur, die auch für die Exzellenzstrategie der TUM von großer Bedeutung ist. „Mit dem Neubau schaffen wir etwas Einzigartiges. Wir bündeln unsere Kompetenzen von der Grundlagenforschung, der Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren über innovative Therapieansätze bis hin zur akuten klinischen Behandlung von unter Multiple Sklerose leidenden Menschen unter einem Dach“, erklärt Prof. Thomas Hofmann, Präsident der TUM. „Ich danke der Klaus Tschira Stiftung sowie der Staatsregierung für die großzügige Unterstützung. Sie geben den Betroffenen und ihren Familien damit neue Hoffnung.“

Weitere Informationen und Links

Bei der Multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine der häufigsten entzündlichen Erkrankung des Zentralnervensystems. Dabei werden aus noch ungeklärter Ursache die äußeren Schutzhüllen der Nervenbahnen durch das körpereigene Immunsystem angegriffen und zerstört. Der Verlust dieser Schutzhüllen schädigt Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark und stört die Weiterleitung von Signalleitung. Die Folge sind Symptome, die von Taubheitsgefühlen über Seh-, Koordinations- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Lähmungen reichen. Am Universitätsklinikum rechts der Isar werden pro Jahr mehr als 2000 Patient:innen mit Multipler Sklerose behandelt. Im neuen Zentrum für Multiple Sklerose und Neurowissenschaftliche Forschung werden Wissenschaftler:innen die Rolle des Immunsystems genauer studieren und den Mechanismen auf den Grund gehen, die zur Schädigung der Schutzhüllen und der Nervenzellen selbst führen. Ihre Erkenntnisse sollen neue Therapieansätze ermöglichen.

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